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Angesichts des bevortehenden Regierungswechsels im Bund hat sich der Chef des Energiekonzerns RWE, Jürgen Großmann, für eine längere Laufzeit aller Atomkraftwerke ausgesprochen. Konkret plädierte Großmann im ARD-Morgenmagazin dafür, die Laufzeit des Atomkraftwerks Biblis zu verlängern. "Ich glaube, man sollte technische Anlagen so lange nutzen, wie sie sicher sind", sagte er. Dies träfe für die Kraftwerksblöcke Biblis A und B zu.
Nach den Vorstellungen des bisherigen SPD-Umweltministers Sigmar Gabriel sollten die beiden Blöcke 2010 abgeschaltet werden. Biblis A wurde 1974 in Betrieb genommen und ist damit der älteste laufende Reaktor Deutschlands, Biblis B 1976. Die Grünen hatten im Wahlkampf darauf verwiesen, dass sich in dem hessischen Kraftwerk seitdem mehr als 800 Pannen ereignet haben.
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CDU/CSU und FDP hatten sich vor der Wahl für ein Festhalten an der Atomenergie eingesetzt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte dies im ARD-Brennpunkt gestern noch einmal bekräftigt: "Wir brauchen Atomenergie als Brückentechnologie für eine bestimmte Zeit." Konkrete Aussagen zu einer Laufzeitverlängerung machte Merkel nicht. Zudem verwies sie auf die Notwendigkeit der Förderung erneuerbarer Energien.
Sowohl Merkels Union als auch ihr Wunsch-Koalitionspartner FDP stellen sich vor, dass ein Teil der von der Energieindustrie durch längere Laufzeiten der Atomkraftwerke erzielten Gewinne an den Staat abgegeben werden muss, um alternative Energie zu fördern. Die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner (CDU), die als mögliche Umweltministerin der neuen Bundesregierung gehandelt wird, erwartet diesbezüglich "intensive Diskussionen" mit den Kraftwerksbetreibern.
RWE-Chef Großmann sprach dagegen bereits davon, dass die Kraftwerksbetreiber bereit seien, einen Teil der zusätzlichen Gewinne zur Förderung erneuerbarer Energien abzugeben. Er nannte einen "dicken zweistelligen Prozentsatz" als Größenordnung - "50, 45, 55 Prozent." Eine solche Regelung setzte jedoch eine "ganzheitliche Betrachtung" der Energiepolitik voraus. Großmann sagte, er wolle darüber demnächst gern mit der Bundeskanzlerin sprechen.
Großmann verwies auf den seiner Darstellung nach klimafreundlichen Aspekt der Kernenergie: Kernkraftwerke trügen im Jahr zur Vermeidung von 150 Millionen Tonnen Kohlendioxid bei, die bei der Produktion durch andere Kraftwerke jährlich entstünden. Die CDU-Politikerin Gönner betonte angesichts dessen, dass es auch bei längeren Laufzeiten keine laxeren Klimaschutzvorgaben für die Kraftwerksbetreiber gebe werden. Eine Verlängerung dürfe nicht dazu führen, dass es in einem anderen Bereich zu einem Mehrausstoß an Kohlendioxid komme.
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