Spitzenteam der Linkspartei für die Bundestagswahl

Das Spitzenteam der Linkspartei Achter mit Strippenzieher

Stand: 29.08.2013 14:19 Uhr

Auf ein Spitzenduo konnte sich die Partei Die Linke nicht einigen. Deshalb nominierte sie ein achtköpfiges Spitzenteam, das für Vielfalt stehen soll. Die Partei kämpft ums politische Überleben und mit dem früheren Spitzenpersonal. Von Ute Welty.

Von Ute Welty, tagesschau.de

Der erste Auftritt findet unter denkbar schlechten Voraussetzungen statt: Gerade mal 3,1 Prozent hat die Linkspartei am Vorabend bei der Landtagswahl in Niedersachsen geholt, fliegt krachend aus dem Landtag in Hannover. Mit dieser frischen Niederlage im Rücken treten die acht Männer und Frauen vor die Presse, die ihre Partei bei der Bundestagswahl im September zum Erfolg führen wollen.

Deutlich im Fokus des Interesses stehen Fraktionschef Gregor Gysi und seine Stellvertreterin Sahra Wagenknecht. Allein mit Wagenknecht ein Spitzenduo zu bilden - dagegen soll sich Gysi mit Händen und Füßen gewehrt haben. Immer wieder ist von Spannungen zwischen den beiden die Rede. Er habe sich noch nie gut mit ihr verstanden, heißt es.

Marx und Erhard

Oskar Lafontaine
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Oskar Lafontaine hat sich von allen Parteiämtern zurückgezogen.

Schon im Juli vergangenen Jahres erscheinen entsprechende Berichte unter Berufung auf "gut informierte Parteikreise". Vier Wochen später lobt Gysi die angebliche Rivalin im Interview: Er könne sich Wagenknecht gut als seine Nachfolgerin und Fraktionsvorsitzende vorstellen. Sie habe inzwischen nicht nur Karl Marx, sondern auch Ludwig Erhard gelesen, sagt Gysi und fügt hinzu: "Und verstanden." Einen solchen Satz nennt man wohl ein vergiftetes Kompliment. Mangelnde Intellektualität muss sich Wagenknecht nicht vorwerfen lassen. Ihre Doktorprüfung in Volkswirtschaft über das Sparen in entwickelten Ländern schließt sie mit summa cum laude ab.

Gegen Angriffe von außen verteidigt Wagenknecht Gysi. Anfang 2013 wird ihm vorgeworfen, unter Eid falsche Aussagen über seine Kontakte zur Staatssicherheit der DDR gemacht zu haben. Nach einer entsprechenden Anzeige muss die Hamburger Staatsanwaltschaft beginnen zu ermitteln. Wagenknecht spricht von "Heuchelei" und einer "schmutzigen Wahlkampfkampagne".

Schwierige (Dreiecks-)Beziehung

Was das Verhältnis zwischen Wagenknecht und Gysi kompliziert macht: In Wahrheit handelt es sich um eine Dreiecksbeziehung. Spricht Gysi mit Wagenknecht, kann oder muss er davon ausgehen, dass Oskar Lafontaine als Wagenknechts Lebensgefährte davon erfährt. Formal spielt der frühere Parteichef keine Rolle mehr. Lafontaine gilt aber immer noch als Strippenzieher. Er und Gysi haben einst öffentlichkeitswirksam für die gemeinsame Sache auf Plakaten gekuschelt. Doch so harmonisch treten die beiden nicht mehr auf. Vor allem die Personaldebatte vor dem Göttinger Parteitag 2012 erweist sich als Belastung.

Die beiden Parteivorsitzenden der Linken, Kipping und Riexinger.
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Kipping und Riexinger bilden seit 2012 das Duo an der Spitze der Linkspartei.

Mit aller Macht will Lafontaine damals die Kandidatur von Dietmar Bartsch für den Parteivorsitz verhindern. Nach wie vor steht der Vorwurf im Raum, Bartsch habe die Presse über die außereheliche Beziehung Lafontaines zu Wagenknecht informiert. Die Kandidatur von Bartsch wird von Gysi unterstützt, der in einer beeindruckenden Rede die Abgründe in der Fraktion beschreibt, in der "Hass" herrsche. Lafontaine tut dies als "Befindlichkeit" ab. Auch inhaltlich scheinen die Gründungsväter der Linkspartei auseinander zu driften. Das zeigt sich ein Jahr nach Göttingen auf dem Parteitag in Dresden. Während Lafontaine vehement dafür plädiert, zu nationalen Währungen zurückzukehren, rät Gysi davon ab, einen Ausstieg aus dem Euro zu verlangen.

Acht sollen es richten

Mit seiner Kandidatur für den Parteivorsitz in Göttingen scheitert Bartsch. Als Mitglied des Spitzenteams der Linkspartei steht er für die sogenannten Reformer, die meist aus der früheren PDS und/oder aus dem Osten stammen. "Regierungsbeteiligung" ist für die Reformer kein Fremdwort, Koalitionen mit der SPD sind vorstellbar.

Klaus Ernst
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Ernst war als Parteivorsitzender zwischen 2010 und 2012 nicht unumstritten.

Der ehemalige Gewerkschaftsfunktionär Klaus Ernst soll im Westen punkten. Auf der Suche nach einer sozialen Alternative gründet Ernst, damals noch SPD-Mitglied, 2004 den Vorläufer der WASG. Dafür wird er aus der SPD ausgeschlossen. Zunächst ist Ernst gegen die Fusion von WASG und PDS, stimmt ihr aber aus wahltaktischen Gründen zu. Ernst sorgt für parteiinterne Diskussionen und mediale Aufmerksamkeit. Zum einen bezieht er neben seinen Bezügen als Abgeordneter eine Zuwendung für seine Tätigkeit als Parteivorsitzender. Das Amt hat er zwischen 2010 und 2012 inne. Zum anderen bringt ihm der Besitz eines Porsches den Spitznamen "Luxus-Linker" ein. Dass der Wagen ein älteres Modell und Baujahr 1976 ist, spielt in der Berichterstattung keine Rolle.

Ernst und Wagenknecht als "Medienlieblinge"

Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht auf dem Göttinger Parteitag der Linkspartei.
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Seit 2011 auch offiziell ein Paar: Lafontaine und Wagenknecht

Auch Wagenknecht ist ein "Liebling" der Medien. Immer wieder arbeiten sich Kommentatoren an ihrem Aussehen und an ihrem Kleidungsstil ab, werden Vergleiche zu Rosa Luxemburg gezogen. Geboren wird die Tochter einer Deutschen und eines Iraners in Jena, zieht dann mit ihrer Mutter nach Ost-Berlin. Ihr Philosophiestudium schließt sie im niederländischen Groningen ab.

Wagenknecht tritt lange als Wortführerin der Kommunistischen Plattform auf. Wesentliches Anliegen dieses Zusammenschlusses innerhalb der Linkspartei ist "die Bewahrung und Weiterentwicklung marxistischen Gedankenguts". Vom Image der Hardlinerin versucht sich Wagenknecht immer mehr zu lösen. Seit 2010 ruht ihre Mitgliedschaft bei der "Kommunistischen Plattform". Die Partei- und Fraktionsvize sieht sich in der "Mitte" der Linkspartei.

Ebenfalls stellvertretende Parteivorsitzende sind Caren Lay und Jan van Aken. Lay ist Soziologin mit den Schwerpunkten Politikwissenschaft und Frauenforschung. Ihr Weg in die Politik führt über einen Job als Redenschreiberin für die damalige Verbraucherschutzministerin Renate Künast von den Grünen. Lay gilt als Vertreterin des liberalen und undogmatischen Flügels der Linkspartei. Van Aken ist außenpolitischer Sprecher der Fraktion. Der Biologe war Experte für Gentechnik, arbeitete als Biowaffeninspektor für die Vereinten Nationen und tritt für die Ächtung biologischer Kampfmittel ein.

Zwei Bundestagsabgeordnete vervollständigen das Spitzenteam. Diana Golze stammt aus Brandenburg, Nicole Gohlke aus Bayern. Golze als Sozialpädagogin engagiert sich vor allem für die Anliegen von Familien und Kinder. Gohlke hat Kommunikationswissenschaften studiert und während des zweiten Golfkriegs begonnen, sich politisch zu betätigen. Einer ihrer Schwerpunkte liegt auf der Bildungspolitik. Seine Mitstreiter hat Gysi als "primus inter pares" auf eine gemeinsame Zielmarke eingeschworen. Unter zehn Prozent will man bei der Bundestagswahl im September nicht nach Hause gehen.

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