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21.11.2009

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Kommentar: Alle Vorurteile über Italien bestätigt - leider

Kommentar zu Alitalia

Alle Vorurteile über Italien bestätigt - leider

Was sich in den letzten Tagen und Wochen in Italien abgespielt hat, hat die Qualität einer schlechten Seifenoper. Ein endloses Hin und Her, ein Spielchen zwischen Gewerkschaften und Regierung, Insolvenzverwalter und Luftfahrtbehörde und der CAI, der neuen künftigen Eignerin von Alitalia - all das auf dem Rücken von 20.000 Beschäftigten. Denn um deren Zukunft ging es ja schließlich.

Lange Zeit sah es so aus, als würde man sehenden Auges in Kauf nehmen, dass die italienische Fluglinie - immerhin ein Nationalsymbol mit 60 jähriger Tradition - ganz einfach Pleite geht. Ein Tag der Entscheidung jagte den nächsten, die nationale Aufsichtsbehörde ENAC drohte sogar mit dem Entzug der Fluglizenz.

Ein Äußerung sorgt für 100 Millionen Euro Verlust

Der Insolvenzverwalter der Fluglinie trug das Seine dazu bei, indem er vor zwei Wochen warnte, Alitalia habe kein Geld mehr, man könne schon bald das Flugbenzin nicht mehr bezahlen und müsse anfangen Flüge abzusagen. Resultat: Die Ticketverkäufe gingen massiv zurück, die Fluglinie machte zusätzlich 100 Millionen Euro Verlust.

Dabei haben viele finanzielle Probleme der - noch - halbstaatlichen Alitalia eben genau damit zu tun, dass die Politik sich noch einmischen kann. So musste Alitalia zum Beispiel über Jahre mit fast leeren Flugzeugen den Flughafen Albenga anfliegen, ein kleines Örtchen in Ligurien. Ein ehemaliger Innenminister kam dort her. In Mailand-Malpensa wurde ein neuer Großflughafen eröffnet, aber der bisherige - günstiger gelegene - Stadtflughafen Linate wurde nicht geschlossen. Ergebnis: Alle Geschäftsleute auf der Alitalia Rennstrecke Rom-Mailand flogen weiter nach Linate, die Flüge von Malpensa aus waren unrentabel.

Paradies der Nichtstuer mit Beziehungen

Und dann das Problem der Vetternwirtschaft. Politiker, die im jobarmen Italien jemandem einen Gefallen schuldig waren, brachten ihre Schützlinge reihenweise bei Alitalia unter. Das hat dazu beigetragen, dass Alitala-Beschäftigte als "Fannulloni" gelten, als faule Nichtstuer. Das fliegende Personal, die Profis also, leiden bis heute darunter. Denn sie müssen Hohn und Spott der Passagiere ertragen.

Bei den Vertragsverhandlungen hat dieser Punkt eine nicht unwichtige Rolle gespielt, Motto: Nun habt Euch doch nicht so, wenn ihr sowieso schon nichts tut, müsstet ihr doch auch mit ein bisschen weniger Gehalt einverstanden sein. Was jetzt ausgehandelt wurde, hat zwar das Überleben von Alitalia gesichert, ist aber ganz klar ein Beweis dafür, wie dilettantisch die Regierung von Silvio Berlusconi agiert. Im Frühjahr dieses Jahres war der Verkauf von Alitalia nämlich schon fast gesichert - die Regierung Prodi hatte ihn eingefädelt. Air France wollte einsteigen, für 300 Millionen Euro. Die Franzosen hätten auch die Schulden der halbbankrotten Italiener übernommen.

Schwülstiges zur "Italianità"

Von 2000 Entlassungen war die Rede. Dann kam es zu Neuwahlen, der neue Ministerpräsident Berlusconi hielt schwülstige Reden über Italianità, das Italienertum und wie wichtig eine Compagnia di Bandiera sei, eine nationale – italienische - Fluglinie. Sehr verständliches Ergebnis: Die Franzosen brachen die Übernahmeverhandlungen ab.

Jetzt wird Alitalia in zwei Teile gespalten, den profitablen, der ohne Kosten in die Hände der Investorengruppe CAI übergeht und den nicht profitablen, der in die Insolvenz geschickt wird. Italiens Regierung hat extra dafür sogar das Insolvenzrecht per Dekret geändert. Die Schulden - bis zu zwei Milliarden Euro - trägt also nun der italienische Steuerzahler. Und inzwischen sind etwa 3500 Kündigungen im Gespräch. Der Plan beinhaltet auch, dass Italiens Nummer Zwei am Himmel, Air One, mit Alitalia fusioniert wird. Die Kunden werden die Dummen sein, denn es gibt kaum noch Konkurrenz, soll heißen, die Ticketpreise werden steigen.

Welche Interessen stecken wirklich dahinter?

Was jedoch besonders verwundert, ist folgendes: Als man die Pleitegeier schon über Alitalia kreisen sah, war von Regierungsseite zu hören, die Übernahme durch die Investorengruppe CAI sei die einzige Rettung. Alternativvorschläge und andere Lösungen wurden nicht akzeptiert. Man muss sich ernsthaft fragen, welche politischen Interessen hinter dieser Haltung stecken und welche Verbindungen es da möglicherweise gibt. Und ob bei diesen Verbindungen vielleicht auch finanzielle Aspekte im Spiel sind.

Der Fall Alitalia erfüllt also leider jedes Vorurteil, das man über dieses Land eigentlich nur haben kann. Dazu passt auch, dass sich der geliftete und haartransplantierte Silvio Berlusconi am Donnerstag - mitten in der Krise - auf eine exklusive Wellnessfarm in Umbrien zurückgezogen hat. Angeblich will er dort seine Rückenschmerzen auskurieren. Bella Italia.

Stand: 27.09.2008 17:46 Uhr
 

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