Wartende Fluggäste von Air Berlin am Flughafen Berlin-Tegel | Bildquelle: dpa

Rund 200 Krankmeldungen Piloten stürzen Air Berlin ins Chaos

Stand: 13.09.2017 02:32 Uhr

Rund 100 ausgefallene Flüge, Tausende unzufriedene Passagiere: Die Krankmeldungen von 200 Piloten kosten Air Berlin mehrere Millionen Euro pro Tag. Auch Mittwoch wird es wohl Flugausfälle geben. Der Image-Schaden ist hoch. Vieles spricht für eine organisierte Aktion.

Kurz vor Ende der Bieterfrist sind der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin auf vielen Strecken die Piloten ausgegangen. Etwa 200 Flugkapitäne meldeten sich krank, mehr als 100 Flüge fielen aus, Tausende Passagiere waren betroffen. Das Management sprach von einer existenzbedrohenden Situation für die Airline und kritisierte, ein Teil der Belegschaft spiele mit dem Feuer.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) trat dem Verdacht entgegen, zu Krankmeldungen aufgerufen zu haben und ermahnte gesunde Kollegen, zur Arbeit zu gehen. "Wir distanzieren uns ausdrücklich davon, dass Cockpit dazu aufgerufen haben soll, da haben wir keine Aktien drin", sagte VC-Sprecher Markus Wahl in Frankfurt. Es handele sich um eine "spontane Aktion" der Piloten. Die Gewerkschaft forderte dazu auf, den Flugbetrieb sicher zu stellen. "Denn nur in einem laufenden Flugbetrieb kann man Verhandlungen über die Zukunft der Arbeitsplätze führen."

Rund 12.000 Air-Berlin-Passagiere von Flugausfällen betroffen
tagesschau 20:00 Uhr, 12.09.2017, Anke Hahn, RBB

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Lange Schlangen an den Schaltern

An den Flughäfen bildeten sich lange Schlangen vor den Schaltern, viele Passagiere harrten aus und hofften auf eine Umbuchung. Allein in Berlin-Tegel entfielen 60 Flüge. Um weiteres Chaos zu vermeiden, rief der Flughafenbetreiber Passagiere auf, sich vor der Anreise zum Airport über den Flugstatus zu informieren.

Für Mittwoch hat Air Berlin 30 Starts und Landungen am Flughafen Düsseldorf gestrichen. Darüber hinaus drohen weitere Flugausfälle. "Für morgen liegen uns gegenwärtig 149 Krankmeldungen von Kapitänen und First Officers vor", schrieb der Vorstand der Fluglinie am Dienstag in einem internen Brief an die Belegschaft. Ein Sprecher bestätigte, dass es Flugstreichungen geben werde. Genauere Angaben könnten aber erst am Morgen bekanntgegeben werden, sagte er. "Das bedeutet, dass uns am Mittwoch ein ähnliches operatives Desaster wie heute droht. Dies wird uns noch näher an den Abgrund bringen", heißt es in dem Brief von Airline-Chef Thomas Winkelmann und Vorstandskollegen.

Die Krankmeldungen kommen für Air Berlin reichlich ungelegen, schließlich drängt die Zeit für einen Verkauf. Massenhafte Ausfälle von Flügen erwecken bei Interessenten nicht gerade Vertrauen. Bleibe es bei diesem Krankenstand, drohe vermutlich eine vollständige Liquidation der Fluggesellschaft, warnte der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus im Intranet des Unternehmens. Kebekus soll die Airline sanieren und verhandelt mit der Lufthansa und weiteren Interessenten über einen Verkauf.

Bieterfrist endet

An diesem Freitag endet die Bieterfrist, eine Entscheidung soll am 21. September fallen. Für die Verhandlungen mit Interessenten über eine Übernahme von Teilen des Unternehmens seien die Ausfälle "pures Gift", so Kebekus in einer Mitteilung. Ebenso sei das Ziel gefährdet, möglichst viele der mehr als 8000 Arbeitsplätze zu erhalten.

