Air Berlin | Bildquelle: REUTERS

Insolvenz von Air Berlin Zu viel gewollt

Stand: 15.08.2017 20:58 Uhr

Billiger Business- oder teurer Ferienflieger? Air Berlin wollte beides sein und sei daran gescheitert, sagen Experten. Während die Konkurrenz nun auf Filetstücke hofft, bangen die Mitarbeiter. Für Reisende gibt es zumindest vorerst Entwarnung.

Von Jan-Peter Bartels, HR

"Flugzeuge im Bauch, im Blut Kerosin. Kein Sturm hält sie auf, unsere Air Berlin", wummerte die Air-Berlin-Warteschleife noch vor einigen Jahren im Disco-Beat. Gute Laune für Businesskunden, Urlaubsstimmung, Motivation für die Mitarbeiter - der Song wollte viel und alles auf einmal. Genau wie die Airline selbst. Jetzt wird sie aufgehalten durch das tiefe Loch in der Bilanz.

Problem: Mangelnde Identität

Billiger Business- oder teurer Ferienflieger? Darauf gab es keine klare Antwort, stattdessen versuchte die Airline lange Zeit alles auf einmal: Bei den Billigairlines mitzumischen, als Ferienflieger am Start zu sein und gleichzeitig die Langstrecke zu bedienen. Es fehle eine Identität, sagen Experten, das sei das größte Problem der Airline: "Air Berlin hatte keine klare Strategie. Man hat versucht, alles abzugreifen, was möglich ist. Hat sich sozusagen durchgewurschtelt," so Luftfahrtanalyst Michael Gierse von Union Invest. "Es war schon seit einiger Zeit schon absehbar, dass das nicht von Erfolg gekrönt ist."

Insolvenz von Air Berlin
tagesthemen 22:15 Uhr, 15.08.2017, Andreas König, RBB

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Die Restrukturierung der Airline blieb ohne Erfolg, stattdessen musste die Etihad immer wieder mit neuen Millionen aushelfen. 2011 waren die Araber bei Air Berlin eingestiegen, die hohen Erwartungen hat diese strategische Partnerschaft aber nie erfüllt: Allein im vergangenen Jahr schrieb Air Berlin ein Minus von 780 Millionen Euro. Und auch 2017 ging es mit den roten Zahlen weiter. Das Geschäft habe sich zuletzt "rapide verschlechtert", so Etihad, deshalb könne man unter diesen Umständen "als Minderheitsgesellschafter keine weitere Finanzierung leisten".

Folglich drehten die Araber den Geldhahn zu - und damit blieb Air Berlin nur der Weg in die Insolvenz. "Etihad lässt Air Berlin jetzt fallen wie eine heiße Kartoffel", kritisiert Markus Wahl von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. Der Übergangskredit der Bundesregierung schaffe nun etwas Zeit, die müsse genutzt werden. "Wenn eine Firma insolvent geht, dann kann es nicht weitergehen wie bisher. Es wird Umstrukturierungen geben müssen, und hoffentlich sind das sozial verträgliche."

Sorge vor der Zerschlagung

Viele Mitarbeiter fragen sich besorgt: Wie kann das klappen? Was Air Berlins Manager jahrelang nicht geschafft haben - Air Berlin wieder flott zu bekommen - das soll jetzt unter Druck und innerhalb weniger Monate geschehen? Die Sorgen sind groß. Und so klingelt und summt bei Christoph Drescher von der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO die ganze Zeit das Handy: "Niemand weiß, wie es weitergeht. Das ist schon bedrückend, da steht die berufliche Existenz von Kollegen auf der Kippe." Rund 7200 Mitarbeiter hat die Airline allein in Deutschland.

"Klar hat jeder damit gerechnet, dass man mal irgendwo landet, aus dem Flieger steigt, und die Firma pleite ist. Und dass man dann nicht mehr nach Hause kommt", sagt Dreschers Kollege Nicoley Baublies. Aber auch, wenn man damit rechne, schmerze es trotzdem. Nun wollen sich die Flugbegleiter dafür stark machen, dass die Airline nicht zerschlagen wird, so Baublies: "An einer Filetierung oder einem Komplettausverkauf der Bedingungen werden wir uns nicht beteiligen."

Was Reisende jetzt wissen müssen

Aufgrund des Kredits der Bundesregierung bleiben nach Angaben von Air Berlin alle gebuchten Tickets gültig. Auch die Flugpläne würden nicht geändert. Alle Flüge der Linie und ihrer Tochter Niki fänden wie geplant statt. Zudem seien auch alle vorgesehenen Flüge weiterhin buchbar.

Trotz des Brückenkredits bleibt die Frage, was danach passiert. Falls die Airline tatsächlich ihren Flugbetrieb einstellen müsse, könne es für die Kunden schwierig werden, ihre Ausgaben erstattet zu bekommen, warnt der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Insbesondere für Kunden, die ihr Ticket selbst gekauft haben, fehlt ein Insolvenzschutz.

Die Kunden hingegen, die eine Pauschalreise oder einen Flug im Reisebüro gebucht haben, seien in der Regel finanziell abgesichert. Sie müssten möglicherweise Verzögerungen beim Rückflug in Kauf nehmen oder sich sogar selbst um eine Verbindung kümmern. Sie erhielten aber von ihren Vertragspartnern ihr Geld zurück.

Konkurrenz reibt sich die Hände

Genau das könnte Konkurrent Lufthansa aber versuchen, sagen Experten: "Ich denke nicht, dass Air Berlin ein Teil von Lufthansa wird. Lufthansa wird sich die Rosinen herauspicken, also die besten Strecken, wie beispielsweise Düsseldorf", glaubt Luftfahrtanalyst Gierse. Und auch Ryanair und Easyjet hätten Interesse an Unternehmensteilen und Strecken, um einen Fuß in den deutschen Markt zu bekommen.

Der irische Billigflieger legte inzwischen Beschwerde bei den Kartellbehörden gegen die Staatshilfen für Air Berlin ein. Ryanair ist der Ansicht, letztlich solle mit dem Insolvenzantrag die Lufthansa begünstigt werden - und eine schuldenfreie Airline übernehmen können.

Und was bleibt den Kunden?

Für die Kunden ändert sich vorerst nichts. Gebuchte Air Berlin-Flüge finden dank des Brückenkredits der Bundesregierung aktuell statt, alle Tickets bleiben gültig. Anders könnte es für diejenigen aussehen, die einen Flug in einigen Monaten gebucht haben, sagt Reiseanwalt Holger Hopperdietzel: "Wer seine Flüge längerfristig gebucht hat, für den sieht es schwierig aus. Denn man weiß im Moment wirklich nicht, wie es weitergehen wird. Ob die Fluggesellschaft irgendwann mal den Flugbetrieb einstellt oder weitermacht. Im Grunde genommen kann man nur abwarten." Im Zweifel bleibe nur, regelmäßig beim Unternehmen nachzufragen, so Hopperdietzel. Wer zum Hörer greift, auf den wartet bei Air Berlin allerdings inzwischen eine neue Warteschleife mit einem eher langsamen, getragenen Song.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. August 2017 um 17:00 Uhr.

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