Flugzeug von Air Berlin | Bildquelle: dpa

Bundeswirtschaftsministerin Zypries "Die Situation von Air Berlin ist prekär"

Stand: 13.06.2017 13:57 Uhr

Mit deutlichen Worten hat Bundeswirtschaftsministerin Zypries auf den Antrag von Air Berlin auf staatliche Hilfen reagiert. Diese sind nicht unumstritten. Auch bei den Fluggästen wächst der Unmut.

Die finanzielle Lage der Fluggesellschaft Air Berlin ist sehr ernst. Nun hat sich sogar Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries zu Wort gemeldet: "Die Situation von Air Berlin ist prekär, sonst würde so ein Antrag auf Bürgschaft nicht gestellt", sagte die SPD-Politikerin. Es bereite ihr und vielen anderen in der Bundesregierung Sorge, wenn ein so großes Unternehmen wie Air Berlin in Schieflage gerate.

Worauf die Ministerin anspricht: Air Berlin hatte vor wenigen Tagen bei den Ländern Berlin und Nordrhein-Westfalen einen Antrag auf staatliche Unterstützung gestellt. Der Antrag liege ihrem Haus vor und werde geprüft, doch könne sie nichts zur Höhe der angefragten Bürgschaft sagen, sagte Zypries. Mit Bürgschaften können Bund und Länder die Rückzahlung von Krediten an Unternehmen garantieren, die sonst keine Darlehen mehr bekämen.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries | Bildquelle: dpa
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Bundeswirtschaftsministerin Zypries: Ihr bereitet die wirtschafliche Lage von Air Berlin Sorgen.

Gewerkschaft ist gegen staatliche Hilfe

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo spricht sich gegen Staatshilfen aus. "Von Staatsbürgschaften für Air Berlin halte ich in der jetzigen Situation nichts", sagte Ufo-Tarifvorstand Nicoley Baublies der "Rheinischen Post". Es stünde "nach Aussagen aller Beteiligten fest, dass Air Berlin nicht unabhängig bleiben kann und Lufthansa das Unternehmen übernehmen will", sagte Baublies. Darum solle der Marktführer jetzt einen offenen Dialog mit dem Unternehmen und der Belegschaft darüber führen, unter welchen Bedingungen eine Integration möglich sei.

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft steckt nach strategischen Fehlern und einer jahrelangen Verlustserie in einer existenziellen Krise. Allein voriges Jahr standen unter dem Strich knapp 800 Millionen Euro Verlust. Für das Unternehmen arbeiten 8000 Mitarbeiter.

Zahlreiche Fluggast-Beschwerden

Auch bei den Fluggästen kommt Air Berlin nicht mehr sonderlich gut weg: Aus Ärger über ausgefallene Flüge und Verspätungen verlangen sie inzwischen Schadenersatz in Millionenhöhe. Bei dem auf Fluggastrechte spezialisierten Internetportal Flightright seien "bereits Millionen Euro an Erstattungsansprüchen zusammengekommen", sagte Rechtsanwalt Oskar de Felice dem Berliner "Tagesspiegel".

Dem Bericht zufolge profitieren auch andere Fluggasthelfer-Portale wie EUClaim oder Fairplane von den Problemen der Fluggesellschaft. Fairplane verzeichnete demnach von Januar bis Ende Mai 3800 Air-Berlin-Fälle. Dies sei ein Anstieg um 114 Prozent.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. Juni 2017 um 15:30 Uhr in der Wirtschaft.

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