Investmentbank verdient Geld mit Aluminium-Lagern

Blick auf das Goldman Sachs-Schild an der New York Stock Exchange. (Bildquelle: REUTERS)

Investmentbank verdient Geld mit Rohstoff

Wie Aluminium zu Gold wird

27 riesige Lagerhäuser in Detroit. Darin: ein Viertel des weltweiten Aluminium-Bestands, gehortet von der Investmentbank Goldman Sachs. Jetzt prüft die amerikanische Bankenaufsicht dieses ungewöhnliche Geschäftsmodell.

Von Georg Schwarte, ARD Berlin, zzt. New York

Senator Sherrod Brown aus Ohio versteht die Welt nicht mehr. Er hält im Bankenaussschuss des US-Senats Fotos in die Luft. Zu sehen sind große Lagerhäuser - vollgepackt mit Aluminium. Nächstes Bild: ein Riesenöltanker. Die Lager und Tanker gehören weder Exxon oder BP wie Brown dann erklärt: "Die gehören Goldman Sachs und Morgan Stanley. Und wie Sie vielleicht wissen: Das sind Banken."

Warum also kauft die weltgrößte Investmentbank Goldman Sachs, wie 2011 geschehen, 27 riesige Lagerhäuser in Detroit und bunkert dort mittlerweile ein Viertel des weltweit produzierten Aluminiums? Der unabhängige Rohstoffhändler Eric Zucarelli steht auf dem Parkett der New Yorker Rohstoffbörse und sagt: "Ganz einfach: Weil sie auf die Art aus Aluminium Gold machen können."

Wie aus Aluminium Gold wird
G. Schwarte, ARD Berlin
26.07.2013 09:00 Uhr

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Verdächtig viel Insiderwissen

Goldman verdiene durch die Vermietung für das eingelagerte Aluminium anderer Händler. Dazu komme das "enorme Insiderwissen" darüber, wo, wann und wie viel Aluminium auf der Welt gebraucht wird. "Ein Riesenvorteil auf dem Rohstoffmarkt", sagt Zucarelli.

Aber ein Vorteil, der jetzt der Bankenaufsicht und den Senatoren in Washington verdächtig nach zuviel Insiderwissen riecht. Dazu kommt: Seit Goldman Sachs in den Lagerhäusern Aluminium einlagert, warten Firmen wie Coca Cola, Autohersteller und andere Unternehmen, die Aluminium für ihre Produkte brauchen, viel länger auf die Auslieferung.

Künstliche Aluminiumknappheit lässt Preise steigen

Künstliche Verknappung sorgt für höhere Preise sagt Zucarelli: "Seit Goldman die Lager besitzt, hat sich die Auslieferungszeit an die Endkunden von drei Wochen auf bis zu 16 Monate verlängert." Goldman Sachs kontrolliere systematisch jeden Tag wie viel Aluminium auf den Markt geworfen wird.

Für Senator Sherrod Brown ein Unding. Investmentbanken, die eigentlich Geldgeschäfte machen sollten, lagern und horten jetzt Öl, Kupfer oder wie im Fall Goldman Sachs Aluminium.

Getränkedosen in einem Kölner Supermarkt. (Bildquelle: picture alliance / dpa)
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Ein kühles Getränk aus dem Supermarkt - und Goldman Sachs verdient mit.

"Goldman oder Morgan Stanley verdienen jetzt jedes Mal, wenn wir Verbraucher tanken, wenn wir eine Coladose aus Aluminium kaufen oder Produkte, die Kupfer enthalten", betont Brown.

Coca Cola beispielsweise braucht jedes Jahr 90 Milliarden Dosen, um seine Süßgetränke unters Volk zu bringen. Die künstliche Aluminiumknappheit aber lässt die Preise steigen. "Das ist fast wie eine Steuer. Nur, dass die Verbraucher sie nicht an den Staat, sondern an Goldman Sachs zahlen", sagt Rohstoffhändler Zucarelli. In der Dosenindustrie habe das den Verbraucher bislang drei Milliarden Dollar gekostet. "Nimmt man andere Unternehmensparten wie Autos dazu sind wir bei einem Aufschlag von sechs Milliarden."

Rohstoff wandert von Lager zu Lager

Noch ist das alles ganz legal. Zwar gibt es die Vorschrift der zuständigen Londoner Rohstoffbörse, dass Rohstoffe wie Aluminium nicht über Monate eingelagert werden dürfen. Diese Vorschrift erfüllt Goldman Sachs, indem sie das Metall schlicht Tag für Tag von einem Lager ins andere schaffen - per Lkw.

"Metallkarussell" nennen die Lagerarbeiter dieses absurde Schauspiel. "Einen Skandal" nennt das Senator Brown und sagt: "Die profitieren von ihrem Insiderwissen, sie haben einen Vorteil beim Rohstoffhandel, sie können die Märkte manipulieren."

Die amerikanische Bankenaufsicht guckt sich die Sache jetzt näher an. Möglicherweise entzieht sie Ende des Jahres den Investmentbanken die Genehmigung für dieses lukrative Geschäft, so dass aus Goldman Sachs wieder eine Bank ohne angeschlossenes Aluminiumlager würde.

Stand: 26.07.2013 10:40 Uhr

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