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"All you can fly"-Tickets von American Airlines

Die schlechteste Idee der Firmengeschichte

Ende der 80er-Jahre hatte die Fluggesellschaft American Airlines eine - wie sie fand - geniale Idee. Für 250.000 Dollar konnten Kunden ein Dauerflugticket erwerben: lebenslang in der ersten Klasse. Für die Airline wurde das Geschäft ein Desaster. Nun versucht sie, die Karteninhaber loszuwerden.

Von Martin Ganslmeier, NDR-Hörfunkstudio Washington

Es war im April 1988, als der texanische Geschäftsmann Jaques Vroom von einem neuen Angebot der Fluggesellschaft American Airlines erfuhr: "All you can fly" in der ersten Klasse - lebenslang - für 250.000 Dollar. Weil Vroom ohnehin ständig fliegen musste, um seine Kunden zu betreuen, erschien ihm dieses Angebot sehr attraktiv. Zumal es für weitere 150.000 Dollar ein zusätzliches Dauerflugticket für eine beliebige Begleitperson gab. "Das musste ich haben", erinnerte sich Vroom kürzlich im Sender NPR: "Ich rief an, wie kann ich die Tickets kaufen? Sie sagten: 'Kommen Sie mit 400.000 Dollar.'"

All you can fly auf Lebenszeit - AA kämpft mit den Folgen
M. Ganslmeier, NDR Washington
15.08.2012 20:20 Uhr

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Monatsraten à 5000 Dollar

Jacques Vroom entschied sich für Monatsraten. Fünf Jahre lang zahlte er jeden Monat 5000 Dollar - eine lohnende Investition. Denn der Geschäftsmann hatte auch vorher schon mehrere tausend Dollar für Flüge ausgegeben. Was er nicht ahnte: die goldenen Dauerflugtickets für die erste Klasse veränderten sein Leben. "So viele exotische Städte! Direktflüge nach Hongkong, nach Johannesburg, nach Nairobi. Ich dachte: Oh mein Gott!"

20 Jahre lang flog der heute 67-jährige Texaner mindestens vier mal pro Woche erster Klasse. Und nicht nur geschäftlich. Manchmal einfach, um mit seiner Frau spontan an irgendeinen Ort der Welt zu reisen: "Willst Du nach Tokio? Kein Problem. Pack einige Bücher ein und los gehts!" Unbezahlbar schön fand Vroom, dass er jeden Samstag zum Football-Spiel seines Sohnes von Texas quer durch die USA nach Maine fliegen konnte.

Unterm Strich ein mieses Geschäft

American-Airlines-Maschinen
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Jedes Dauerflugticket kostet American Airlines eine Million Dollar pro Jahr.

American Airlines merkte schon bald, dass die goldenen Tickets zwar kurzfristig viel Cash brachten, aber unterm Strich ein mieses Geschäft waren. Offensichtlich hatte man die Vielflieger-Leidenschaft von Leuten wie Vroom unterschätzt. 1994 wurde die "All you can fly"-Aktion gestoppt. Da hatte sich der texanische Geschäftsmann längst an das süße Leben an Bord der ersten Klasse gewöhnt: "Alle Stewardessen wussten, dass ich gerne Lachs esse. Also brachten sie mir immer gleich zwei oder drei Lachsschnitten als Appetizer."

2007 ergab eine interne Untersuchung von American Airlines, dass Dauervielflieger die Fluggesellschaft jedes Jahr eine Million Dollar pro Person kosten. 2008 zog man die Reißleine. Jaques Vroom erhielt ein Schreiben: Sein Dauerflugticket sei eingezogen, weil er seinen Begleitplatz unerlaubterweise an fremde Personen weiterverkauft habe. Auch anderen Dauervielfliegern wurde gekündigt: wegen zu häufiger Doppelbuchungen oder weil Begleitpersonen unter falschem Namen mitgeflogen waren. "Sie wollten uns loswerden, weil wir zu teuer waren", ist sich der Texaner sicher und hat American Airlines verklagt.

Das Verfahren ruht derzeit, weil American Airlines seit Ende 2011 insolvent ist. Doch selbst wenn Jaques Vroom sein "goldenes" Ticket nie wieder nutzen darf - die 20 Jahre in der ersten Klasse waren für ihn das Geschäft seines Lebens.

Stand: 15.08.2012 20:42 Uhr

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