Ein Airbus A380 im Landeanflug auf den Internationalen Flughafen Dubai.  | Bildquelle: AFP

Airbus A380 steht vor dem Aus

Stand: 15.01.2018 14:40 Uhr

Dem Großraumflugzeug A380 droht das Aus. Einzige Hoffnung von Airbus: Ein neuer Auftrag von Emirates. Doch seit zwei Jahren gab es keine Bestellung mehr für den Riesenflieger. Abgesehen vom A380 ist Airbus jedoch im Aufwind und feierte 2017 einen neuen Rekord.

Der weltgrößte Passagierjet A380 steht nach Angaben von Airbus-Verkaufschef John Leahy vor dem Aus. Wenn es weiter keine neuen Bestellungen der Fluggesellschaft Emirates gebe, werde das Prestigeprojekt eingestellt, kündigte Leahy in einer Telefonschalte anlässlich der Bilanz-Pressekonferenz in Paris an.

Emirates sei derzeit wahrscheinlich die einzige Airline im Markt, die für einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren mindestens sechs Flugzeuge jährlich abnehmen könne. Nur in diesem Umfang sei sei das A380-Programm weiter rentabel. Leahy sagte, Airbus verhandele aktuell noch mit der Fluggesellschaft über Neubestellungen. Wenn die Gespräche erfolglos verliefen, gebe es aber "keine andere Möglichkeit, als das Programm einzustellen".

Funktionäre aus den Emiraten gehen eine Treppe vor einem A380 herunter. | Bildquelle: AFP
galerie

Emirates ist der wichtigste A380-Kunde. Die Fluggesellschaft bestellte bislang 144 Exemplare. Die 100. Maschine des Typs wurde im November 2017 übergeben.

Seit zwei Jahren keine A380-Bestellung mehr

Seit Januar 2016 bleiben Bestellungen für den A380 aus. Grund sind laut Experten die hohen Anschaffungs- und Betriebskosten. Airbus fährt deshalb bereits die Produktion zurück und hofft, so die Durststrecke zu überstehen, bis das Interesse an dem Großraumflieger wieder anzieht. Auf der Luftfahrtmesse in Dubai war im November eigentlich ein neuer Großauftrag für A380-Jets erwartet worden. Emirates ließ den Deal über 36 Maschinen aber überraschend platzen.

Anders als in arabischen und asiatischen Ländern war das Interesse in Europa am A380 immer schon verhalten: Die Lufthansa hat nach eigenen Angaben 14 Maschinen in Betrieb und fliegt damit Ziele vor allem in den USA und in Asien an. Ansonsten bieten nur Air France und British Airways Flüge mit dem Riesen-Airbus an.

Ein Waschraum mit Duschkabine in der First-Class Kabine eines Airbus A380 von Emirates. | Bildquelle: dpa
galerie

Passagiere schätzen den Komfort beim A380, wie hier den Waschraum mit Duschkabine in der First-Class Kabine eines Airbus A380 von Emirates.

Anschaffungskosten sind zu hoch

Experten sprechen von einem "Paradox" beim A380: Er werde von Passagieren wegen seines Komforts sehr geschätzt und sei technisch auf hohen Stand. Aber seine Anschaffungs- und Betriebskosten seien für viele Airlines zu hoch. In der Branche ist der Wettbewerbs- und Preisdruck weiter enorm. Nach Airbus-Angaben hat der A380 derzeit einen Listenpreis von 445,6 Millionen US-Dollar (rund 365 Millionen Euro).

Den ersten kommerziellen Flug absolvierte der Riesenflieger am 25. Oktober 2007 für Singapur Airlines nach Sydney. Bislang bestellten Fluggesellschaften mehr als 300 Maschinen - fast die Hälfte der Aufträge kam von Emirates. Ausgeliefert wurden bisher 222 Exemplare.

Airbus A380 von Singapur Airlines | Bildquelle: picture-alliance/ dpa
galerie

Den ersten kommerziellen Flug absolvierte der Riesenflieger am 25. Oktober 2007 für Singapur Airlines nach Sydney.

Ansonsten ist Airbus aber im Aufwind

Abgesehen von den Problemen beim A380 befindet sich Airbus insgesamt jedoch im Aufwind. 2017 verbuchte der Hersteller Aufträge über 1109 Verkehrsflugzeuge - das sind 197 mehr als sein US-Konkurrent Boeing. Zwar blieben die Amerikaner mit 763 Auslieferungen erneut der weltgrößte Flugzeugbauer. Airbus gelang mit einer Steigerung von 688 auf 718 ausgelieferte Maschinen aber ein eigener Produktionsrekord. Im laufenden Jahr könnten es an die 800 Flugzeuge werden, sagte der scheidende Chef der Verkehrsflugzeug-Sparte, Fabrice Brégier.

Erneut gab es die meisten Aufträge und Auslieferungen bei den Mittelstreckenjets. Airbus verbuchte Bestellungen über 926 "neos" und 128 Flugzeuge aus der herkömmlichen A320-Modellfamilie. Für die zweistrahligen Langstreckenjets der Typen A330, A330neo und A350 kamen zusammen nur 57 Aufträge herein.

Management-Umbau in den kommenden Wochen

Brégier und Leahy gehen demnächst bei Airbus von Bord. Der 67-jährige Leahy gibt seinen Posten als Verkaufschef Ende Januar nach rund 24 Jahren an den bisherigen Rolls-Royce-Manager Eric Schulz ab. Brégier verlässt den Konzern im ersten Schritt eines Management-Umbaus im Februar. Sein Nachfolger an der Spitze des Verkehrsflugzeug-Geschäfts wird Guillaume Faury, bisher Chef der Hubschrauber-Sparte.

Airbus verkündet Rekord bei Auslieferungen im Jahr 2017
Marcel Wagner, ARD Paris
15.01.2018 11:30 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR 90,3 am 15. Januar 2018 um 10:00 Uhr.

Darstellung: