Kriselnder Energiekonzern Vattenfall teilt sich

Kriselnder Energiekonzern Vattenfall teilt sich

Ordnung oder Kahlschlag?

Mit radikalen Schritten versucht Vattenfall, auf die schwache Ertragslage zu reagieren: Der Konzern schreibt knapp 3,5 Milliarden Euro ab, verhängt einen Einstellungsstopp und kündigt an, sich aufzuspalten. Und der Sparkurs scheint noch nicht beendet.

Von Tim Krohn, ARD-Hörfunkstudio Stockholm

Wenn der Chef vorsichtshalber gleich noch seinen Aufsichtsratsboss zu sich auf die Bühne holt, dann merkt man schnell: Das hier wird keine gewöhnliche Bilanz-PK: "Der Grund, weshalb wir heute beide zusammen hier auf der Bühne stehen, ist der, dass wir den Ernst der Situation, in der sich Vattenfall befindet, unterstreichen wollen."Wie ernst es tatsächlich ist, daran ließ Lars Nordström, der Aufsichtsratsvorsitzende bei Vattenfall, kaum einen Zweifel. Das Sparprogramm des Energiekonzerns wird noch einmal verschärft, das ganze Riesen-Unternehmen neu aufgeteilt.

Ab 2014 werden die Geschäftsfelder in Kontinental-Europa und Großbritannien von den Unternehmensgeschäften in Skandinavien abgetrennt. Außerhalb des Heimatmarktes in Schweden hat dann der Deutschland-Manager Tuomo Hatakka das Sagen.

Trübe Geschäftsaussichten

Vattenfall-Logo auf einer Batterie (Bildquelle: dapd)
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Vattenfall: Zu schnell und zu viel investiert?

Vattenfall spricht von trüben Geschäftsaussichten vor allem in Deutschland und den Niederlanden. Die Ertragsmargen sind gering, die Preise an den Strombörsen so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. Schwedens Finanzmarktminister Peter Norman macht es konkret:  "Vattenfall hat drei Problembereiche: Das sind die Kohle in Deutschland, die Atomkraft in Deutschland und Gas in Holland."

Umgerechnet knapp 3,5 Milliarden Euro muss Vattenfall bei seinen Vermögenswerten abschreiben. Die deutschen Steinkohle-Kraftwerke schlagen dabei mit rund 500 Millionen zu Buche. Der holländische Gaskonzern Nuon kostet die Schweden sogar knapp 1,7 Milliarden.

Die schwedische Zeitung"Dagens Industri" spricht bereits von einer Katastrophe. Mit dem Staatsunternehmen Vattenfall stehe Schwedens Tafelsilber auf dem Spiel.

"Alles hausgemachte Probleme", meint der Stockholmer Wirtschaftsjournalist Claes Aronsson. "Sie haben viel zu schnell überall investiert. Sie haben im Prinzip alles gekauft, was sie kaufen konnten. Das ging viel zu schnell. Man kann also sagen, dass Vattenfall jetzt endlich mal die Handbremse zieht."

Vattenfall trennt Europageschäft ab
T. Krohn, ARD Stockholm
23.07.2013 15:37 Uhr

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Weiterer Jobabbau?

Nicht auszuschließen, dass bei diesem Bremsmanöver noch einige auf der Strecke bleiben. Vattenfall hat die Sparvorgaben für das kommende Jahr erhöht und einen weiteren Stellenabbau ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Die Konzernspitze in Stockholm verhängt einen Einstellungsstopp.

"Ich möchte nicht sagen, dass Vattenfall vor dem Abgrund steht. Aber jetzt ist die Zeit, in der wirklich große Veränderungen gemacht werden müssen. Um Ordnung reinzubringen in dieses große Unternehmen", sagt Aronsson.

Ordnung oder Kahlschlag? Bei Vattenfall scheint auch der Verkauf des Europageschäftes nicht mehr ausgeschlossen. Man wolle "die Risiken langfristig teilen", heißt es aus der Konzernspitze.

Dieser Beitrag lief am 23. Juli 2013 um 13:46 Uhr im Deutschlandfunk.

Stand: 23.07.2013 16:05 Uhr

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