Chinesische Flagge und Flaggen der Suchmaschine Baidu

Wettbewerb chinesischer Online-Firmen Alibaba und die zwei Rivalen

Stand: 17.09.2014 11:21 Uhr

Chinesisches Internet - das ist nicht nur der Online-Händler Alibaba. Vergleichbar mächtig sind Baidu und Tencent. Die Geschäftsfelder der drei Firmen wachsen immer mehr zusammen. Die Rivalität auf Chinas Online-Markt nimmt zu.

Von Markus Rimmele, ARD-Hörfunkstudio Schanghai

Die Konzernzentrale von Baidu im Nordwesten Pekings ist ein moderner Glaspalast für 5000 Leute. Die Atmosphäre in dem hellen Gebäude ist locker. Die meisten Mitarbeiter tragen Jeans, T-Shirt, Turnschuhe.

Das Durchschnittsalter liege bei 25,8 Jahren, sagt Unternehmenssprecherin Anna Wang. "Wenn Sie runter ins Untergeschoss gehen, finden Sie ein Yoga-Studio, eine Kantine mit westlichem und eine mit chinesischem Essen, einen kleinen Supermarkt, eine Reinigung und ein Fitnessstudio."

Baidu - die beliebteste Suchmaschine der Volksrepublik

Ein Hauch von Silicon Valley weht durchs Gebäude. Und das passt schon. Baidu ist das Google Chinas, betreibt die mit Abstand beliebteste Suchmaschine der Volksrepublik mit einem Marktanteil von 60 Prozent.

Baidu wurde im Jahr 2000 von dem Informatiker Robin Li gegründet. Heute hat das Unternehmen 32.000 Mitarbeiter - und damit mehr als Alibaba.

Firmenzentrale von Chinas Suchmaschine Baidu in Peking
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Die Suchmaschine Baidu hat in China einen Marktanteil von 60 Prozent.

"Ich habe mich schon im Studium mit der Informationssuche beschäftigt. Und machte damit weiter, als Suchmaschinen im Internet aufkamen. Ich habe all die Jahre immer an diesem Thema gearbeitet. Die Nachfrage stieg. Und ich konnte damit viel Geld verdienen", erzählt Robin Li. Sehr, sehr viel Geld, um genau zu sein. Robin Li ist Multimilliardär, der drittreichste Chinese.

Wer vom chinesischen Internet spricht, sollte nicht nur Alibaba, sondern mindestens drei Konzerne im Blick haben, vergleichbar groß und vergleichbar mächtig. Zusammen werden sie auch BAT genannt: B für Baidu. A für Alibaba. Und T für den dritten im Bunde: Tencent aus der südchinesischen Stadt Shenzhen.

WeChat mit mehr als 400 Millionen Nutzern

Tencent hat mit der Nachrichten-App WeChat die jüngste große Erfolgsgeschichte auf dem chinesischen Digitalmarkt hingelegt. WeChat, vergleichbar mit WhatsApp, hat mehr als 400 Millionen Nutzer.

"Ich kann gar nicht mehr überblicken, wie oft am Tag ich WeChat benutze. Es geht schon gleich nach dem Aufwachen los. Da schaue ich schon nach Nachrichten. Ich glaube, die meisten machen das heute so. Meine Hand ist ständig am Smartphone", sagt die 33-jährige Werbemanagerin Feifei aus Schanghai. Jüngere Chinesen organisieren ihr gesamtes Privatleben über WeChat, zunehmend auch das Berufsleben.

Wechat
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WeChat - die jüngste Erfolgsgeschichte auf Chinas Digitalmarkt

Der Internetriese Alibaba ist der größte Onlinehandelsplatz Chinas.
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Wer in China online einkauft, der geht fast immer zu Alibaba.

Die Grenzen verschwimmen

Und so stehen die drei großen BAT-Konzerne für unterschiedliche Dinge: Baidu für Internetsuche, Alibaba für Online-Shopping, Tencent für Spiele und Messaging. Doch längst verschwimmen die Grenzen, sagt Anna Wang von Baidu: "Im mobilen Zeitalter dringt jeder ins Territorium des anderen vor. Alibaba war mal ein reiner Online-Marktplatz. Jetzt machen sie auch Landkarten, Musik, ein Bezahlsystem und Instant Messaging. Das ist aber eigentlich das Gebiet von Tencent. Tencent wiederum bietet auch Suchfunktionen an. Und wir wollen jetzt in den Online-Handel." Jeder gehe in den Bereich des anderen.

Ein scharfer Wettbewerb zwischen den Dreien ist im Gange. Jeder versucht, komplette digitale Systeme für alle Lebensbereiche aufzubauen und die Nutzer im eigenen Netzwerk zu halten.

Vor allem Alibaba greift die Konkurrenten offensiv an. Diese schlagen gemeinsam zurück. Tencent und Baidu haben sich gerade für ein neues Projekt im mobilen Shopping zusammengetan. Alibaba braucht also Feuerkraft, um sich auf dem Heimatmarkt zu behaupten. Das heißt Geld. Daher der Milliarden-Börsengang.

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