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Fluglinie muss sparen
"Topbonus" soll Air Berlin schnelles Geld bringen
In den Sommermonaten hat Air Berlin zwar Gewinne machen können, doch unterm Strich bleibt ein Verlust in den ersten neun Monaten von 103 Millionen Euro. Deutschlands zweitgrößte Fluglinie will daher den eingeschlagenen Sparkurs verschärfen. Schnelles Geld soll der Verkauf des Vielfliegerprogramms "Topbonus" bringen. Geplant sei, die Mehrheit an dem Meilenprogramm an ein Gemeinschaftsunternehmen zu verkaufen, das der Airline zusammen mit einem Investor gehöre, teilte Unternehmenschef Hartmut Mehdorn im Quartalsbericht mit. Die Erlöse aus der Transaktion sollen bis Jahresende fließen. "Topbonus" zählt drei Millionen Mitglieder. Den Namen des Joint-Venture-Partners verriet das Unternehmen nicht.
Mehdorn bereitete die Mitarbeiter zudem auf weitere Kürzungen vor. "Einschnitte in den bisherigen Betrieb werden nicht mehr ausgeschlossen", hieß es im Air-Berlin-Quartalsbericht. In den kommenden acht Monaten will die Fluggesellschaft Arbeitsabläufe und Strukturen nach weiteren Potenzialen für Einsparungen durchsuchen. Nur damit könne es gelingen, im nächsten Jahr wie geplant schwarze Zahlen zu schreiben. Details zu den geplanten Schritten verriet Mehdorn nicht. Das Sparprogramm mit dem Namen "Turbine 2013" ergänzt das bereits laufende Programm "Shape & Size", in dessen Zuge Air Berlin die Flotte verkleinert und unrentable Verbindungen gestrichen hat. Weil dies für einen dauerhaften Gewinn nicht ausreicht, will der Vorstand nun die Flugziele, die Flotte, den Bodenservice, die Netzwerkplanung und den IT-Bereich genauer unter die Lupe nehmen. Ziel sei, dass sich die Fluggesellschaft auf ihre Kernkompetenzen konzentriere, hieß es.
Michael Immel (ARD) zum Sparprogramm bei Air Berlin
tagesschau24 13:30 Uhr, 15.11.2012
Mehdorn hatte bereits am Montag angedeutet, dass Personal abgebaut werden müsse. Einen Medienbericht, demzufolge 900 Arbeitsplätze oder jede zehnte Stelle wegfallen soll, hatte das Unternehmen weder bestätigt noch dementiert.
Gewinne im Sommer
Geld in die Unternehmenskassen brachte jüngst auch wieder das Fluggeschäft, nachdem die Fluglinie in der ersten Jahreshälfte noch Verluste gemacht hatte. Im dritten Quartal kletterte der Betriebsgewinn um fünf Prozent auf 101 Millionen Euro - der Überschuss verdoppelte sich auf 67 Millionen Euro. Die schwarzen Zahlen sind nicht überraschend, da eigentlich alle Airlines im Sommer wegen des Urlaubsverkehrs gutes Geld verdienen.
Bei Air Berlin zahlten sich zudem noch die Sparbemühungen aus: Mit dem bereits laufenden Schrumpf- und Sparprogramm drückte die Gesellschaft die Kosten in den ersten neun Monaten um 170 Millionen Euro - insgesamt sollen in diesem Jahr 230 Millionen Euro gespart werden. "Damit sind wir zwar auf dem richtigen Weg, die Reise ist aber noch nicht beendet", sagte Mehdorn.
Air Berlin stehe nach wie vor unter erheblichem finanziellen Druck, betonte Mehdorn. Das Unternehmen belasteten hohe Treibstoffkosten, die Verschiebung des Starttermins für den neuen Berliner Großflughafen BER, der schwache Euro und die trüben Aussichten für die Konjunktur.
Mehdorn hat bei Air Berlin ein schweres Erbe angetreten. Unter seinem Vorgänger Joachim Hunold war die Airline rapide gewachsen und hatte Konkurrenten wie DBA, LTU und Niki geschluckt. Das machte sich in der Bilanz bemerkbar: Die Einkaufstour und die jahrelangen Verluste hinterließen Schulden von 850 Millionen Euro.
Stand: 15.11.2012 12:10 Uhr
