Seitenueberschrift

Gutachten stützt GKV-Verband

Krankenkassen wollen Ärzte-Honorare kürzen

Die gesetzlichen Krankenkassen wollen bei den anstehenden Verhandlungen mit der Ärzteschaft Honorarkürzungen durchsetzen. "Die Vergütung der Vertragsärzte muss sich künftig wieder ihrem Aufwand anpassen", sagte der stellvertretende Vorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Johann-Magnus von Stackelberg. Die vorgeschlagene Absenkung würde ein Minus von 2,2 Milliarden Euro bei der Gesamtvergütung der Ärzte bedeuten.

Der Verband beruft sich auf eine von ihm in Auftrag gegebene Studie. Demnach erhöhte sich der durchschnittlich erwirtschaftete Überschuss je Arzt aus der Versorgung von gesetzlich Versicherten von 105.000 Euro im Jahr 2007 auf 134.000 Euro im vergangenen Jahr. Werden auch die Einnahmen aus der Versorgung von Privatpatienten einbezogen, ergibt sich der Studie des Forschungsinstituts Prognos zufolge sogar ein Reinertrag von 165.000 Euro. Große Teile der Kosten in Arztpraxen wie Mieten oder Personal seien dagegen fix.

Ärzteeinkommen steigt laut Studie kontinuierlich an
tagesschau 12:00 Uhr, 09.08.2012, Griet von Petersdorff, RBB

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

"Ärzteforderungen völlig überzogen"

Forderungen der Ärzteschaft nach Honorarzuwächsen von deutlich mehr als drei Milliarden Euro für 2013 nannte von Stackelberg "völlig überzogen". "Wenn den Ärzten nur die tatsächlichen Kostensteigerungen und die zusätzlichen Leistungen finanziert werden sollen, muss der Preis für die ärztliche Leistung korrigiert werden", erklärte der Projektleiter der Prognos-Studie, Ronny Wölbing.

Der GKV-Spitzenverband kündigte an, bei den Verhandlungen über die Ärztevergütung eine Absenkung des so genannten Orientierungswertes von 3,5 auf 3,25 Cent für 2013 zu verlangen. Dieser Wert, der seit drei Jahren nicht verändert wurde, bildet die Grundlage für die vertragsärztliche Vergütung.

Kassenärzte warnen vor "Hamsterradverhältnissen"

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sprach von einem verantwortungslosen Sparkurs der Kassen zu Lasten der Patienten, vor allem in ländlichen Gebieten. Dort kämpften bereits heute immer mehr Einzelpraxen ums Überleben. Die GkV-Vorstellungen würden die Ärzte "in alte Hamsterradverhältnisse zurückwerfen", sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur dapd. KBV-Chef Andreas Köhler sagte, die angestrebten 3,5 Milliarden Euro seien wegen gestiegener Betriebskosten und der Inflation notwendig.

Der Orientierungswert für das kommende Jahr soll bis zum 31. August von Vertretern der Kassen und Ärzte festgelegt werden. Dabei rechnet von Stackelberg angesichts der weit auseinanderliegenden Positionen nicht mit einer Einigung. Dann entscheiden drei unabhängige Sachverständige bei einer Sitzung des Erweiterten Bewertungsausschusses am 31. August.

Stand: 09.08.2012 16:52 Uhr

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

31 Kommentare zur Meldung. Kommentierung der Meldung beendet.

Schlagwörter der Meldung:
Darstellung: