David Schmidt (M) und die deutschen Handballer sind ratlos | Bildquelle: imago images/Bildbyran

Europameisterschaft Deutsche Handballer auf Formsuche

Stand: 14.01.2020 07:00 Uhr

Die deutschen Handballer sind bei der Europameisterschaft in die Hauptrunde eingezogen, die Leistungen genügen aber nicht den eigenen Ansprüchen. Bleibt die Frage nach dem Grund.

Von Robin Tillenburg (Trondheim)

"Wenn wir das wüssten, dann würden wir es sofort ändern." Nationalspieler Kai Häfner brachte es auf den Punkt. Denn der Grund für die wenig berauschenden Leistungen der Handball-Herren bei der bisherigen Europameisterschaft blieb auch am ARD-Mikrofon im Dunkeln.

Probleme wurden deutlicher

Kurz zurück in die Chronologie: Die Mannschaft startete gegen die Niederlande, hatte zwischenzeitlich Probleme gegen den quirligen EM-Neuling, setzte sich dann aber am Ende deutlich durch - 34:23 (15:13). Die Analyse danach: Typisches Auftaktspiel gegen einen hochmotivierten Gegner, am Ende standesgemäß. Auftrag erfüllt.

Zweites Spiel: Gegen Titelverteidiger Spanien findet kein Spieler Normalform, das Team verliert in der Höhe absolut verdient mit 26:33 (11:14). Die allgemeine Analyse: Da läuft etwas grundlegend schief, der Gegner war aber auch sehr stark. Die Zielsetzung für das Lettland-Spiel: Gewinnen, am besten deutlich. Erfolgserlebnisse holen. Das Ergebnis: Deutschland hat in der Mitte der Partie eine sehr starke Phase, der Beginn und vor allem das Ende genügen aber den eigenen Ansprüchen absolut nicht und werfen viele Fragen auf. Nach dem 28:27 (16:11) gegen den tapferen Außenseiter sind die Pfiffe von den Rängen in Trondheim deutlich zu hören. Trotzdem sind die Deutschen in der Hauptrunde.

Ratlosigkeit

"Vielleicht platzt der Knoten im nächsten Spiel", ergänzte Häfner. Vielleicht. Ein bisschen Ratlosigkeit schwingt auch da mit. Egal wen man in dieser Mannschaft in diesen Tagen fragt: Die Stimmung im Team untereinander sei gut, man sei sehr eng beieinander. Wenn das wahr ist, und die Aussagen der Spieler stimmen hier ja wirklich alle überein und auch der Eindruck, den sie im Mannschaftshotel und drumherum miteinander machen, geht in diese Richtung, muss man den Grund woanders suchen.

Der muss tiefliegend sein. Anders lassen sich die flächendeckenden Probleme der Mannschaft, die sich als Symptome auf der Platte niederschlagen, nicht erklären. Das Zusammenwirken mit Bundestrainer Christian Prokop sei aber, das betonen die Spieler auch unisono, nicht das Problem. Prokop gebe der Mannschaft immer einen klaren Plan mit - nur in der Umsetzung hapert es offenbar.

Das defensive Fundament fehlt

Dass es im Angriff mal nicht rund läuft, kann immer mal passieren. Gerade wenn eine Mannschaft noch nicht so richtig eingespielt ist, weil wichtige Spieler verletzt fehlen. Fast 30 Tore im Schnitt sind aber auf dem Papier erstmal nicht das Hauptproblem, auch wenn dort sicher auch noch gerade im Bereich der individuellen Konstanz Steigerungspotenzial ist.

Doch die stabile Deckung mit starken Torhütern, das Fundament, auf dem das Spiel der Mannschaft eigentlich aufbauen und das dann leichte Tempogegenstoßtore ermöglichen sollte, ist nicht gegeben. Dass Dainis Kristopans mal eben sieben Tore machen kann, ist nicht völlig zu verhindern, bei vielen seiner Würfe waren die deutschen Spieler eigentlich am Mann. Doch die Letten fanden darüber hinaus immer wieder mit doch sehr einfachen Mitteln ihren ziemlich freien Kreisläufer.

Und auch das auf dem Papier defensiv beste Spiel gegen die Niederländer sah in Sachen Deckung nicht so gut aus, doch da retteten Andreas Wolff und Johannes Bitter oft gegen freie Spieler in orange. Die beiden hatten dann aber in den folgenden Partien auch keine gute Leistung mehr in der Hinterhand. "Körpersprache holt man sich in der Abwehr und die Abwehr war heute nicht das Prunkstück, das sie normalerweise ist", erklärte ARD-Experte Dominik Klein nach dem Lettland-Spiel.

Etwas Zeit für Aufarbeitung

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die DHB-Auswahl versteht sich laut eigener Angaben untereinander hervorragend, der Trainer gibt ihr klare taktische Anweisungen und in Phasen der Spiele, wie dem Mitteldrittel gegen Lettland oder der zweiten Hälfte gegen die Niederlande, zeigt das Team mehrere gute Szenen hintereinander. Auch die Testspiele waren ja in Ordnung. Doch irgendwie läuft es nicht. Die Diskussion um fehlende oder kriselnde Führungsspieler wurde schon und wird weiterhin geführt, doch einer war zumindest sportlich in Person von Uwe Gensheimer, der mit einer Energieleistung das wichtige 28. Tor erzielte, gegen Lettland wieder da. Trotzdem lief es nicht rund.

Den einen Grund für die enttäuschenden Leistungen konnten auch die fachkundigen Experten in ihrer Analyse nicht ausmachen. Häfner kannte ihn auch nicht. Aber: Bis nach Wien sind es mehr als 2.200 Kilometer, bis zum nächsten Spiel am 16. Januar liegen noch einmal zwei spielfreie Tage. Genug Zeit und Wegstrecke also, um auf Ursachenforschung zu gehen.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Januar 2020 um 04:40 Uhr.

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