Verlauf von Air Berlin | Bildquelle: dpa

Air Berlin-Verkauf Lufthansa startet mit Verhandlungspoker

Stand: 18.08.2017 10:41 Uhr

Der deutsche Marktführer Lufthansa will sich nach der Insolvenz von Air Berlin einen großen Teil der Flugzeuge sichern. Heute soll der Verhandlungspoker starten. Auch an den Mitarbeitern ist Lufthansa interessiert. Es gibt jedoch kartellrechtliche Bedenken.

Die Lufthansa macht Tempo bei den Gesprächen über die Übernahme eines Großteils der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin. Ab heute sind konkrete Verkaufsverhandlungen für die zweitgrößte deutsche Airline geplant. Der deutsche Marktführer Lufthansa will sich aus der Insolvenzmasse einen großen Teil der Flugzeuge sichern. Es könne um rund 90 der 144 Maschinen gehen. Die Verhandlungen sollen sich über das kommende Wochenende hinziehen. Weitere Interessenten sind Easyjet und Tuifly.

Air Berlin hatte am Dienstag Insolvenz beantragt, nachdem Großaktionär Etihad der Airline die finanzielle Unterstützung entzogen hatte. Der Flugbetrieb ist durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro noch für etwa drei Monate gesichert.

Anheuern von Mitarbeitern

Nach einem Bericht der "Rheinischen Post" will die Lufthansa auch mit den Gewerkschaften über das Anheuern möglichst vieler Mitarbeiter von Air Berlin sprechen. Dies habe Lufthansa-Chef Carsten Spohr in einer internen Versammlung angekündigt. Demnach sagte Spohr: "Die Air-Berlin-Crews sind Top-Leute, bei denen wir uns freuen können, wenn wir möglichst viele zu uns holen."

Der vom Amtsgericht bestellte Generalbevollmächtigte von Air Berlin, Frank Kebekus, zeigte sich zuversichtlich, die Jobs der meisten der 8600 Mitarbeiter retten zu können. "Endgültig sicher ist man erst, wenn die Verträge unterzeichnet sind. Aber wir befinden uns in sehr guten Gesprächen mit potenziellen Käufern", sagte Kebekus dem "Handelsblatt".

Die Gewerkschaft Ver.di fürchtet, dass Interessenten nur die Flugzeuge kaufen wollen und die mehr als 8000 Beschäftigten von Air Berlin sich neu bewerben müssen. "Dann wären Lohnverluste von bis zu 50 Prozent zu befürchten", sagte Bundesvorstandsmitglied Christine Behle nach einem Gespräch mit Air-Berlin-Personalchefin Martina Niemann.

Kartellrechtliche Bedenken

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries warnte die Lufthansa vor zu großen Erwartungen. Der "Rheinischen Post" sagte sie: "Am Ende wird schon aus kartellrechtlicher Sicht nicht nur eine Airline alleine die Slots und das Unternehmen übernehmen können." Mit dem Übergangskredit sei Air Berlin die nötige Zeit verschafft worden, um gemeinsam mit anderen Airlines eine gute Verhandlungslösung zu finden. "Ziel ist eine Lösung, die den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Air Berlin eine Perspektive gibt und den Wettbewerb sichert."

Bundeskartellamtspräsident Andreas Mundt sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", die Bonner Wettbewerbsbehörde sei frühzeitig informiert worden und stehe in Kontakt mit der Europäischen Kommission. "Es bleibt abzuwarten, welche Übernahmepläne tatsächlich konkret werden und zur Anmeldung kommen. Dann wird sich die zuständige Behörde im Einzelnen mit den möglichen wettbewerblichen Auswirkungen befassen."

Halbjahresbilanz wird verschoben

Air Berlin verschob unterdessen die Vorlage ihrer Halbjahresbilanz auf unbestimmte Zeit. Das sagte ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Die Zahlen sollten eigentlich heute veröffentlicht werden. Angesichts der jüngsten Entwicklung müssten die Daten nun noch einmal überprüft und gegebenenfalls aktualisiert werden. Nach den gesetzlichen Bestimmungen hat Air Berlin bis zum 2. Oktober Zeit, um den Zwischenbericht zu veröffentlichen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. August 2017 um 11:00 Uhr.

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