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Alternative Internet-Nutzung Purer Zufall statt Algorithmus

Stand: 25.01.2017 04:30 Uhr

Algorithmen steuern unser Verhalten im Internet, egal ob wir nach Videos, Musik oder Hosen suchen. Doch inzwischen gibt es eine Gegenbewegung, die in die unbekannten Nischen blicken will.

Von Philipp Glitz, WDR

"Algorithmen haben eine sehr große Macht, weil wir sie ihnen geben", sagt Medienwissenschaftlerin Caja Thimm von der Universität Bonn. Immer weniger Menschen würden sich bewusst entscheiden, ein bestimmtes Musikalbum zu hören. Gerade bei Streamingdiensten helfen Algorithmen, die passenden Titel auszuwählen. Im Internet werden Empfehlungen für den CD-Kauf ausgesprochen.

"Algorithmen schaffen Inszenierungen", sagt dazu Philosoph Klaus Mainzer von der TU München. "Sie geben uns Bilder der Welt vor, die wir uns als Konsument zu Eigen machen." Die Empfehlungsmaschinen von Facebook, Google und Amazon errechnen, was ihre Nutzer interessieren wird. Große Teile der Inhalte im Internet bleiben so unerreicht.

Die Macht der Algorithmen im Internet
tagesthemen 22:30 Uhr, 24.01.2017, Philipp Glitz, WDR

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Kein Mainstream

Die Website Astronaut.io setzt auf zufällige Wiedergabe. Hier sieht man YouTube-Videos, die noch kein Mensch gesehen hat: Ein kleines Mädchen, das mit ihrem Vater verstecken spielt. Ein russischer Chor, der lautstark auf der Bühne singt. Ein Basketballspiel aus einer miefigen Sporthalle in den USA. Ein Husky, der sich auf einer schneebedeckten Wiese im Kreis dreht.

Die Videos werden nach dem Zufallsprinzip gezeigt und sind so ein wenig Rebellion gegen die Macht der Algorithmen. "Diese Inhalte sind eigentlich das, was den Reichtum des Internet ausmacht", sagt Medienwissenschaflterin Thimm. "Es ist das, was spannend zu entdecken ist und nicht nur reiner Mainstream."

Die Spitze des digitalen Eisberges

Sucht man im Netz nach Informationen, stößt man immer auf eine Vorauswahl. Diese treffen die Algorithmen der großen Netzfirmen. Die Nutzer erreichen dadurch häufig nur die Spitze des digitalen Eisberges. Große Teile der Inhalte im Internet bleiben so unerreicht.

Medienwissenschaftlerin Caja Thimm von der Universität Bonn
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"Viele spannende Dinge abseits der großen Plattformen" - Wissenschaftlerin Thimm.

Es gibt inzwischen aber auch eine Gegenbewegung", sagt Thimm. "Es sind Inhalte aus der Nische, die schön zeigen, dass es auch Dinge gibt außerhalb der großen Plattformen und der Algorithmen, die interessant und spannend sind."

So können Nutzer auf der Seite von Forgotify Lieder hören, die vernachlässigte und ungehörte Lieder aus Playlisten abspielt. Mit der Seite Radio.garden können Nutzer auf eine kleine Weltreise zu kleinen und ausgefallenen Webradios gehen.

Es ist ein Plädoyer für die Inhalte aus der Nische, die nicht Millionen von Klicks haben. "Wir werden gezwungen, uns selbst ein Bild zu machen und selber zu urteilen", sagt Philosoph Klaus Mainzer "Ich möchte dafür plädieren, dass die menschliche Urteilskraft nicht auf der Strecke bleibt."

Die Algorithmen helfen zum Beispiel bei der Suche nach Musik, die zu den eigenen Vorlieben passt. Doch die Risiken und Nebenwirkungen der Empfehlungsmaschinen trägt der Mensch dabei selbst.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 24. Januar 2017 um 22:30 Uhr.

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