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30.05.2012

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Wirtschaft
Adidas-Geschäft in Peking
China: Ringen um Sozialstandards bei Adidas-Zulieferern
Sozialstandards bei Chinas Adidas-Zulieferern

Im Reich der drei Streifen

Adidas ist einer der Hauptsponsoren der Olympischen Spiele. Zuletzt wurde das Unternehmen oft beschuldigt, gegen soziale Standards in China zu verstoßen. Adidas wies die Kritik stets zurück. Doch welche Standards gelten wirklich bei den Zulieferern?

Von Kerstin Lohse, ARD-Hörfunkstudio Schanghai

Werbeaktion von Adidas in Peking (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Als einer der Hauptsponsoren der Olympischen Spiele steht Adidas mit seinen Produktionsbedingungen in China besonders im Fokus. ]
In grünen T-Shirts und mit rot-weiß karierten Kopftüchern sitzen bei glühender Hitze rund 1000 Arbeiterinnen und Arbeiter an ihren Nähmaschinen und steppen Turnschuhnähte. Seit drei Jahren arbeitet der 23-jährige Zheng Xuanbo aus Sichuan bei Apache in der südchinesischen Stadt Qingyuan, knapp eineinhalb Autostunden von Kanton entfernt. Rund 1200 Yuan, umgerechnet 120 Euro pro Monat, verdient er bei dem Adidas-Lieferanten. Gewöhnlich arbeitet er neun bis zehn Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Doch nicht allein das Gehalt hält ihn hier.

"Mehr Sozialleistungen als anderswo"

"Diese Fabrik ist besser als andere", sagt Zheng. Sie biete viel mehr Sozialleistungen. "Wenn ich zum Beispiel krank werde, dann kann ich ins Krankenhaus gehen und die Firma übernimmt 70 Prozent der Kosten." Auch seine Kollegin Nong Xiaorong aus Hunan sieht die Vorteile von Apache. Sie finde zehn Arbeitsstunden pro Tag in Ordnung. "Ich habe von anderen Fabriken gehört, wo Arbeiter bis 23 Uhr oder sogar bis Mitternacht arbeiten müssen", berichtet sie. "Ich denke, das ist nicht zu schaffen."

Das neue Werksgelände in Qingyuan wurde vor knapp zwei Jahren eingeweiht. Die vier großen Fabrikgebäude, in denen täglich 1,2 Millionen Paar Schuhe entstehen, nehmen nur ein Viertel der Gesamtfläche ein. 50 Prozent des Geländes hat der Firmenchef bewusst im ursprünglichen Zustand gelassen, bewaldet und hügelig, damit seine Mitarbeiter an den Wochenenden in die Natur können. Darüber hinaus ließ er einen See und zahlreiche Grünflächen anlegen.

Wettbewerb um die besten Arbeiter

Schuhproduktion von Adidas in der chinesischen Provinz Guandong (Archivbild 2005) (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Der Adidas-Zulieferer Apache lockt seine Arbeiter mit vielen Sonderleistungen. ]
Neben fast kostenlosen Mahlzeiten bietet die Firma ihren knapp 17.000 Mitarbeitern auch einen Supermarkt, in dem sie deutlich günstiger als anderswo einkaufen können. Denn erfahrungsgemäß zählt für die Arbeiter nur eines: Sie wollen so viel wie möglich von ihrem Lohn sparen. Darüber hinaus stellt Apache Wohnheim- und Kindergartenplätze, Sport- und Freizeitanlagen. Das Unternehmen bietet medizinische Versorgung, Weiterbildungsmöglichkeiten und künftig auch die Chance, eine Wohnung auf dem Werksgelände zu erwerben. 280 Appartements werden in Kürze bezugsfertig sein. Apache-Mitarbeiter können sie für einen Bruchteil des Marktpreises erwerben. All diese Maßnahmen dienten dem Ziel, im harten Wettbewerb um Arbeiter bestehen zu können, sagt Apache-Geschäftsführer Charles Yang.

"Wir haben festgestellt, dass es immer schwieriger wird, Arbeiter aus anderen Landesteilen zu rekrutieren", berichtet er. Die Regierung habe Anreize geschaffen, damit Unternehmen auch ins Landesinnere zögen. In Jiangsu, Yangzhou und anderen Orten gebe es überall große Fabriken. "Darüber hinaus wollen die Eltern von Einzelkindern ihre Kinder in der Nähe haben, und deshalb geben 200 bis 300 Yuan mehr oder weniger beim Gehalt häufig nicht mehr den Ausschlag", sagt Yang. Deshalb versuche sein Unternehmen, den Arbeitern ein Gesamtpaket anzubieten, nicht nur ein Gehalt.

Ehepaare garantieren Kontinuität

Anders als in der Anfangszeit des Exportbooms beschäftigt Apache inzwischen mehr Frauen als Männer - und auch nicht mehr nur die ganz jungen unter 25. Besonders stolz ist das Unternehmen auf die mehr als 2000 Ehepaare, die für Apache arbeiten. Sie garantieren große Kontinuität. Je länger die Arbeiter bleiben, umso besser für die Fabrik, lautet die Devise.  

Schuhproduktion von Adidas in der chinesischen Provinz Guandong (Archivbild 2005) (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Bei der Schuhproduktion seiner chinesischen Zuliefer will Adidas internationale Standards durchsetzen. ]
300.000 Chinesen arbeiten für Adidas-Lieferanten. Längst nicht alle Fabriken bieten so hohe Standards wie Apache in Qingyuan. In den vergangenen Monaten war immer wieder Kritik laut geworden, auch in Adidas-Fabriken würden zu viele Überstunden gefordert und nicht mal die Mindestlöhne gezahlt. William Anderson, der bei Adidas für die Einhaltung sozialer und Umwelt-Standards in Asien zuständig ist, will nicht ausschließen, dass es in Ausnahmen immer wieder solche Fälle gegeben habe. Adidas sei jedoch sehr darum bemüht, die international gültigen Standards auch in China durchzusetzen.  

"Wenn wir auf der Suche sind nach neuen Fabriken, kommen 50 Prozent der vorgeschlagenen Kandidaten gar nicht in Frage", sagt Anderson. "Wir verfolgen sogenannte Mindeststandards, die erfüllt werden müssen: gesetzestreues Verhalten, eine korrekte Gehaltspolitik, Arbeitszeitkontrolle und eine ordentliche Belegschaft. Diese Minimalanforderungen muss jede Fabrik erfüllen, wenn sie Teil unserer Lieferkette werden will." Um auch nach Abschluss der Lieferverträge die Standards zu überprüfen, besuchen Adidas-Vertreter die Fabriken regelmäßig, zum Teil im Wochentakt. Bei einigen Lieferanten seien sogar ständig Adidas-Mitarbeiter vor Ort, um die Produktionsbedingungen zu überwachen.  

Stand: 11.08.2008 12:47 Uhr
 

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