Polizisten in der Türkei, Archivbild | Bildquelle: AP

Gülen-Bewegung Neue Festnahmewelle in der Türkei

Stand: 18.02.2020 11:08 Uhr

Soldaten, Polizisten und Justizbeamte: In der Türkei sind 160 Menschen wegen mutmaßlicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung festgenommen worden. Wegen Unterstützung des islamischen Predigers wurden 700 Haftbefehle ausgestellt.

In der Türkei hat die Staatsanwaltschaft im Zuge der Niederschlagung der Gülen-Bewegung fast 700 Haftbefehle erlassen. Betroffen seien unter anderem Angehörige des Militärs und der Justiz, berichteten Staatsmedien. Die Staatsanwaltschaft habe bei den Ermittlungen die Festnahme von rund 160 Personen angeordnet, meldete die Nachrichtenagentur Anadolu. Rund 700 Haftbefehle seien im ganzen Land ergangen. Nach weiteren Verdächtigen werde noch gefahndet.

Landesweite Razzien

Die Regierung hatte ihr massives Vorgehen gegen mutmaßliche Anhänger des im US-Exil lebenden Predigers Fetullah Gülen in den vergangene Monaten weiter verschärft. Präsident Recep Tayyip Erdogan wirft seinem einstigen Mitstreiter vor, hinter dem Putschversuch im Juli 2016 zu stecken, bei dem rund 250 Menschen getötet wurden.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan | Bildquelle: AP
galerie

Präsident Erdogan weist die Kritik von EU und Menschenrechtsorganisationen am Vorgehen gegen die Gülen-Bewegung zurück.

Die Polizei unternimmt immer wieder Razzien gegen mutmaßliche Anhänger Gülens, der jede Verstrickung in den Putschversuch bestreitet. Er lebt seit 1999 im US-Bundesstaat Pennsylvania. Erdogan wirft Gülen und seinen Anhängern vor, sie wollten einen Parallelstaat in der Türkei errichten, indem sie Polizei, Militär, Justiz und Verwaltung infiltrierten.

Zehntausende entlassen oder festgenommen

Seit dem Putschversuch wurden bereits rund 80.000 Menschen angeklagt. Etwa 150.000 Beschäftigte unter anderem in der Verwaltung und im Militär wurden entlassen oder vom Dienst suspendiert.

Erdogan weist internationale Kritik zurück

Die Europäische Union und Menschenrechtsgruppen haben das massive Vorgehen bereits mehrfach kritisiert. Erdogan rechtfertigt es als notwendige Antwort auf die Bedrohung der Sicherheit.

Darstellung: