Netzschau: Politiker erreichen junge Wähler nicht

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Netzschau zur Wahl (10)

Politik erreicht Jungwähler nicht

Die Wahlbeteiligung geht seit Jahren zurück, besonders selten wählen junge Menschen. Politiker scheinen Schwierigkeiten haben, diese zu erreichen. Ein Mittel dafür sind soziale Netzwerke. Aber gelingt die Ansprache im Netz?

Von Manuel Daubenberger für tagesschau.de

Bei der letzten Bundestagswahl haben nur 63 Prozent der Erstwähler unter 21 Jahren gewählt, bei den 21- bis 25-Jährigen waren es sogar weniger als 60 Prozent, so eine Statistik der Bundeszentrale für politische Bildung. Mit vielen Kampagnen wird versucht, diese anzusprechen.

Mittlerweile sind nach Angaben einer Studie des Branchenverbandes Bitkom mehr als 90 Prozent der jungen Menschen unter 30 Jahren Mitglied in mindestens einem sozialen Netzwerk . Für viele ist das Internet die wichtigste Informationsquelle. Es liegt also nahe, Jungwähler in sozialen Netzwerken anzusprechen. Fraglich ist allerdings, ob es den Politikern auch gelingt die jungen Menschen dort zu erreichen.

Mediennutzung im Wahlkampf. (Quelle: wahllos.de)
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Mediennutzung im Wahlkampf. (Quelle: wahllos.de)

Auch junge Wähler lassen sich im Wahlkampf immer noch am liebsten durch Fernsehen, Zeitungen oder Radio ansprechen. So ein Studienergebnis für das Projekt Wahllos. Doch immerhin 41 Prozent wollen sich auch in den sozialen Medien informieren lassen - im Verhältnis zu nur 19 Prozent über alle Altersklassen.

Politiker werden aktiver

Der Politikberater Martin Fuchs hat auf seinem Blog Hamburger Wahlbeobachter die Social-Media-Aktivitäten der Parteien und Bundestagsabgeordneten analysiert. Er kam zu dem Ergebnis, dass mittlerweile 90 Prozent der Bundestagsabgeordneten ein Profil in sozialen Netzwerken haben. Mit 13 Prozent stieg die Aktivität bei Facebook seit Jahresbeginn am stärksten. Ganz vorne liegen die grünen Abgeordneten mit mehr als 95 Prozent aktiven Nutzern. Doch auch bei den Schlusslichtern von CDU/CSU haben mittlerweile mehr als 85 Prozent der Abgeordneten ein Profil.

Junge Wähler werden nicht erreicht

Doch trotz der Präsenz zündet der Online-Wahlkampf nicht. Eine Studie der Universität Hohenheim hat ergeben, dass Jungwähler in Baden-Württemberg die Angebote der Parteien in den sozialen Netzwerken kaum wahrnehmen. "Hier verschenken alle Parteien viel Potenzial, mögliche Wähler mit aktuellen Informationen zu erreichen", schreibt der Marketing-Professor Markus Voeth.

Das Projekt Wahllos beschäftigt sich mit Jung- und Nichtwählern.
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Das Projekt Wahllos beschäftigt sich mit Jung- und Nichtwählern.

Dass der Wahlkampf in den sozialen Medien auch bei jüngeren nicht wahrgenommen wird, geht auch aus einer Studie von Infratest dimap für das Projekt Wahllos und die Iniative Pro Dialog hervor. Am stärksten wurde von ihnen noch der Online-Auftritt von Kanzlerin Angela Merkel wahrgenommen - allerdings nur von zwölf Prozent der Befragten unter 30 Jahren. Der Politikberater Martin Fuchs sagt deshalb, dass es für Politiker in sozialen Medien momentan vor allem wichtig sei, die zwei bis drei Prozent Multiplikatoren zu erreichen, also Journalisten, Blogger und politisch Aktive, die Botschaften dann weitertragen.

Politiker nutzen soziale Netzwerke falsch

Auch nach Ansicht des PR-Bloggers Klaus Eck nutzen Politiker die sozialen Netzwerke falsch. Junge Wähler würden von den Politikern erwarten, dass diese sie aktiver mitgestalten lassen. Doch noch würden viele Politiker die sozialen Netzwerke nur für einseitige Werbung nutzen - und sich ärgern, sobald sie im Netz kritisiert werden. Das verstärke bei Jungwählern das Gefühl, dass Parteipolitiker nichts mit ihrer persönlichen Lebenswelt zu tun haben.

Doch das könnte sich bald ändern: In einem Artikel auf Medienpolitik.net kommen drei PR-Berater zu dem Schluss, dass die Abgeordneten in naher Zukunft anders kommunizieren werden: "In drei bis vier Wahlperioden wird jeder Bundestagsabgeordnete ein Digital Native sein und verinnerlicht haben, wie man die Tools des Social Web anwendet." Das bedeute, dass die Diskussionen über Reformen und Gesetze dann moderner geführt werden.

Der Hamburger Wahlbeobachter verfolgt das Wahlgeschehen im Internet.
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Der Hamburger Wahlbeobachter verfolgt das Wahlgeschehen im Internet.

Um das zu beschleunigen hat der "Hamburger Wahlbeobachter" Martin Fuchs schon einmal eine Liste mit Tipps für die letzte heiße Phase des Online-Wahlkampf veröffentlicht: Für Politiker ist es demnach wichtig, dass ihre Online-Auftritte gut gefunden werden, dass sie aktuell sind und dass sie mit Videos oder interaktiven Chats attraktiv sind. Einige der wichtigsten Regeln sei es aber, dass Politiker ihre Aktivitäten in sozialen Netzwerken nicht nur auf den Wahlkampf beschränken, sondern dauerhaft im Dialog mit den Nutzern stehen. Sonst wirke alles nur wie eine Alibi-Veranstaltung.

Netzschau zur Wahl

Bis zum 23. September, dem Tag nach der Bundestagswahl und der Landtagswahl in Hessen, wird die Netzschau auf tagesschau.de das Wahlkampfgeschehen im Internet zusammentragen. Begleitend zur sonntäglichen Sendung #wahlschau wird die Netzschau unter verschiedenen Schwerpunkten abbilden, was zum Wahlkampf in den sozialen Netzwerken passiert, was getweetet und was gebloggt wird.

Stand: 08.09.2013 11:15 Uhr

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