Ein Mann mit Atemschutzmaske geht am Logo der geplanten Fußball-EM 2020 vorbei. | Bildquelle: REUTERS

UEFA-Entscheidung zur EM Im Sommer, im Winter oder in Russland?

Stand: 17.03.2020 07:25 Uhr

Die Corona-Pandemie legt derzeit europaweit den Fußball lahm. Heute entscheidet die UEFA, was aus der EM 2020 im Sommer werden soll. Wird sie verschoben, hat auch das weitere Folgen.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Silbern glänzt der begehrte Pokal im Videoclip der UEFA zur Euro 2020. Zu sehen sind außerdem Spieler, die sich in den Armen liegen, und voll besetzte Stadien. Das Video verheißt ein Fußballfest voller Leidenschaft.

Doch dass die EM wie geplant im Juni und Juli in zwölf Ländern stattfindet, scheint in Zeiten der Corona-Pandemie unwahrscheinlich. Auch wenn die Führung des europäischen Fußballverbands sich vor zwei Wochen noch optimistisch gab: "Wir wollen nicht überreagieren", sagte damals UEFA-Generalsekretär Theodore Theodoridis. "Wir sind uns der Situation bewusst, und wir haben Kontakte und Koordinierungsgruppen eingerichtet, um damit umzugehen."

Aleksander Ceferin, der UEFA-Präsident, antwortete auf zweifelnde Journalistenfragen: "Lasst uns versuchen, optimistisch zu sein und nicht nur an die dunklen Szenarien denken. Dafür ist später noch Zeit."

Nämlich jetzt. Mittlerweile liegt der europäische Fußball am Boden. Die Ligen haben wegen des Virus den Spielbetrieb unterbrochen und selbst die UEFA hat Begegnungen absagen müssen.

UEFA-Videokonferenz mit 55 Verbänden

Heute nun soll - den besonderen Umständen entsprechend - per Videokonferenz besprochen werden, wie, wo und wann die Europameisterschaft stattfinden könnte.

Zugeschaltet werden Vertreter der 55 UEFA-Mitgliedsverbände, die Vorstände der Klubvereinigung ECA und der Vereinigung der Europäischen Ligen sowie Vertreter der Spielergewerkschaft FIFPro.

Dass das Turnier wie geplant stattfindet, hält Sportjournalist Marcel Reif wie viele andere für ausgeschlossen: Einerseits sei der Zeitraum aus medizinischen Erwägungen heraus "undenkbar", andererseits stelle eine EM mit Austragungsorten in zwölf Ländern ein "dramatisches" Risiko dar, meint er.

Verschiebung betrifft entweder Ligen oder Klub-WM

Verschiedene Szenarien liegen heute auf dem Tisch. Etwa die Verschiebung der EM auf den Winter oder gar auf den nächsten Sommer, um so den nationalen Ligen mehr Zeit zu geben.

"Die Ligen müssen irgendwie zu Ende spielen, wenn das medizinisch irgendwie vertretbar ist", meint Reif dazu. "Dann verschiebt sich natürlich auch der Beginn der kommenden Saison. Und dann kannst du im Winter doch nicht spielen. Das Wahrscheinlichste und das Denkbarste wäre im kommenden Sommer."

Das böte auch die Chance, die ausgesetzten Europapokal-Wettbewerbe zu beenden. Doch könnte da die EM kollidieren mit der vom Weltverband FIFA geplanten Klub-WM, die eigentlich im Sommer 2021 ihre Premiere feiern soll.

Vorerst dürfte UEFA sich nicht auf Szenarien einlassen

Und dann gibt es auch noch das Angebot einer nicht zeitlichen, sondern räumlichen Verschiebung der EM - nach Russland. Allerdings dämpft Fußballexperte Reif mit Blick auf die aktuelle Corona-Lage Erwartungen, dass die UEFA schon heute einen neuen verbindlichen Termin für die EM nennen wird.

"Sie werden es nur verschieben. Sie werden noch nicht sagen wohin", meint er. Alles andere würde bedeuten, Szenarien aufzustellen - "und jeder Medizinier sagt dir: Mach das lieber nicht."

Wird die Fußball-EM wegen Corona verschoben? - UEFA berät auf Videokonferenz
Dietrich Karl Mäurer, ARD Zürich
17.03.2020 06:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. März 2020 um 06:15 Uhr.

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