Frankfurts Keeper Kevin Trapp | Bildquelle: dpa

Vor dem Pokal-Halbfinale Frankfurt braucht einen Trapp in Bestform

Stand: 10.06.2020 08:00 Uhr

Frankfurts Torwart Kevin Trapp | Bildquelle: firo / via Jan Huebner/POOL
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Frankfurts Torwart Kevin Trapp

Im Halbfinale des DFB-Pokals zwischen dem FC Bayern und Eintracht Frankfurt stehen sich die Nationaltorhüter Manuel Neuer und Kevin Trapp gegenüber. Den Frankfurter Keeper dürfte Schwerstarbeit erwarten - auch für die Stimmbänder.

Von Frank Hellmann

Kevin Trapp kann sich noch gut erinnern, wo er sich am 19. Mai 2018 befand. Pfingstsamstag vor zwei Jahren, weiß der Torwart von Eintracht Frankfurt, habe er in seiner Pariser Wohnung das Pokalendspiel zwischen dem scheinbar übermächtigen FC Bayern und seinem heutigen Arbeitgeber verfolgt.

Natürlich wusste der damalige Keeper von Paris St. Germain, was der 3:1-Sensationscoup im Berliner Olympiastadion bei den Eintracht-Spielern und Fans, Stadt und Verein auslösen würde. "Ich hatte Gänsehaut, als ich die Bilder aus dem Spiel und die Szenen bei der Ankunft in Frankfurt gesehen habe", sagte Trapp bei DFB.de.  

"Mit oder ohne Zuschauer schwer"

Nun fehlt den Hessen wieder nur ein Schritt, um das dritte Mal binnen vier Jahren ins Pokal-Endspiel einzuziehen. "Davon träumen andere 20 Jahre", hat Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic gesagt, der auch weiß, dass Frankfurt die "schwerste aller möglicher Konstellationen" erwischt  hat. Zugleich ist die Neuauflage des Endspiels 2018 auch die Begegnung der beiden Nationaltorhüter: Manuel Neuer und Kevin Trapp.

Klar, dass der 34 Jahre alte Bayern-Kapitän einen anderen Ablauf als 2018 anstrebt: "Wir wollen das jetzt nicht wieder erleben. Wir wollen unbedingt ins Finale und die Möglichkeit haben, in Berlin wieder Pokalsieger zu werden."

Trapp weiß um die Schwere der Aufgabe gegen die Bayern, die in dieser Saison den 30. Meistertitel und den 20. Pokalsieg anstreben - und in der Corona-Zeit bislang alle fünf Spiele mehr oder minder eindrucksvoll gewonnen haben. "Gegen Bayern ist es mit und ohne Zuschauer schwer - man muss sich nur ihre aktuelle Bilanz ansehen. Da ist kein Unterschied. Es ist eher so, dass wir unter normalen Umständen mit 8000 bis 10.000 Fans im Rücken nach München gefahren wären, was uns enorm geholfen hätte."

Anerkannter Kommandogeber

Wenn die Geisterspiele etwas Gutes haben, dann die Tatsache, dass neben den Trainern auch die Torhüter mit ihren Kommandos durchdringen. Bis in die gegnerische Hälfte und auf die letzten Tribünenreihen ist Trapp oft zu hören. Würden die gemessenen Dezibel ein Indikator für Leistung sein, wäre der 29-Jährige vielleicht gar nicht die Nummer drei hinter Neuer und Marc-André ter Stegen in der Nationalmannschaft.

Viel klarer als Kapitän Makoto Hasebe und viel lauter als Haudegen Martin Hinteregger ist Trapp derzeit bei den Spielen ohne Publikum zu  hören. Was auffällt: Die meisten seiner Botschaften an seine Vorderleute besitzen aufmunternden Charakter.

Angesprochen auf die Rolle seiner Nummer eins, sagte Trainer Adi Hütter am Dienstag in der Video-Pressekonferenz gegenüber sportschau.de: "Kevin ist ein absoluter Führungsspieler, der nicht nur auf dem Platz die richtigen Worte findet, sondern auch intern und Einfluss auf die Hierarchie in der Kabine hat. Als Nationaltorwart steht er auch in der Verantwortung, diese Rolle auszufüllen. Wir brauchen einen Trapp in Bestform, um Bälle zu halten, die eigentlich nicht zu halten sind. Auf der anderen Seite steht mit Manuel Neuer der beste Keeper der Welt im Tor."

