Stehende Maschinen von Air Berlin | Bildquelle: REUTERS

Insolvente Air Berlin Lufthansa und zwei Unbekannte

Stand: 17.08.2017 08:48 Uhr

Die Übernahmegespräche bei der insolventen Air Berlin laufen bereits seit Wochen. Nach Angaben von Firmenchef Winkelmann gibt es neben der Lufthansa zwei Interessenten. Kommt die Lufthansa zum Zug, muss sie Wettbewerbshütern zufolge mit strengen Auflagen rechnen.

Die insolvente Air Berlin verhandelt mit drei Interessenten über eine Übernahme von Teilen ihres Geschäfts. "Neben der Deutschen Lufthansa stehen wir mit zwei weiteren Interessenten aus der Luftfahrt in Kontakt", sagte Vorstandschef Thomas Winkelmann der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Gespräche liefen schon seit Wochen.

Alle Unternehmen seien "in finanzieller Hinsicht seriös, vom Volumen her ausreichend groß, um Air Berlin eine sichere Zukunft zu bieten, und hätten zudem das Interesse, weiterhin vom Standort Deutschland aus zu operieren", sagte Winkelmann. Namen wollte er nicht nennen. Alle Interessenten seien börsennotiert. Eine juristisch belastbare Vereinbarung, die den Betrieb zentraler Geschäftseinheiten und das Gros der Beschäftigten absichere, will Winkelmann der Zeitung zufolge noch im September treffen.

Insidern zufolge zählt Easyjet zu den Interessenten. Zudem hatte der Reisekonzern Thomas Cook erklärt, er und seine Ferienflug-Tochter Condor stünden ebenfalls für eine "aktive Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin bereit".

Kritik von Wettbewerbshütern

Die Übernahmepläne der Lufthansa stoßen weiter auf Gegenwind von Wettbewerbshütern. Der Chef der Monopolkommission, Achim Wambach, sagte der "Rheinischen Post", die Lufthansa müsse mit strengen Auflagen rechnen. Air Berlin und die Lufthansa seien auf vielen Strecken direkte Konkurrenten. Die Lufthansa als größte deutsche Anbieterin müsse für eine Fusion deshalb auf weite Teile der Landerechte von Air Berlin verzichten. Kritik übte der Kommissionschef auch an der Hilfe der Bundesregierung für Air Berlin in Höhe von 150 Millionen Euro.

Auch der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, sagte der "Süddeutschen Zeitung", die Wettbewerbsbehörde werde sich die Lufthansa-Pläne "gegebenenfalls sehr genau ansehen". Bisher ist Mundt zufolge zwar noch keine Übernahme angemeldet. Die SZ meldete aber unter Berufung auf Regierungskreise, die Gespräche über einen Teilverkauf an die Lufthansa seien "in der entscheidenden Phase". Nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland soll innerhalb von vier Wochen eine Einigung gefunden werden.

"Lufthansa und Bundesregierung Hand in Hand"

Der Billigflieger Ryanair erneuerte seine schwere Kritik an dem Kredit. "Unserer Meinung nach ist es offensichtlich, dass die Bundesregierung mit Lufthansa Hand in Hand daran arbeitet, Konkurrenz für Deutschland fernzuhalten", sagte Marketingchef Kenny Jacobs der "Bild"-Zeitung. "Die Tatsache, dass Verkehrsminister Alexander Dobrindt betont, dass hier keine kartellrechtlichen Verstöße vorliegen, bestätigt, dass dies ein abgekartetes Spiel ist."

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries nannte den Vorwurf Ryanairs, die Pleite sei künstlich herbeigeführt worden, "schlicht abwegig". Der auch für Verbraucherschutz zuständige Justizminister Heiko Maas betonte, mit dem Kredit solle auch Urlaubern geholfen werden, die bereits Flüge bei Air Berlin gebucht hätten. Sie dürften "nicht die Leidtragenden" der Insolvenz sein.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. August 2017 um 9 Uhr.

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