Fehlermeldung eines nicht funktionierenden Flash Players

Ende der Multimedia-Software Adobe lässt Flash sterben

Stand: 26.07.2017 11:27 Uhr

Das US-Softwareunternehmen Adobe wird seinen Flash-Player nicht mehr weiterentwickeln. Über Jahrzehnte war es das wichtigste Programm, um Videos und animierte Grafiken im Netz darzustellen - ab 2020 ist damit Schluss.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs würde sich posthum bestimmt freuen: Adobe hat endlich das gemacht, was Jobs bereits 2010 öffentlich gefordert hatte. Flash habe seinen Zenit längst überschritten, hatte er damals erklärt. Die Software sei auf dem absteigenden Ast, während HTML5 immer beliebter werde.

Vorausgegangen war ein offener Streit zwischen Apple und Adobe. Denn Adobe wollte mit seinem quasi Standard unbedingt auf das iPhone von Apple. Für viele Internetseiten, die ihre Videos ausschließlich im Flash-Format anboten, war es ein richtiges Problem, dass Apple das Format nicht unterstützte.

Doch Jobs blieb 2010 standhaft. Das iPhone werde Flash nicht unterstützen, erklärte er damals: "Wir starten hier keinen Kleinkrieg." "Wir haben eine technische Entscheidung getroffen. Wir haben gegenüber Adobe erklärt, wenn die Software schneller läuft, kommt zu uns und beweist uns das. Aber das ist bislang nicht passiert."

Ohne Flash kein YouTube

Nun ist Jobs’ Wunsch in Erfüllung gegangen. Sieben Jahre hat es gedauert. Dabei waren die Anfänge der Software vielversprechend. Um die Jahrtausendwende fehlten dem textlastigen Internet Inhalte zum hingucken. Flash schien die Lösung zu bieten. Es konnte als so genanntes Plugin in jeden Browser integriert werden. Einfach herunterladen, fertig.

Eine Box mit Adobe-Software | Bildquelle: REUTERS
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Für den Softwarehersteller Adobe war Flash von Anfang an ein wichtiges Produkt.

Gleichzeitig nahm die Bandbreite des Internets zu. Videos im Netz anzuschauen, ging im Netz ruckelfrei, erklärt der Journalist Frederic Lardinois vom kalifornischen Technologie-Blog TechCrunch: "Ohne Flash hätten wir heute keine Seiten wie YouTube. Es war damals die erste große Seite, auf der man im Internet Videos angucken konnte. Gleichzeitig konnte man mit Flash dann alle möglichen Spiele, die es vorher ausschließlich auf dem Computer gab, auch im Browser spielen."

Kostenlos und anfangs populär

Für Adobe, das vor allem für seine Software Photoshop und Premiere bekannt ist, war Flash ein wichtiges Produkt. Es war kostenlos und zahlte auf die Marke ein. Außerdem: Das Softwareunternehmen bot eigene Kaufsoftware an, um multimediale Inhalte für Flash zu erstellen. Doch die Popularität des Plugins ebbte bald ab. Die Software wurde zu einem Einfallstor für Hacker, weil viele Nutzer sie nicht regelmäßig aktualisierten.

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Auch die Browserhersteller hatten die Entwicklung verschlafen: Microsoft, Mozilla mit Firefox und später Google mit Chrome boten anfangs keine eigenen, bereits integrierten Videoplayer an. Als Flash jedoch immer anfälliger wurde, entwickelten sie eigene Werkzeuge, die im Gegensatz zu dem Plugin auf offene Standards wie HTML5 setzen. Und: Diese waren fest in den Browser integriert, Nutzer mussten nichts extra herunterladen.

iPhone läutet Flash-Ende ein

Lardinois ist aber überzeugt, dass Jobs damals den Ausschlag gab und das Ende von Flash einläutete. "Da das iPhone so populär wurde, wollten die Entwickler einfach kein Flash mehr benutzen, weil sie auf dieser großen Plattform mit Flash keinen Zugriff mehr hatten. Das heißt, sie mussten HTML 5 benutzen. Da braucht man nichts von Adobe oder anderen Anbietern, hat aber dieselben Funktionen. Apple hat den Anstoß gegeben, dass Menschen Produkte von Adobe links liegen ließen."

Heute spielt das Plugin nur noch eine untergeordnete Rolle. Es kommt gerade einmal auf einen Marktanteil von unter zehn Prozent - Wohl deshalb hat Adobe den Schlussstrich unter das Kapitel gezogen.

Adobe lässt Flash sterben
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
26.07.2017 09:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Juli 2017 um 18:20 Uhr.

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