Jürgen Klopp (l.) und Niko Kovac (r.)

Trainerduell in der Königsklasse Was Klopp besser kann als Kovac

Stand: 18.02.2019 12:38 Uhr

Das Champions-League-Duell zwischen dem FC Liverpool und dem FC Bayern (Dienstag, 21 Uhr) führt unweigerlich auch zum Vergleich der beiden Trainer: Jürgen Klopp besitzt gerade auf internationaler Bühne deutlich mehr Erfahrung als Niko Kovac. Aber gibt das im Achtelfinale auch den Ausschlag?

Von Frank Hellmann

Es ist vielleicht ganz hilfreich, vor einem derart grell ausgeleuchteten Duell wie in der Champions League zwischen dem FC Liverpool und FC Bayern München auf die Anfänge wichtiger Protagonisten zu blicken. Zumal wenn sie selbst daran erinnern, dass sie einst einige Ebenen darunter tätig waren.

Niko Kovac, seit dieser Saison Bayern-Trainer, hat kürzlich auf der Pressekonferenz in München mit einem Schmunzeln erzählt, dass er den Liverpool-Kollegen Jürgen Klopp doch aus aktiven Zeiten gut kenne. "Wir haben noch gegeneinander gespielt, damals in der zweiten Liga. Er in Mainz, ich in Berlin. Wir haben die Klingen gekreuzt."

Direkte Duelle in der zweite Liga

Im fürwahr damals doch eher tristen Alltag eines Zweitligaspielers. In der Saison 1994/95 gingen die Vergleiche Klopp gegen Kovac zweimal 1:1 aus. Das Ambiente taugte als Kontraprodukt zum Rahmen, der jetzt die anstehenden Achtelfinalspiele der Königsklasse überwölbt. Damals schaute nicht die halbe Fußball-Welt zu, sondern nur ein Häuflein wackerer Getreuer.

In Mainz kamen im Hinrundenspiel 4.200 Besucher ins alte Bruchwegstadion, in Berlin verloren sich zur Rückrundenpartie gar nur 3.400 Unentwegte in der Betonschüssel des Olympiastadions. Torschütze war dort übrigens der Abwehrrecke Klopp, und sein Trainer in jener Spielzeit hieß kurzzeitig Hermann Hummels, Vater des heutigen Münchner Abwehrspielers Mats Hummels.

Die Trainer als große Klammer

Was Kovac aus der direkten Begegnung vor einem Vierteljahrhundert mit Klopp für die Gegenwart ableiten kann: "Was ihn als Spieler ausgezeichnet hat, lebt er als Trainer vor. Das macht ihn authentisch." Kovac erinnerte an Klopps Anfangszeiten als Trainer: "Er ist mit Mainz nicht aufgestiegen, nicht aufgestiegen -  erst, glaube ich, beim dritten oder vierten Male. Das zeigt, dass er ein Kämpfertyp ist und bis zum Letzten geht. Das sieht man auch in seiner Mannschaft – und das erwartet uns auch am Dienstag."

Kovac und Klopp geben eine Klammer für diesen prestigeträchtigen Vergleich, den es seit Gründung der Champions League noch nie und im Europapokal der Landesmeister erst einmal (1980/81) gab. An der Anfield Road richtet sich der Blick zwangsläufig auch auf die Trainerbänke.

Niko Kovac | Bildquelle: WITTERS
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Fing im Sommer 2018 bei den Bayern an: Niko Kovac

Kovac war als Spieler talentierter

Der in Berlin geborene und im Stadtteil Wedding sozialisierte Kovac hat neben einer erfolgreichen Bundesligakarriere (u.a. bei Hertha BSC, Bayer Leverkusen, Hamburger SV und Bayern München) 83 Länderspiele für Kroatien bestritten und an je zwei Welt- und Europameisterschaften teilgenommen. Ein zweikampfstarker Mittelfeldkämpfer, der sich als treuer Diener meist im Hintergrund hielt. Als Spieler beliebt und verlässlich - und gegenüber Klopp der deutlich talentiertere.

Der in Stuttgart geborene und im Schwarzwald aufgewachsene Klopp hatte den Profifußball anfangs gar nicht in der Lebensplanung. Davon zeugen viele Freunde aus seiner bisweilen wild anmutenden Studentenzeit im Rhein-Main-Gebiet, wo er sich anfangs über den Fußball einige Mark dazuverdiente. Er kickte für die Amateure von Eintracht Frankfurt, Viktoria Sindelfingen und Rot-Weiss Frankfurt, ehe ihn 1990 der FSV Mainz 05 zum Profi machte.

In seinen insgesamt elf Jahren spielte "Kloppo" beim Zweitligisten alles: Stürmer, Mittelfeld und Abwehr. Mit seiner Neugier und Wissbegierde blickte er früh in diesem Metier über den Tellerrand. Trainer wurde die spätere Kultfigur an einem Rosenmontag, als die mal wieder im Abstiegskampf gefangenen Nullfünfer binnen zwölf Monaten ein halbes Dutzend Trainer verschlissen. Was einige als Karnevalsscherz auffassten - Klopps Beförderung - brachte den selbst ernannten Karnevalsverein in die Bundesliga.

Jürgen Klopp | Bildquelle: Action Images via Reuters
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Startete im Herbst 2015 in Liverpool: Jürgen Klopp

Klopp war als Trainer erfolgreicher

Klopp ist in Liverpool nicht zufällig gelandet, sondern in seiner erfolgreichen Trainertätigkeit bei Borussia Dortmund (2008 - 2015, zwei Meisterschaften, ein Pokalsieg) nutzte der gewiefte Rhetoriker vor allem das Champions-League-Finale 2013 in Wembley gegen den FC Bayern, um sich für den englischen Markt interessant zu machen.

Seine geschliffenen wie witzigen Antworten in englischer Sprache, die den Einsatz der Dolmetscher überflüssig machten, wirkten indirekt wie eine Vorabwerbung auf der Insel, wo solch offene Trainertypen auszusterben schienen. Klopp wusste aus seiner früheren Tätigkeit als Fernsehexperte, wie wichtig der Doppelpass mit den Medien ist. Seine angeborenen Qualitäten als Entertainer helfen da ungemein. Und Menschenfänger ist der 51-Jährige auch noch.

Am Montag (18.02.2019) auf der offiziellen Pressekonferenz bestätigte er, dass ihn Uli Hoeneß 2008 zweimal angerufen habe. Die Bayern waren damals auf Trainersuche, entschieden sich aber für den nach nicht einmal einer Saison wieder entlassenen Jürgen Klinsmann. "Ich habe das seit 2008 gewusst, aber ich habe das nie gesagt", bestätigte Klopp das halbe Angebot mit einem Augenzwinkern. Ohnehin war er darum bemüht, das Verhältnis zum Gegner so normal wie möglich erscheinen zu lassen. "Sie haben mir in Dortmund zwei der besten Spieler (Mario Götze und Robert Lewandowski, Anm. d. Red.) weggekauft, aber das ist Teil des Geschäfts. Ich kann nichts Negatives sagen."

Dem Bayern-Trainer missfällt das Ich-Gehabe

Kovac hingegen haftet das Image des Disziplinfanatikers an. Ein Fußballlehrer, der am liebsten auf dem Platz arbeitet. Pressekonferenzen absolviert er inzwischen zwar souverän, aber der Unterhaltungsfaktor ist mitunter begrenzt. Schon bei Eintracht Frankfurt spannte er bis zum Pokalsieg 2018 oft einen Schutzschild vor sich, um keine Angriffsfläche zu bieten. Erstaunlich daher, dass Kovac sich gerade im Fachmagazin "Kicker" geöffnet und über seine Probleme geredet hat.

Etwa die vielen Egotrips seiner Spieler. Alle Besserwisser, die vom FC Bayern neue Stars forderten, sollten sich "eine Woche bei uns in der Kabine aufhalten". Denn: "Da würde man sehen, dass es so einfach nicht ist." Im Fußball gucke jeder auf sich: "Es geht nur um Ich, Ich, Ich." Und so etwas erschwert den Umgang zwischen Trainer und Mannschaft: "Wir haben hier eine Anhäufung von Stars. Als Trainer muss ich sehen, wieso etwas passiert, und teilweise Kompromisse eingehen, die ich als Privatperson vielleicht nicht einginge. Wenn man - generell in der Bundesliga - bei jeder Verfehlung einen Spieler sanktionieren oder raushauen würde, müsste man den Laden schon nach der Hinserie dicht machen."

Der 47-Jährige hat als Bayern-Trainer in den knapp acht Monaten eine Menge gelernt: "Die schwierige Phase im Herbst hat mich sehr geprägt. Ich habe da Ruhe bewahrt und bin authentisch geblieben, freundlich. Auch im fußballerischen Bereich haben wir uns entwickelt, weil die Jungs jetzt mehr verstehen, was wir wollen." Kovac weiß, dass die beiden Liverpool-Spiele der Lackmustest auch für seine Person sind. Ein krachendes Scheitern würde auch seinen Job möglicherweise gefährden, denn Kovac müsste nächste Saison nicht nur einen Umbruch gestalten, sondern auch die internationale Konkurrenzfähigkeit erhalten.

Klopps Arbeitgeber träumt vor allem von der Meisterschaft

Sein Gegenüber Klopp steht daher weitaus weniger in der Bringschuld: Er gilt auf der Insel auch ohne Titel bereits als Gewinnertyp und Sympathieträger - und sieht sich als Teil einer Einheit: "Wir sind zusammen gewachsen." Klopp stand bekanntlich mit den "Reds" im Vorjahr im Champions-League-Endspiel, als niemand das Erreichen auf dem Zettel hatte. Die 1:3-Niederlage in Kiew gegen den Rekordgewinner Real Madrid wurde überschattet durch die Blackouts des deutschen Keepers Loris Karius und die Verletzung seines Topstars Mo Salah. Folgerichtig erreichten Klopp kaum Vorwürfe. Was hatte er denn auch falsch gemacht?

Auch jetzt wirkt die Ausgangslage für ihn ("Am  Ende müssen es die Jungs auf dem Platz entscheiden") einigermaßen komfortabel. Ein Ausscheiden gegen den deutschen Rekordmeister wäre zwar eine Enttäuschung, aber die Blickrichtung in der englischen Hafenstadt würde sich schnell wieder auf die Premier League richten. Dort steht der FC Liverpool nur wegen der schlechteren Tordifferenz hinter Manchester City, hat aber ein Spiel weniger absolviert - der Traum vom ersten Titel seit 1990 lebt.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 19. Februar 2019 um 06:55 Uhr.

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