Eine Alitalia-Maschine auf dem Rollfeld  | Bildquelle: AFP

Marode Fluggesellschaft Alitalia bereitet Insolvenz vor

Stand: 02.05.2017 19:10 Uhr

Nach dem gescheiterten Sanierungsplan bereitet die defizitäre italienische Fluggesellschaft die Insolvenz vor. Nun ist Italiens Regierung am Zug: Sie ernannte drei Kommissare, die die Kehrtwende schaffen - oder aber das Unternehmen abwickeln sollen.

Die defizitäre italienische Fluggesellschaft Alitalia wird unter kommissarische Aufsicht gestellt. Die Anteilseigner der Airline stimmten dafür - und die italienische Regierung ebenfalls: Das Ministerium für Wirtschaftliche Entwicklung in Rom gab einem entsprechenden Antrag des Alitalia-Managements statt. Die "außerordentliche Sonderverwaltung" entspricht einer Insolvenzverwaltung.

Die Regierung ernannte außerdem drei Kommissare, die die Geschicke des schwer angeschlagenen Unternehmens lenken müssen. Entweder schafft Alitalia damit die Wende oder das Unternehmen wird aufgelöst. Der Flugbetrieb laufe weiter wie geplant, hieß es.

Im April hatte die Belegschaft in einer Abstimmung einen Sanierungsplan mit drastischen Sparmaßnahmen abgelehnt. Die italienischen Aktionäre und die arabische Fluglinie Etihad - der mit Abstand größte Aktionär - hatten daraufhin die im Plan vorgesehene Kapitalerhöhung von zwei Milliarden Euro abgesagt.

Etihad will nicht weiter investieren

Die Aktionäre hätten das Ergebnis mit "tiefem Bedauern" zur Kenntnis genommen, denn das Votum habe eine Sanierung und einen Neustart der Gesellschaft verhindert, hieß es. Ohne die Unterstützung aller Beteiligten für eine Umstrukturierung sehe sich Etihad nicht in der Lage, weiter in das Unternehmen zu investieren, erklärte Vorstandschef James Hogan laut Mitteilung. Die Übernahme von 49 Prozent der Anteile hat sich für die Araber bislang als teures Zuschussgeschäft erwiesen.

Eine Verstaatlichung der ehemaligen Staats-Fluglinie schloss die Regierung in Rom bislang aus. Sie will einen Käufer für die Krisen-Airline finden und stellte Alitalia für die Übergangszeit einen Brückenkredit von 300 bis 400 Millionen Euro in Aussicht. Derzeit arbeite das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung an einem Dekret, das die Rahmenbedingungen für einen solchen Kredit festlege.

Lufthansa erteilte bereits Absage

Den Segen Brüssels braucht die Regierung dafür nicht, da dieser Schritt nicht als staatliche Beihilfe anzusehen sei, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission. Italienische Medien spekulieren, dass die Laufzeit eines solchen Kredits länger sein und die Kreditsumme mit 500 Millionen Euro höher liegen könnte. Lufthansa hatte indes in der vergangenen Woche mitgeteilt, kein Interesse an einer Übernahme der Fluggesellschaft zu haben.

Alitalia steckt seit Jahren in der Krise. Billigflieger wie Ryanair und Easyjet waren in den vergangenen Jahren massiv auf den italienischen Markt gedrängt und hatten die ohnehin schon schwache Alitalia unter Druck gesetzt. Im Jahr 2015 hatte diese fast 200 Millionen Euro Verlust gemacht.

Experten halten die Perspektive für Alitalia für weitaus schlechter als etwa für die angeschlagene Air Berlin - auch weil die Belegschaft als wenig kooperativ gilt. Alitalia beschäftigt 12.500 Mitarbeiter.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. Mai 2017 um 15:40 Uhr.

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