Unterdessen hat sich ein neuer Interessent im Bieterverfahren eingeschaltet. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, hat die chinesische Betreibergesellschaft des Flughafens Parchim, LinkGlobal, in einer schriftlichen Absichtsbekundung ihr Interesse an einer Übernahme von Air Berlin mitgeteilt.

Mehrere Millionen Euro Verlust pro Tag

Durch die Krankmeldungen fiel nahezu jeder siebte der geplanten 750 Flüge aus. Betroffen war auch die Lufthansa-Tochter Eurowings, die 14 Maschinen samt Personal von Air Berlin geleast hat.

Genaue Zahlen von Eurowings waren zunächst nicht zu erhalten. Aber allein am Flughafen Stuttgart wurden nach Betreiberangaben 30 Flüge gestrichen. "Der heutige Tag kostet uns mehrere Millionen Euro", teilte Vorstandschef Thomas Winkelmann mit. Nach Informationen der Berliner Tageszeitung "B.Z." sind es vier bis fünf Millionen Euro. Hinzu kämen drei bis vier Millionen Euro Verlust, die ohnehin pro Tag anfallen.

Die rund 200 der insgesamt 1500 Air-Berlin-Piloten hatten sich kurzfristig krank gemeldet, viele nach Unternehmensangaben erst unmittelbar vor dem Flug. Betriebsleiter Oliver Iffert sagte, bei den Flugbegleitern gebe es keine Auffälligkeiten. Er stellte die Krankmeldungen in einem internen Schreiben in Zusammenhang mit Einschränkungen auf der Langstrecke.

Krankmeldungen bei Air-Berlin-Piloten: Ellen Frauenknecht, HR, mit einer Einschätzung
tagesschau 12:00 Uhr, 12.09.2017

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Karibik-Flüge gestrichen

Am Montag war bekannt geworden, dass ein Leasinggeber zum 25. September zehn Langstreckenmaschinen zurückverlangt, Air Berlin strich daraufhin die Karibik-Flüge. Jedoch schon zu Anfang des Monats hatte die Fluggesellschaft zahlreiche Langstreckenflüge aus Berlin und Düsseldorf auf die Streichliste gesetzt.

Gewerkschaftsvertreter äußerten daher einen Verdacht. Der Präsident der Vereinigung Cockpit, Ilja Schulz, sagte der "Rheinischen Post", es bestehe die Sorge, dass die Langstrecke so unattraktiv gemacht werden solle, dass sie noch vor einer Übernahme eingestampft werden könne. Hintergrund könnte Schulz zufolge sein, dass man die gut bezahlten Langstreckenpiloten dann loswerden wolle. "Die Braut wird quasi für die Hochzeit hübsch gemacht. Das ist ein Skandal, den wir uns so nicht bieten lassen."

Plötzliche Krankheitswelle bei Air Berlin
Daniela Siebert, DLF
12.09.2017 16:17 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Verdi: Air Berliner in "Angst und Wut"

Die Airline bat Passagiere, vor der Anfahrt zum Flughafen den Status ihres Fluges unter www.airberlin.com/fluginfo zu prüfen. Reisenden, die von Streichungen betroffen seien, solle die "bestmögliche Reisealternative" angeboten werden.

Die verlustreiche Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, nachdem ihre arabische Großaktionärin Etihad die Zahlungen an die Fluggesellschaft eingestellt hatte. Die Gewerkschaft Verdi forderte mögliche Investoren auf, auch die Beschäftigten der Air Berlin zu übernehmen. "Schluss mit dem Pokern um die besten Blechstücke, dafür schnelles Handeln für eine Sicherung der Arbeitsplätze zu guten Bedingungen", forderte Vorstandsmitglied Christine Behle. "Angst und Wut der Air Berliner eskalieren, weil es hier um Existenzen ganzer Familien geht."

Über dieses Thema berichtete am 12. September 2017 Deutschlandfunk um 10:00 Uhr und tagesschau24 um 11:00 Uhr.

Darstellung: