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Schön bunt sind sie, all die Wahlplakate, die uns derzeit überall begegnen. Von rot über blau, gelb und schwarz bis hin zu grün. Aber wie sind die Parteien eigentlich zu "ihren" Farben gekommen? Warum die Grünen grün sind, ist noch einfach. Aber wer hat die FDP auf Gelb gebracht und warum sind die Konservativen schwarz?
Von Gaby Rosenkranz, WDR
Die meisten Wähler können die Farben zwar Parteien zuordnen. Aber warum beispielsweise die Stammfarbe der Union Schwarz und die der SPD Rot ist, weiß kaum jemand. Christoph Strünck ist Professor für Politikwissenschaften an der Universität Siegen und kennt sich aus mit den Parteien und "ihren" Farben: "Die Roten, ob es Sozialdemokraten, Sozialisten oder Kommunisten sind, haben sich die Farbe schon relativ früh zugelegt, nämlich nach der französischen Revolution."
[Bildunterschrift: Beanspruchen beide das Rot als Parteifarbe: Linkspartei und SPD ]
Rot, erklärt Strünck, seien die Mützen der Jakobiner gewesen. Alle Parteien und Gruppen, die sich auf die sozial-revolutionären Bestrebungen berufen haben, hätten diese Farbe übernommen. Bei den Kommunisten habe es dafür noch eine emotionalere Erklärung gegeben: "Sie wollten mit rot symbolisieren, dass viele kommunistische Kämpfer ihr Leben gelassen haben."
Das Schwarz der Union ist sogar noch älter als das Rot der Sozialdemokraten. Als "Schwarze" würden alle Anhänger christlicher Parteien bezeichnet, sagt Strünck. Sie haben ihre Farbe von den Talaren der Priester und Pastoren, für die seit dem 17./18.Jahrhundert schwarz vorgeschrieben ist. Schwarz ist auch die uralte Farbsymbolik der Kirche für Bußfertigkeit und die Leiden Christi.
Der Ursprung der politischen Farbenlehre findet sich im weiteren Sinne bereits in der Antike. Bei den römischen Zirkusspielen kämpften in der Regel vier Wagen, die von Renngesellschaften gestellt wurden, um den Sieg. Damit die Wagen optisch zu unterscheiden waren, hatte jeder eine eigene Farbe. Die römischen Kaiser hatten meist einen "Lieblingsrennstall", konkurrierende Gesellschaften wurden unterdrückt und terrorisiert. Von Kaiser Nero wird berichtet, dass er ein leidenschaftlicher Anhänger der "Grünen" war und deshalb auch selbst in dieser Farbe auftrat. In Konstantinopel schließlich entwickelten sich die Renngesellschaften zu Gruppierungen mit politischem und religiösem Hintergrund.
Bei den heutigen Grünen lässt sich die Farbgebung recht einfach erklären. "Klar, das Grün steht für Natur, für Ökologie, und abgesehen davon wäre es bei dem Parteinamen abwegig, wenn man plötzlich gelb oder blau nähme", so Politologe Strünck.
[Bildunterschrift: Hält sich sogar bei der Wahl des Schals an den Vorschlag der Werbeagentur: FDP-Chef Westerwelle ]
Blau und Gelb sind die Farben der FDP, wobei Blau die traditionelle Farbe der Liberalen ist. Sie soll für Konservatismus und Optimismus stehen. Auch viele andere europäische liberale Parteien bevorzugen Blau. Woher aber kommt das Gelb der FDP? Selbst in der Partei weiß das nicht jeder. Weder Tradition noch Historie stecken dahinter. Es war eine Werbeagentur, die Gelb als Parteifarbe für die FDP empfohlen hat - das aber immerhin schon 1972.
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