Flugzeug von Air Berlin | Bildquelle: dpa

Gemeinschaftsflüge vorerst erlaubt Etihad-Klage sichert Air-Berlin-Flüge

Stand: 23.10.2015 19:43 Uhr

Ein Flug, zwei Codes? Diese Frage ist für Air Berlin existenziell, und auch Partner Etihad profitiert. Doch um einen Teil dieser Flüge gibt es Streit mit der Bundesregierung. Jetzt erstritt sich Etihad die Erlaubnis juristisch. Der Bund lenkte ein. Air Berlin kann aber nur kurz aufatmen.

Das Gezerre um die millionenschweren Gemeinschaftsflüge von Air Berlin und Etihad geht weiter. Zwar sicherte das Verwaltungsgericht Braunschweig die gemeinsam vermarkteten Flüge bis zum 8. November und gewährleistete damit den Start in den Winterflugplan an diesem Sonntag. Etihad hatte eine einstweilige Verfügung beantragt.

Kurz nach der Gerichtsentscheidung genehmigte die Bundesregierung die umstrittenen Gemeinschaftsflüge bis Mitte Januar. Zur Begründung hieß es, es sollten keine Nachteile für Passagiere entstehen, die bereits Tickets gekauft haben. Eine Grundsatz-Einigung zwischen der Bundesregierung und den Vereinigten Arabischen Emiraten steht aber noch immer aus.

Air Berlin und Etihad | Bildquelle: picture alliance / dpa
galerie

Etihad hält 30 Prozent an Air Berlin und hält die verlustreiche Fluglinie seit Jahren mit Zuschüssen in der Luft.

Worum geht es in dem Streit? Die zweitgrößte deutsche Airline und ihr arabischer Großaktionär vermarkten 65 Flüge gemeinsam. Bei diesen sogenannten Codeshare-Flüge erhalten Air-Berlin-Verbindungen eine Flugnummer von Etihad. Air Berlin erhöht damit die Auslastung der Flugzeuge, während Etihad mehr Ziele weltweit anbieten kann. Allein die angeschlagene Air Berlin erwirtschaftet so nach eigenen Angaben jährlich 140 Millionen Euro Umsatz zusätzlich. Aus Sicht des Bundesverkehrsministeriums verstoßen aber 29 dieser Flüge gegen Luftverkehrsabkommen mit den Emiraten.

Streit zwischen Luftfahrtbundesamt und den Emiraten

Hintergrund ist ein Clinch zwischen dem für das Luftfahrtbundesamt zuständigen Bundesverkehrsministerium und den Vereinigten Arabischen Emiraten - dem Heimatland von Etihad. Nach Ansicht der deutschen Seite erlaubt ein Vertrag zwischen den Ländern nicht alle der von Etihad für den Winter beantragten Codeshare-Flüge. Dieser regelt, welche Flughäfen die staatlichen Airline der Emirate hier anfliegen darf. Etihad widerspricht dem und betont, dass die deutschen Behörden in der Vergangenheit bereits sieben Flugpläne genehmigt hätten.

Das stimmt - seit Beginn 2012 hatten die deutschen Behörden alle Codeshare-Flüge mit Air Berlin genehmigt. Das Bundesverkehrsministerium hatte jedoch vor einem Jahr und nochmals im Frühjahr für den Sommerflugplan deutlich gemacht, dass die Flüge nur noch ausnahmsweise genehmigt werden und zu Gesprächen über den nun beginnenden Winterflugplan aufgerufen. Dazu kam es in der vergangenen Woche, offensichtlich jedoch ohne Ergebnis.

Existenzfrage für Air Berlin

Etihad hält 30 Prozent an Air Berlin und hält die verlustreiche Fluglinie seit Jahren mit Zuschüssen in der Luft. Bei Air Berlin besteht die Befürchtung, dass der arabische Partner das Interesse an der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft verliert, wenn die Gemeinschaftsflüge verboten würden. Für Air Berlin geht es in diesem Streit also um eine Existenzfrage.

Darstellung: