Ägypten: Die Unruhen und die Folgen für den Tourismus

Ägypten Tourismus Kamel (Bildquelle: picture alliance / dpa)

Reisewarnungen nach Eskalation

Die Folgen für den Tourismus

Die angespannte Lage in Ägypten bekommen auch die deutschen Reiseveranstalter immer stärker zu spüren.

Der Branchenführer TUI berichtet, die Nachfrage für Ägypten sei zuletzt deutlich zurückgegangen. Die Buchungen für die laufende Sommersaison lägen einstellig unter dem Vorjahresniveau. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) machten 2012 etwa 1,2 Millionen Bundesbürger in dem Land Urlaub. Der DRV berichtet von vermehrten Anfragen der Kunden bei den Veranstaltern angesichts der Unruhen. "Es gibt jedoch keine Storno- oder Umbuchungswelle", sagte eine Sprecherin.

TUI-Urlauber können wegen der Gewalt ohne Mehrkosten auf andere Reiseziele ausweichen. "Wir bieten verunsicherten Urlaubern Umbuchungen an", sagte ein Sprecher. Dies geschehe aus Kulanzgründen - eine Stornierungen des Urlaubs sei hingegen weiterhin kostenpflichtig.

Das Unternehmen erklärte zugleich, dass es auf Anordnung der Tourismuspolizei vorsichtshalber alle geführten Ausflüge abgesagt habe. "Aber natürlich können die Urlauber die Hotels verlassen und sich frei bewegen", teilte TUI-Chefreiseleiter Klaus Haller mit. Er verwies darauf, dass die Kairoer Unruhen von den touristischen Zielen am Roten Meer weit entfernt lägen.

Auswärtiges Amt rät dringend von Ägypten-Reisen ab
R. Lüer, ARD Berlin
15.08.2013 12:44 Uhr

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Auswärtiges Amt warnt vor unübersichtlicher Lage

Derweil verschärfte das Auswärtige Amt abermals seine Sicherheitshinweise. "Für Kairo steht zu befürchten, dass sich die Sicherheitslage weiter verschlechtert", erklärte das Amt auf seiner Homepage. Im ganzen Land sei weiter mit Demonstrationen von Anhängern und Gegnern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi und Einsätzen der Sicherheitskräfte zu rechnen, die auch einen gewalttätigen Verlauf nehmen könnten. Die Lage bleibe im Moment sehr unübersichtlich.

Weiter schreibt das Auswärtige Amt: "Von Reisen nach Ägypten, insbesondere nach Kairo, in die Touristenzentren in Oberägypten (Luxor, Assuan, Nilkreuzfahrten) und in das Nildelta wird dringend abgeraten. Für die Touristengebiete am Roten Meer auf der Festlandseite Ägyptens und auf dem Sinai im Küstenstreifen zwischen Sharm-El-Sheikh und Nuweiba gilt dies derzeit nicht." Tourismus ist Ägyptens wichtigste Einnahmequelle.

Verschärfte Reisewarnung für Ägypten
tagesschau 14:00 Uhr, 15.08.2013, Erkan Arikan, NDR

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Skandinavische Reiseveranstalter holen Urlauber zurück

Aufgrund der heftigen Unruhen in Ägypten entschieden inzwischen mehrere skandinavische Reiseveranstalter, ihre Urlauber aus dem Land zurückzuholen. Das meldete die dänische Nachrichtenagentur Ritzau. Betroffen seien mehrere hundert Dänen, Norweger und Schweden. Die Reiseveranstalter Star Tour, Ving, Apollo und Spies wollten ihre Gäste bis spätestens Montag wieder nach Hause holen. Künftige Reisen nach Ägypten würden bis Anfang Oktober eingestellt.

Electrolux stoppt Produktion in Ägypten

Auch erste ausländische Unternehmen ziehen Konsequenzen aus den Unruhen. Der weltweit zweitgrößte Haushaltsgeräte-Hersteller Electrolux stoppt bis auf weiteres seine Produktion in dem Krisenland. "Wir beobachten die Sicherheitslage und werden dann entscheiden, ob die Leute wieder arbeiten gehen sollen", sagte ein Sprecher des schwedischen Konzerns. Die AEG-Mutter beschäftigt etwa 7000 Mitarbeiter in Ägypten.

Auch die deutsche Metro reagierte: "Als vorsorgliche Maßnahme wurde das Headquarter der Metro in Kairo vorübergehend geschlossen", sagte eine Sprecherin des Handelskonzerns. Weitere deutsche Unternehmen wollen sich nach Erkenntnissen des DIHK nicht aus dem nordafrikanischen Land zurückziehen. "Die Unternehmen, die da sind, werfen nicht das Handtuch", sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, der Nachrichtenagentur dpa.

Nach Angaben des DIHK sind in Ägypten 80 deutsche Unternehmen mit Vertriebs- und Produktionsstandorten vertreten. Sie beschäftigen dort etwa 24.000 Mitarbeiter.

Stand: 15.08.2013 17:20 Uhr

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