Das Team: deutsche Nationalmannschaft | Bildquelle: firo Sportphoto

Zwischen WM-Desaster und Euro 2020 DFB-Elf - Stabiles Fundament

Stand: 12.06.2019 08:15 Uhr

Ein Jahr nach dem WM-Desaster und ein Jahr vor dem Beginn der Europameisterschaft sieht die Perspektive der deutschen Nationalmannschaft gut aus. Das Fundament für die Rückkehr an die Weltspitze ist gegossen, die Frage ist, ob es hohen Belastungen standhält.

Von Marcus Bark (Mainz)

Leon Goretzka sprach nach dem 8:0-Sieg gegen Estland in Mainz einen dieser Sätze, die häufig zwischen Kabine und Werbebande zu hören sind: "In einem Jahr kann sehr viel passieren, gerade im Fußball." In diesem Moment wirkte das deutlich interessanter als an einem beliebigen Tag im November oder Februar. Als Goretzka sprach, stand der 12. Juni 2019 kurz bevor, der genau ein Jahr vom Eröffnungsspiel der über den ganzen Kontinent verstreuten Europameisterschaft entfernt liegt.

Ein Jahr zurück lag an diesem Datum der Abflug eines Weltmeisters, der gerne wieder Weltmeister geworden wäre. Doch das Turnier in Russland endete im Desaster. Deutschland schied erstmals in der Vorrunde aus. Der Trainer blieb trotzdem.

Niederlande-Sieg verschafft Löw Luft

Dann stieg Deutschland aus der Nations League ab. Der Trainer blieb trotzdem, weil der Verband ihm zutraute, den viel zitierten Umbruch zu schaffen. Bei jenem Umbruch besserte Bundestrainer Joachim Löw im Frühjahr nochmal nach. Unter lautem Getöse sortierte er Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller aus. Drei Spieler des FC Bayern München also, Löw ging aufs Ganze.

Er gewann - ein sehr gutes Spiel mit Sternchen in den Niederlanden, ein Sieg in letzter Minute. Löw hatte die Luft, die er brauchte, denn durch das 3:2 beim Nachbarn war die Qualifikation zur EM nicht nur erfolgreich begonnen, sondern fast schon geschafft worden. Der Modus schließt ein Scheitern nahezu aus, denn selbst ein gefallener Riese im Aufbäumen ist noch deutlich besser als schwache Weißrussen und sehr schwache Esten, wie sich in den Tagen vor dem 12. Juni zeigte.

Großer Talentepool

"Es ist wichtig, dass wir diese Chance jetzt nutzen, die wir mit dieser relativ jungen Mannschaft jetzt haben", sagte Joshua Kimmich. Der Profi des FC Bayern hob den Block aus den Jahrgängen 1995 und 1996 hervor, dem er selbst angehört. Außerdem zählten aus dem aktuellen Kader Thilo Kehrer, Lukas Klostermann, Niklas Stark, Niklas Süle, Jonathan Tah, Julian Brandt, Serge Gnabry, Leon Goretzka, Timo Werner und Leroy Sané hinzu. Das ist schon ein sehr stabiles Fundament, auf das der bald wieder gesunde Bundestrainer bauen kann, und das in einer intern und extern so freundlichen Atmosphäre, wie er es nach den sportlichen Abstürzen höchstens erhoffen, aber nicht erwarten durfte.

Dass Kai Havertz aus dem Jahrgang 1999, der von seinen Kollegen in einer Umfrage des Fachmagazins "kicker" zum besten Bundesligaspieler gewählt wurde, weder in Weißrussland noch gegen Estland auch nur eine Minute zum Einsatz kam, zeigt die komfortable Situation.

Sané als wichtiger Faktor

Begünstigt wurde sie durch einen Marco Reus, der fast über die gesamte Saison hindurch gesund war, und einen Sané, der nicht nachtragend war. Dass Löw ihn für die WM in Russland aus dem Kader strich, ist weiterhin eine Entscheidung, die nur durch atmosphärische Störungen zu erklären ist.

Sané begann den Neuanfang jedoch ohne Groll. Er ist ein Spieler, auch das ist zwischen Kabine und Werbebande häufig zu hören, der den Unterschied ausmachen kann. Solche Spieler sind in der Regel im Tor oder in der Offensive zu finden. Das leitet auf die Bedenken hin, die es bei der deutschen Nationalmannschaft gibt. Ob das Fundament in der Defensive stabil genug ist, wenn es gegen Mannschaften standhalten muss, in denen Eden Hazard und Kylian Mbappé spielen, ist die Frage, die sich erst im Jahr 2020 klären lässt.

Kimmich: Holland dominieren

Der Sieg in den Niederlanden erhielt das Sternchen nicht, weil er herausragend gut erspielt wurde. Das Sternchen steht für die Phase, in der er dahin ging, in der eine 2:0-Führung verspielt wurde, in der eine Mannschaft ohne Superstar in der Offensive der deutschen Defensive die Grenzen aufzeigte.

Joshua Kimmich, der sich in der abgelaufenen Länderspielsaison immer mehr als Kapitän für die Zeit nach Manuel Neuer positionierte, fasste das in Mainz in Worte: "Den nächsten Schritt, den wir gehen müssen, ist, einen Gegner wie Holland 90 Minuten zu bespielen und zu dominieren."

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Juni 2019 um 11:00 Uhr im Sportblock.

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