Ägypten: Präsident Mursi tauscht zehn Minister aus

Umfassende Kabinettsumbildung in Ägypten

Mursi tauscht zehn Minister aus

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi hat einen beträchtlichen Teil seiner Regierungsmannschaft ausgewechselt. Zehn Minister, und damit ungefähr ein Drittel des Kabinetts, wurden neu berufen - darunter sind auch Schlüsselressorts wie Finanzen und Inneres.

Das Innenministerium wird nun von Polizeigeneral Mohammed Ibrahim geleitet. Er war bislang einer der Stellvertreter des bisherigen Ressortchefs Ahmed Gamaleddin, der nun für die Gefängnisverwaltung zuständig ist. Auch die Führung der Ressorts Verkehr, Elektrizität, Regionale Entwicklung, zivile Luftfahrt, Parlamentsangelegenheiten sowie Versorgung und Kommunikation wurde ausgetauscht. Die Kabinettsumbildung stärkt die Rolle der Muslimbruderschaft - sie kontrolliert nun direkt oder über ihren politischen Arm, die Freiheits- und Gerechtigkeitspartei, acht Ministerien. Zuvor waren es nur fünf gewesen.

Sitzung des neuen ägyptischen Kabinetts am 6. Januar in Kairo (Bildquelle: dapd)
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Präsident Mursi (mi.) rief sein neues Kabinett bereits zur ersten Sitzung zusammen.

Finanzminister muss IWF-Kredit unter Dach und Fach bringen

Besonders bedeutend für das Land könnte der Wechsel an der Spitze des Finanzministeriums werden, das künftig von al Sajed Hegasi geführt wird. Auch der auf islamische Finanzgeschäfte spezialisierte Wissenschaftler soll der Muslimbruderschaft nahestehen.

Hegasis erste Bewährungsprobe steht schon am Montag bevor. Dann wird der IWF-Beauftragte für Nahost und Zentralasien, Masud Ahmed, in Kairo erwartet. Bei dem Besuch sollen laut dem Internationalen Währungsfonds "die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen" sowie Ägyptens Wirtschafts- und Finanzpolitik und "eine mögliche IWF-Unterstützung für Ägypten beim Umgang mit diesen Herausforderungen" zur Sprache kommen.

Das Land am Nil ist dringend auf einen neuen IWF-Kredit angewiesen, dessen endgültige Unterzeichnung sich durch die Unruhen im Dezember und ausgesetzte Steuererhöhungen verzögert hat. Der Währungsfonds knüpfte die Auszahlung von rund 4,8 Milliarden Dollar bisher an neue Sparauflagen, die Präsident Mursi aus Furcht vor wachsendem Widerstand in der Bevölkerung nicht umsetzen will. Hegasi stehen in Kairo also harte Verhandlungen mit dem IWF-Vertreter bevor.

Wirtschaftskrise verschärft sich

Ein Händler an der Kairoer Börse liest Zeitung. (Bildquelle: AFP)
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Pause an der Kairoer Börse - ein Händler liest Zeitung.

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Hosni Mubarak vor knapp zwei Jahren rutscht die ägyptische Wirtschaft immer weiter in die Krise. Der Tourismussektor schwächelt und ausländische Investoren halten sich wegen der unsicheren Lage im Land zurück. Die Landeswährung büßte bisher ein Zehntel ihres Werts ein. Viele Ägypter fürchten, dass die Preise insbesondere für importierte Waren und Güter, wie Lebensmittel, rasant steigen könnten.

Mursi hatte Ende Dezember angekündigt, die Bekämpfung der Wirtschaftskrise nun in den Vordergrund seiner Arbeit zu stellen. Unklar ist, wie groß die Fortschritte bis zur Parlamentswahl in rund zwei Monaten sein können.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Januar 2013 um 20:00 Uhr

Stand: 06.01.2013 16:42 Uhr

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