Hierarchie in der Nationalmannschaft geklärt

Hütter hatte damit jene Rollenverteilung angesprochen, die sich in der Nationalmannschaft ergibt. Der 2018 nach Frankfurt zurückgekehrte Trapp, des Reservistendaseins bei PSG unter Thomas Tuchel überdrüssig, ist unter Joachim Löw als Nummer drei geführt. Der gebürtige Saarländer durfte auch zur WM 2018 nach Russland reisen und hätte gute Aussichten auf die Nominierung für das paneuropäische Turnier 2020 gehabt, doch nun findet die EM erst 2021 statt.

Klar, dass Trapp diese Anwartschaft mit starken Auftritten untermauern muss; und dabei muss er eher auf jene Torhüter schauen, die nachrücken, denn: "Manu spielt seit zehn, zwölf Jahren auf absolutem Topniveau. Marc hat sich in Barcelona extrem weiterentwickelt. Wenn ich dann also ein Teil der Nationalmannschaft sein kann, bedeutet das ja, dass meine Leistungen auch stimmen. Ich möchte mich in jedem Training und Spiel weiterentwickeln und so viel wie möglich für Deutschland spielen."

Manuel Neuer | Bildquelle: picture alliance / M.i.S.-Sportp
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Manuel Neuer

Trapp will mal wieder die Unhaltbaren entschärfen

Der 92-fache Nationaltorwart und Weltmeister Neuer und der dreimal in der DFB-Auswahl eingesetzte Trapp haben in dieser Saison durchwegs überzeugt, weil beide wenig spielentscheidende Fehler begangen haben, zudem extrem sicher mit dem Fuß agieren. Neuer hat lediglich das Problem, dass er oft nur wenig geprüft wird, dann allerdings hellwach sein muss.

Bei Trapp wirkte es zuletzt so, dass er zwar sehr zuverlässig, aber auch nicht so überragend hält, um Spiele im Alleingang zu entscheiden. Darauf arbeitet er hin, wenn er sagt: "Um Bayern zu schlagen, braucht man einen perfekten Tag." Sehnt sich ein Schlussmann nicht immer nach dem perfekten Spiel? 

Trapp braucht Spiele, die im öffentlichen Fokus stehen. Neuer findet dafür automatisch regelmäßig Gelegenheit, bei Trapp könnte allerdings das heutige Halbfinale schon das vorerst letzte große Spiel mit einem Millionenpublikum sein. In der Bundesliga sind die zarten Europapokalträume nach dem 0:2 gegen Nachbar Mainz geplatzt, und in der Europa League ging das Geisterspiel im Achtelfinale gegen Basel mit 0:3 verloren.

Die Ausschläge seiner Vorderleute war extrem

Trapp aber kehrte ja nicht nur in die Mainmetropole zurück, weil er sich hier nach seiner Anfangszeit beim 1. FC Kaiserslautern zum Klassekeeper entwickelte und zum Führungsspieler aufstieg, sondern auch, weil die Hessen Ambitionen formuliert haben, die mit seinem extremen Ehrgeiz zusammenpassten. "Für meine Entwicklung war die Zeit in Paris enorm wichtig, sportlich wie persönlich: Dazu gehört, dass du dir dieses Sieger-Gen aneignest. Denn dort wird erwartet, jedes Spiel zu gewinnen." Deshalb sind ihm die wechselhaften Leistungen, die das überwunden geglaubte Image der "launischen Diva vom Main" wiederbeleben, oft genug ein Dorn im Auge.

Exemplarisch für die Schwankungen stehen ausgerechnet die Bundesliga-Duelle gegen die Bayern: Einer furiosen 5:1-Gala in der Hinrunde - ohne den wegen einer Schulterverletzung fehlenden Trapp – folgte in der Rückrunde eine 2:5-Packung. Neben zwei Kopfballtoren von Hinteregger fanden übrigens die Beobachter nur noch die Paraden von Trapp lobenswert. Aber daran erinnert sich ein Torhüter trotzdem nicht so gerne.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. Juni 2020 um 12:00 Uhr.

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