Führungswechsel bei Fluggesellschaft Mehdorn tritt als Air-Berlin-Chef ab

Stand: 07.01.2013 12:02 Uhr

Hartmut Mehdorn hört als Vorstandschef bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft Air Berlin auf. Sein Nachfolger werde mit sofortiger Wirkung der bisherige Strategie-Vorstand Wolfgang Prock-Schauer, teilte das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung für die Börse mit. Mehdorn wird auch künftig dem Verwaltungsrat angehören.

Der frühere Chef der Deutschen Bahn hatte seit September 2011 an der Spitze der Airline gestanden, war offiziell aber nur eine Übergangslösung. Es sei "die richtige Zeit für den Führungswechsel", erklärte Mehdorn nun. Der Ex-Bahnchef hatte die Leitung von Air Berlin vor knapp anderthalb Jahren übernommen und ein schweres Erbe angetreten. Unter seinem Vorgänger Joachim Hunold war die Airline rapide gewachsen und hatte Konkurrenten wie DBA, LTU und Niki geschluckt. Gleichzeitig geriet die Gesellschaft aber in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Air-Berlin-Maschine mit Warnschild (Bildquelle: picture alliance / dpa)
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Air-Berlin-Chef Mehdorn hatte dem Konzern einen harten Schrumpfkurs verordnet.

Mehdorn leitete einen harten Sparkurs ein und holte die kapitalkräftige Golf-Fluglinie Etihad an Bord, um über die Runden zu kommen. Die Fluggesellschaft aus dem Emirat Abu Dhabi ist seit Januar mit einem Anteil von 29,2 Prozent größter Einzelaktionär von Air Berlin. Damals hatten die Araber dem deutschen Konzern mit einer Kreditlinie von 255 Millionen Dollar aus einer akuten Finanzklemme geholfen. Zudem führte Mehdorn die Fluggesellschaft in die Luftfahrt-Allianz Oneworld, zu der neben anderen auch die spanische Iberia, die British Airways und American Airlines gehören.

Air Berlin seit 2011 auf Schrumpfkurs

Mehdorn hatte in seiner Amtszeit seit September 2011 Spar- und Sanierungsprogramme bei Air Berlin auf den Weg gebracht und vorangetrieben - nach "Shape & Size", steht nun das neue Sparprogramm "Turbine 2013" zur Umsetzung an. Prock-Schauer werde diese Aufgabe fortsetzen, erklärte Air Berlin. Der Lufthansa-Konkurrent steht unter erheblichem finanziellen Druck - alle Geschäftsjahre seit 2008 waren stets mit einem Verlust abgeschlossen worden. Auch die immer wieder verzögerte Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens macht dem Unternehmen zu schaffen. Mehdorn hatte deshalb Schadensersatzklagen angekündigt.

"Mehdorn hat die Weichen richtig gestellt"

Aus dem Verwaltungsrat gab es Lob für Mehdorn. "Er hat das Unternehmen in der Krise der europäischen Luftfahrt auf einen neuen Weg gebracht, marktgerechter positioniert und entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt", sagte Verwaltungsratschef Hans-Joachim Körber. Mit Prock-Schauer übernehme ein anerkannter Branchenexperte die Spitzenposition.

Der Österreicher startete seine Karriere in den frühen 1980er-Jahren bei der heutigen Lufthansa-Tochter Austrian Airlines. 2003 wurde er Chef der indischen Fluggesellschaft Jet Airways und brachte sie zwei Jahre später an die Börse. Bei der Lufthansa versuchte Prock-Schauer ab 2009 vergeblich, deren damalige Tochter British Midland (BMI) in die schwarzen Zahlen zu hieven. Anfang 2012 wurde BMI an die British-Airways-Mutter International Airlines Group (IAG) verkauft.

Im Oktober wechselte Prock-Schauer zu Air Berlin. Er sieht das Unternehmen vor "großen Herausforderungen". Für die anstehenden Veränderungen kündigte er ein hohes Tempo an.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 7. Januar 2013 um 09:00 Uhr.

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