Air Berlin-Logo an einer Tragfläche | Bildquelle: picture alliance / Peter Kneffel

Zerschlagene Fluglinie Insolvenzverfahren für Air Berlin eröffnet

Stand: 01.11.2017 17:09 Uhr

Das Unternehmen ist zerschlagen, der Flugbetrieb eingestellt - nun wurde das Insolvenzverfahren für Air Berlin offiziell eröffnet. Bekannt wurde auch, dass eine seit mehr als einer Woche in Island gestrandete Maschine der Fluggesellschaft jetzt abgeholt werden kann.

Wenige Tage nach dem Ende des Flugbetriebs von Air Berlin ist offiziell das Insolvenzverfahren über das Vermögen der bankrotten Fluggesellschaft eröffnet worden. Das teilte das zuständige Amtsgericht Berlin-Charlottenburg mit. Das Gericht habe Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung angeordnet, erklärte Air Berlin. Die Gläubiger können nun ihre Forderungen schriftlich bis zum 1. Februar 2018 beim Sachwalter anmelden. So wird der Insolvenzverwalter bei einem Verfahren in Eigenverwaltung genannt.

Das Gericht bestellte den Berliner Rechtsanwalt Lucas Flöther zum Sachwalter. Er hatte diese Funktion vorläufig bereits nach dem Insolvenzantrag vom 15. August übernommen

Dem Antrag auf Eigenverwaltung wurde stattgegeben, weil das Gericht dadurch keine Nachteile für die Gläubiger erwartet. Die Gläubigerversammlung findet am 24. Januar in Berlin statt. Formal handelt es sich um drei einzelne Insolvenzverfahren - für die Aktiengesellschaft britischen Rechts, Air Berlin PLC, für die Kommanditgesellschaft Air Berlin PLC & Co. Luftverkehrs KG sowie für die Tochter Air Berlin Technik GmbH.

Letzte Maschine am Freitag gelandet

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb wurde vorübergehend mit einem staatlichen Überbrückungskredit in Höhe von 150 Millionen Euro aufrecht erhalten. Am vergangenen Freitag landete schließlich die letzte Maschine der Airline.

Die Fluggesellschaft soll zu großen Teilen an die Lufthansa verkauft werden, auch der britische Flieger Easyjet kommt zum Zug. Der Logistikdienstleister Zeitfracht und das Wartungsunternehmen Nayak erhielten den Zuschlag für die Air Berlin Technik.

Die Lufthansa meldete die geplante Übernahme bereits zur kartellrechtlichen Überprüfung in Brüssel an. Die entsprechenden Unterlagen seien am Dienstag bei der EU-Kommission eingereicht worden, sagte ein Unternehmenssprecher. Man rechne noch im Dezember mit einer Entscheidung.

Wegen der Dimension des Geschäfts müssen die Folgen für den Wettbewerb auf europäischer Ebene überprüft werden. Zuständig auf EU-Ebene ist Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Sie hat bereits angedeutet, dass Lufthansa möglicherweise einige Strecken abgeben muss.

Flugzeug in Island kann abgeholt werden

Ein Flugzeug von Air Berlin steht derzeit noch in Island, weil es dort wegen nicht bezahlter Rechnungen mehr als eine Woche lang nicht starten durfte. Nun gab ein Sprecher des Flughafenbetreibers bekannt, dass die Maschine abgeholt werden könne. Air Berlin habe am Montag seine Schulden beim internationalen Flughafen Keflavik beglichen, sagte er. Die Maschine soll nach Angaben von Air Berlin noch heute zurück nach Deutschland fliegen.

Flugzeuge von Air Berlin auf dem Vorfeld des Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld | Bildquelle: dpa
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Flugzeuge der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin stehen auf dem Vorfeld des Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld.

Die anderen Flugzeuge stehen derzeit auf dem ungenutzten Vorfeld des Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld sowie auf einem extra Gelände des Flughafens Düsseldorf. Die Lufthansa übernimmt 81 Maschinen, Easyjet 25.

An diesem Donnerstag verhandelt das Arbeitsgericht Berlin über einen Eilantrag der Personalvertretung der Flugbegleiter von Air Berlin. Sie wollen per einstweiliger Verfügung Entlassungen verhindern. Seit der Antragstellung in der vergangenen Woche hat sich die Situation jedoch verändert. So will Easyjet bis zu 1000 Piloten und Flugbegleiter übernehmen.

Außerdem hat nun auch die Transfergesellschaft für bisherige Verwaltungsmitarbeiter der Airline die Arbeit aufgenommen. Wie die Gewerkschaft ver.di mitteilte, haben nach aktuellen Zahlen rund 1100 Beschäftigte die Möglichkeit, in dieses Unternehmen zu wechseln, das sich um eine Vermittlung der Arbeitnehmer an andere Firmen kümmern soll. In einer ersten Welle wurden nach ver.di-Angaben rund 400 Beschäftigte des Bodenpersonals von Air Berlin freigestellt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. November 2017 um 14:15 Uhr in den Nachrichten.

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