Bei der Bundestagswahl werden die Stimmen noch analog mit Stift und Papier abgegeben. | Bildquelle: dpa

Sicherheitslücken in Wahlsoftware Absicherung? Ungenügend

Stand: 07.09.2017 16:18 Uhr

Bei dem Computerprogramm für die Bundestagswahl sind Mängel festgestellt worden. Ergebnisse könnten gefälscht werden. Jetzt hat der Bundeswahlleiter erste Schritte eingeleitet, um das Problem zu beheben.

Sicherheitsforscher haben gravierende Mängel in einer Software gefunden, mit der in etlichen Kommunen die Wahlergebnisse der Bundestagswahl zusammengetragen werden. Nach den Untersuchungen eines Informatikers aus Darmstadt und des Chaos Computer Clubs klaffen in dem Programm "PC Wahl" etliche Sicherheitslücken, wie "Zeit Online" und die Wochenzeitung "Die Zeit" berichteten.

So sei die Übertragung der korrekten Wahldaten aus den Gemeinden an den Wahlleiter nicht abgesichert gewesen - weder durch eine Verschlüsselung noch durch eine wirksame Authentifizierung. Dem Bericht zufolge sei es auch möglich gewesen, den Kommunen eine infizierte Version des Programms unterzuschieben, weil Nutzer die Zugangsdaten für einen geschützten Support-Bereich für die Gemeinden im Netz hätten finden können.

"Hätte nie eingesetzt werden dürfen"

Das Programm selbst sei aber so schlecht, dass es "nie hätte eingesetzt werden dürfen", sagte Linus Neumann vom Chaos Computer Clubs. In der Software werde "keine richtige Verschlüsselung, sondern nur eine Maskierung" verwendet. Jeder, der Zugriff auf das Programm habe und die Verschlüsselung brechen könne, bekomme damit auch Zugriff auf die Passwörter und könnte so manipulierte Wahldaten weiterschicken.

Bundeswahlleiter Dieter Sarreither präsentiert am 22.08.2017 in Berlin während einer Pressekonferenz zur Bundestagswahl 2017 ein Buch mit der Liste der Wahlkandidaten. | Bildquelle: dpa
galerie

Bundeswahlleiter Dieter Sarreither präsentiert die Liste der Wahlkandidaten.

Die Software-Probleme sollen rechtzeitig behoben werden - dafür will der Bundeswahlleiter sorgen. Ein Sprecher der Behörde in Wiesbaden erklärte, dass das Programm jetzt ein Update bekommen solle. Außerdem könnten "verpflichtende Telefonketten" genutzt werden, mit denen die Ergebnisse parallel zur elektronischen Übermittlung weitergeleitet werden. Der Bundeswahlleiter erklärte, dass er notfalls auch auf den Einsatz der Software verzichten könne.

Bei der Bundestagswahl werden die Stimmen noch analog mit Stift und Papier abgegeben. Doch bei der Übermittlung der Ergebnisse an die Wahlleiter kommen Computer zum Einsatz. Das Programm wird in etlichen Kommunen eingesetzt, um die Wahlergebnisse der Bundestagswahl zusammenzutragen und an den Landeswahlleiter zu übermitteln.

"Ernstes Problem"

Ein Sprecher des Bundeswahlleiters sprach von einem «ernsten Problem», das schon vor Wochen bekannt geworden sei. Der Hersteller habe in der Zwischenzeit etliche Updates der Software nachgeliefert, um Lücken zu schließen. Die Landeswahlleiter seien nun aufgefordert worden, die Übermittlung der korrekten Wahldaten zusätzlich abzusichern. Die Ermittlung des vorläufigen amtlichen Wahlergebnisses sei von den Sicherheitslücken aber nie betroffenen gewesen, weil dort andere Übertragungswege gewählt würden.

Stimmzettel können zur Not neu ausgezählt werden

Eine echte Manipulation der Wahlergebnisse durch eine Analyse-Software wie PC-Wahl gilt unter Experten als einigermaßen unwahrscheinlich. Wenn das Ergebnis eines Wahlkreises oder sogar eines Bundeslandes angezweifelt wird, können die Stimmzettel neu ausgezählt werden. Bei Wahlcomputern, die beispielsweise in den Niederlanden zum Einsatz kommen, haben Fachleute immer wieder auf die Gefahr einer echten Wahlmanipulation hingewiesen.

Über dieses Thema berichtete am 07. September 2017 die tagesschau um 15:00 Uhr und NDR Info um 17:15 Uhr.

Darstellung: