Zwei Flugzeuge - eins mit dem Logo der Lufthansa, eins mit dem von Air Berlin | Bildquelle: AFP

Verhandlungen um Air Berlin Lufthansa darf als erste starten

Stand: 17.08.2017 21:15 Uhr

Nachdem Air Berlin Insolvenz angemeldet hat, hat der Kampf um die Filetstücke der maroden Fluggesellschaft begonnen. Drei Interessenten gibt es - doch offenbar wird der Lufthansa im Bieterkampf ein deutlicher Vorsprung eingeräumt.

Vor zwei Tagen hat die Fluggesellschaft Air Berlin einen Insolvenzantrag gestellt - und schon ab morgen könnten die Verhandlungen um die besten Stücke losgehen. Doch zunächst werden es wohl Gespräche quasi Tête-à-Tête werden: Die Lufthansa darf laut der Nachrichtenagentur Reuters offenbar nicht nur als erste, sondern zunächst auch als einzige mit Air Berlin über mögliche Deals beraten.

Die Verhandlungen sollen sich über das kommende Wochenende hinziehen. "Meines Wissens wird es wohl so sein, dass die anderen Anbieter danach eingeladen werden und dann gemeinsam ein Paket geschnürt wird", zitiert Reuters die Lufthansa-Vize-Aufsichtsratschefin Christine Behle.

Lufthansa will mehr als die Hälfte der Flugzeuge

Und wie es aussieht, hat die Lufthansa ein Auge auf den Mammutanteil der insolventen Airline geworfen. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet unter Berufung auf Unternehmenskreise, dass der Konzern an ungefähr 90 der 144 von Air Berlin eingesetzten Flugzeuge interessiert ist. Zudem will die Lufthansa die österreichische Touristik-Tochter "Niki" übernehmen. Sie soll unter dem Dach der Lufthansa-Tochter Eurowings an den Start gehen.

In der Zahl seien auch die meisten der 17 Langstrecken-Flugzeuge der Air Berlin enthalten, die ebenfalls der Eurowings zugehen sollen. Air Berlin könne bereits im September zerschlagen sein, berichtet die SZ weiter.

Laut Insidern wollen auch Easyjet und Thomas Cook mitmischen

Mit der Lufthansa soll es insgesamt drei Interessenten geben, alle "in finanzieller Hinsicht seriös" und "vom Volumen her ausreichend groß, um Air Berlin eine sichere Zukunft zu bieten", hieß es vom Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann. Namen wollte er nicht nennen.

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann | Bildquelle: dpa
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Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann

Doch die sind längst durchgesickert. Insidern zufolge zählt Easyjet zu den Interessenten. Zudem erklärte der Reisekonzern Thomas Cook, er und seine Ferienflug-Tochter Condor stünden ebenfalls für eine "aktive Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin bereit".

"Wir brauchen einen deutschen Champion"

Verkehrsminister Alexander Dobrindt | Bildquelle: dpa
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Verkehrsminister Alexander Dobrindt

Schon vor Beginn der Verhandlungen wird über ihren möglichen Ausgang auch in der Politik heftig debattiert. Geht es nach dem Willen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, würde die Lufthansa den Großteil der Air Berlin bekommen. "Wir brauchen einen deutschen Champion im internationalen Luftverkehr", sagte der CSU-Politiker der "Rheinischen Post". "Deswegen ist es dringend geboten, dass Lufthansa wesentliche Teile von Air Berlin übernehmen kann."

Diesem Vorgehen erteilte Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig bereits eine Absage: "Es ist völlig klar, dass eine Übernahme von Air Berlin durch eine einzige Airline nicht kommen wird", sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Das ist aus kartellrechtlichen und wettbewerblichen Gründen notwendig und richtig".

Kritik an Hilfe der Bundesregierung

Gegenwind kommt auch von Wettbewerbshütern. Der Chef der Monopolkommission, Achim Wambach, sagte der "Rheinischen Post", die Lufthansa müsse mit strengen Auflagen rechnen. Air Berlin und die Lufthansa seien auf vielen Strecken direkte Konkurrenten. Die Lufthansa als größte deutsche Anbieterin müsse für eine Fusion deshalb auf weite Teile der Landerechte von Air Berlin verzichten. Kritik übte der Kommissionschef auch an der Hilfe der Bundesregierung für Air Berlin in Höhe von 150 Millionen Euro.

Diesen Staatskredit hatte auch der irische Billigfluganbieter Ryanair als wettbewerbswidrig kritisiert und Beschwerde bei der deutschen Kartellbehörde und auf EU-Ebene eingereicht. Dafür kassierte Unternehmenschef Michael O'Leary nun scharfe Kritik von SPD-Kanzlerkandidat Schulz: "Es gibt keinen hemmungsloseren Manchester-Kapitalisten in Europa als diesen Mann", sagte Schulz im Interview mit den Sendern Phoenix und Deutschlandfunk. Es sei klar, dass Air Berlin nicht dauerhaft vom Staat gestützt werde. Die finanzielle Hilfe solle dazu dienen, dass Air Berlin in der Urlaubszeit weiter fliegen könne.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. August 2017 um 17:41 Uhr.

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