Hans Günter Winkler 1988 | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

Nachruf Hans Günter Winkler Nationalheld und Pferdeflüsterer

Stand: 09.07.2018 13:57 Uhr

Der Springreiter hat viele Rekorde aufgestellt. Zur Legende aber wurde Hans Günter Winkler mit seinem Ritt auf der legendären Stute Halla bei den Olympischen Spielen 1956 in Stockholm.

Von Antraud Cordes-Strehle, WDR

"Der Sport hat mein Leben geprägt", meinte Hans Günter Winkler immer. Noch mit über 80 Jahren schritt er über die Reitplätze. Auch lange nachdem er seine aktive Karriere als Springreiter beendet hatte, hat er sich hier am wohlsten gefühlt. Weil er schon als Kind Stallgeruch schnupperte, weil er auf Pferden alles gewann, was es zu gewinnen gibt und so erfolgreich und berühmt wurde.

 "HGW" wurde Hans-Güner Winkler von allen in der Szene genannt. Anerkennung der Pferdesportszene für einen Mann, dessen Gespür im Umgang mit sprunggewaltigen Vierbeinern legendär war.

Mit fünf Jahren im Sattel

Als Sohn eines ehemals herzoglichen Stallmeisters und Reitlehrers kam Hans Günter Winkler In Wuppertal zur Welt und schon früh aufs Pferd: Mit fünf, als er die Schimmelstute Rosalinde putzen und auch reiten durfte. Reiteroffizier zu werden und als Turnierreiter Karriere zu machen, war schon bald sein Wunsch.

Zunächst aber verhinderte der Zweite Weltkrieg, dass er seine Pläne in die Tat umsetzen konnte. Winkler wurde mit vierzehneinhalb als Flakhelfer eingesetzt, musste mit 17 Jahren an die Front. Nach seiner Flucht aus belgischer Gefangenschaft legte er in Frankfurt den Grundstein für sein späteres Leben.

"Erfolg ist keine Sache von Glück!"

Parallel zu seiner Ausbildung zum Textilkaufmann arbeitete er als Hilfsreitlehrer für amerikanische Offiziere. Außerdem stieg er in die Turnierszene ein. Schnell konnte er erste Erfolge verbuchen: 1948 ritt er zum ersten Sieg seiner Karriere, 1952 gewann er erstmals das deutsche Springchampionat.

Bevor er für Deutschland international starten durfte, musste er reamateurisiert werden, denn wegen seiner Tätigkeit bei den US-amerikanischen Besatzungstruppen galt Winkler als Profi.

Springreiter Hans Günter Winkler auf seiner ''Wunderstute'' Halla beim Jagdspringen während der Olympischen Spiele in Stockholm. | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Die Ritte mit seiner "Wunderstute" Halla gingen in die Geschichte ein.

Halla, die später als Wunderstute in die Geschichte des Reitsports einging, bildete Winkler von 1951 an in Warendorf als Springpferd aus. Halla war da schon sechs Jahre alt und als "verrückte Ziege" verschrien. Doch der für seinen modernen Reitstil bekannte Sportler fand den Schlüssel zu der hochsensiblen Stute. Am 17. Juni 1956 beobachtete die Welt, zu was das Duo fähig war.

Halla, die Wunderstute

In der ersten Runde des Nationenpreises zog sich Hans Günter Winkler bei den Olympischen Spielen in Stockholm eine böse Muskelzerrung in der Leistengegend zu. Er hatte unsägliche Schmerzen, doch eine Aufgabe hätte das Team um die Chance auf Gold gebracht.

Also trat "HGW" nach der Verabreichung von Schmerzmitteln an. "Körper vorwärts und ab ging die Post", beschrieb er später die Minuten im Parcours. Bei jedem Sprung schrie er auf, konnte sich irgendwie dennoch auf dem Pferd halten und blieb fehlerfrei: Gold in der Einzelwertung und für die Mannschaft.

Halb ohnmächtig sank er in die Arme der Turnierhelfer. Die Legende von der im Alleingang und ohne Unterstützung des Reiters zu Gold springenden Wunderstute war geboren. Auch wenn Winkler immer beteuerte: "Wahr ist, dass ich jederzeit die Gewalt über das Pferd hatte, Halla die nötigen Hilfen gab und sie passend zum Sprung ritt. Ohne meine Einwirkung wäre sie einfach zum Ausritt gelaufen. Kein Pferd springt ohne Aufforderung und Hilfe des Reiters."

Mit Selbstdisziplin zum Rekord

Auch danach bestach Winkler auf den Turnierplätzen der ganzen Welt. Bei seinen insgesamt sechs Olympiateilnahmen - auch das war ein Rekord - gewann er fünf Mal Gold und je einmal Silber und Bronze. Eine einmalige Erfolgsbilanz.

"Siegen war immer ein Muss für mich", sagte er später einmal über diese Zeit, in der er mehrfach Sportler des Jahres und Sportler des Jahrzehnts wurde. "Mein ganzes Leben wollte ich mir immer irgendetwas beweisen, weil ich in einer schwierigen Zeit groß geworden bin."

Hans Günter Winkler | Bildquelle: picture alliance / dpa
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"Siegen war ein immer ein Muss für mich", sagte Winkler über seine sportliche Karriere.

Winkler verabschiedete sich 1986 beim CHIO in Aachen vom aktiven Reitsport. "Immer, wenn andere glaubten, ich sei gerade schwach, war ich am stärksten", blickte er auf seine mehr als 30-jährige Karriere im Sattel zurück. Fachleute und Konkurrenten bescheinigten ihm stets eine ausgeprägte Selbstdisziplin und einen Hang zum Perfektionismus. Auch eine gewisse Egozentrik wurde dem Mann, der sich von jungen Reitern stets siezen ließ, nachgesagt.

"Der liebe Gott war sehr nett zu mir"

Er war viermal verheiratet. Zuletzt mit der 33 Jahre jüngeren amerikanischen Springreiterin Debby Malloy, die 2011 bei einem Reitunfall auf tragische Weise ums Leben kam. Der Witwer stürzte sich umso mehr in die Arbeit und Aktivitäten, die meist mit Turnierpferden und Turniersport zu tun hatten.

Rückblickend auf sein Leben meinte Hans Günter Winkler: "Der liebe Gott war sehr nett zu mir." Jetzt ist er mit 91 Jahren gestorben.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Juli 2018 um 12:00 Uhr.

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