Die Zentrale der Versicherung in Zürich (Bildquelle: REUTERS)

Zurich-Präsident Ackermann gibt Amt auf Ein Rücktritt und viele Fragen

Stand: 29.08.2013 14:48 Uhr

Nach dem Suizid des Zurich-Finanzvorstands Wauthier ist Verwaltungsratschef Ackermann zurückgetreten. Offenbar gibt die Witwe dem Ex-Deutsche-Bank-Chef eine Mitschuld am Tod ihres Mannes. Ackermann reagierte mit einer Erklärung.

Von Hans-Jürgen Maurus, ARD-Hörfunkstudio Zürich

Der Rücktritt von Josef Ackermann, Verwaltungsratspräsident der Zurich-Versicherungsgruppe, ist ein Paukenschlag. Er kommt völlig unerwartet und ist eine Folge des tragischen Suizids des Zurich-Finanzchefs Pierre Wauthier. Der Topmanager war am Montag in seiner Wohnung tot aufgefunden worden.

Ackermann-Rücktritt nach Drama bei Zurich-Konzern
H.-J. Maurus, ARD Zürich
29.08.2013 13:04 Uhr

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Die Kantonspolizei Zug teilte unter Berufung auf ein erstes Obduktionsgutachten mit, dass sie von einer Selbsttötung ausgehe. Weitere Einzelheiten würden aus Rücksicht auf die Familie nicht bekanntgegeben. Doch mittlerweile ist durchgesickert, dass die Gattin des Verstorbenen offenbar schwere Vorwürfe gegen Ackermann erhebt.

Unter Druck gesetzt?

Nach Angaben der Gratiszeitung "20 Minuten" behauptet die Witwe, Ackermann habe ihren Gatten in die Enge getrieben. Ackermanns harter Führungsstil sei die Ursache des Suizids, er habe das Topmanagement gefordert und dadurch ihren Mann unter Druck gesetzt.

Dass es zu Auseinandersetzungen gekommen sein muss, zeigt auch die offizielle Stellungnahme des Versicherungskonzerns. Darin wird nicht nur der Rücktritt des Verwaltungsratspräsidenten bekanntgegeben, sondern Ackermann mit dem Satz zitiert, er sei über den unerwarteten Tod von Pierre Wauthier zutiefst erschüttert. Er habe Grund anzunehmen, dass die Familienangehörigen erwarteten, dass er einen Teil der Verantwortung übernehme, auch wenn etwaige Anschuldigungen völlig unbegründet seien.

Zitat

"Ich habe Grund zur Annahme, dass die Familie meint, ich solle meinen Teil der Verantwortung hierfür tragen, ungeachtet dessen, wie unbegründet dies objektiv betrachtet auch sein mag."

Josef Ackermann laut einer Mitteilung des Zurich-Konzerns

Ackermann selber rechnete also mit harten Vorwürfen aus dem engsten Familienkreis. Die Attacken der Witwe sind die Bestätigung. Die Frau des Finanzchefs soll ihre Kritik gegenüber dem Vorstandschef Martin Senn sowie anderen Verwaltungsratsmitgliedern mündlich geäußert haben. Insofern blieb Ackermann gar nichts anderes übrig, als die Konsequenzen zu ziehen, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden, wie er offiziell verlauten ließ.

Diskussionen "im üblichen Rahmen"

Ob es zu offenen Auseinandersetzungen kam und bei welchen Themen ist bisher nicht bekannt. Fest steht aber, dass Ackermann gleich zu Beginn seines Amtsantritts als Chefkontrolleur des Konzerns klar machte, dass er das Unternehmen wachrütteln wolle. Ackermann gilt als aktiver Manager, der Dinge beeinflussen und steuern will. Bei der Zurich war man dagegen den zurückhaltenden Vorgänger und Ex-Daimler-Topmanager Manfred Gentz gewohnt, der sich kaum einmischte. Insofern bahnte sich ein Kulturwandel an.

Nach inoffiziellen Angaben aus der Topetage der Versicherungsgruppe hat Ackermann seinen Finanzchef aber nie attackiert. Die Diskussionen hätten sich im üblichen Rahmen bewegt. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern aber gerade in Deutschland mit erheblichen Problemen zu kämpfen. So musste Zurich hohe Rückstellungen für Schadensfälle vornehmen. Das war nicht nur eine unangenehme Überraschung, sondern das Ergebnis einer schweren Panne, die offenbar dem Finanzchef angelastet wurde. Denn im vergangenen Februar wurden die Verluste in Deutschland als das Resultat eigener Fehler durch unsachgemäße Praktiken bezeichnet. Insofern stand der Finanzchef schon damals unter enormem Druck.

Dieser Beitrag lief am 29. August 2013 um 13:36 Uhr im Deutschlandfunk.

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