Formel 1 - Bottas vor Vettel | Bildquelle: AP

Formel 1 Bottas siegt in Suzuka vor Vettel

Stand: 13.10.2019 09:38 Uhr

Ferrari hatte beim Großen Preis von Japan mal wieder das Qualifying dominiert - doch im Rennen triumphierte erneut Mercedes: Valtteri Bottas holte sich den Erfolg, immerhin rettete Sebastian Vettel nach hartem Kampf den zweiten Rang.

Von Christian Hornung

Damit ist klar, dass auch in dieser Saison der Weltmeistertitel an Mercedes geht. Der sechste Konstrukteurstitel in Serie ist bereits nach 17 von 21 Rennen sicher - und in der Fahrerwertung kann nur noch Bottas theoretisch den klar führenden Hamilton abfangen, der am Sonntag (13.10.2019) in Suzuka Dritter wurde.

Doppel-Frühstart ohne Strafe

Schon der Rennbeginn war spektakulär. Vettel, der im Qualifying nach acht Pleiten in Serie erstmals wieder seinen Teamkollegen Charles Leclerc geschlagen und sich die Pole gesichert hatte, unterlief ein Frühstart. Der Deutsche rollte los, bevor die Ampeln erloschen waren, bemerkte dann seinen Fehler, stoppte kurz - und verlor dadaurch seinen Spitzenplatz an Bottas, der ebenfalls zu früh losgerollt war und dann vehement an ihm vorbeischoss.

Das Erstaunliche: Die Jury bestrafte das eindeutig verfrühte Losrollen der beiden nach intensiver Prüfung nicht, offenbar kam ihnen die Toleranzgrenze zugute. Vettel sagte nach dem Rennen: "Ja, es war mein Fehler. Die Lichter waren einfach sehr lange an, ich habe dann den ganzen Schwung verloren - es war viel schlimmer als ein normaler Start. Es kam hier sehr viel auf Strategien an, ich weiß nicht, ob ich mit einem guten Start gewonnen häte. Die mangelnde Pace war eher das Problem."

"Ein perfekter Tag für mich"

Bottas jubelte: "Es war ein perfekter Tag für mich. Ich habe beim Start gemerkt, dass Sebastian ein kleines Problem hat und bin vorbeigefahren. Danach war die Frage, ob wir mit einer Ein- oder Zwei-Stopp-Strategie fahren, aber letztlich hat alles gepasst."

Hamilton wirkte nicht ganz so begeistert, rang sich aber zu einem Kompliment an sein Team durch: "Super, dass wir wieder den Konstrukteurstitel haben, ich wollte heute einfach so viele Punkte für das Team holen wie möglich."

Nachträgliche Strafe für Leclerc nach Hamilton-Crash

Im direkten Verfolgerfeld schaffte es Max Verstappen, sich an Hamilton vorbeizuzwingen, doch gleich in der ersten Kurve rutschte ihm Leclerc in den Wagen und schoss ihn von der Strecke. Verstappen fiel dadurch auf den letzten Platz zurück, und auch der Ferrari hatte massive Probleme: Leclerc hatte sich bei dem Crash den linken Frontflügel ruiniert, hielt aber zunächst seinen dritten Platz vor Hamilton und weigerte sich dann trotz eines klaren Kommandos ("Box! Box!") seiner Renningenieure, in die Boxengasse abzubiegen.

"Der Wagen fühlt sich gut an, können wir nicht noch ein bisschen weiterfahren?", fragte er via Boxenfunk. Doch sein Auto war ein klares Sicherheitsrisiko: In der zweiten Runde lösten sich Teile des Frontflügels und flogen Richtung Hamilton, dessen Rückspiegel dadurch abgerissen wurde - worauf sich auch der Brite über Boxenfunk beschwerte. Wegen der Kollision mit dem Weltmeister bekam Leclerc nach dem Rennen eine Zeitstrafe von 15 Sekunden aufgebrummt und fiel dadurch von Rang sechs auf sieben zurück.

Verstappen versteht die Regeln nicht mehr

Erst nach diesem Vorfall holte sich Leclerc dann den neuen Frontflügel und fiel wie Verstappen weit zurück. Der Niederländer erholte sich von dem Startunfall nicht mehr: In der 15. Runde musste er sein angeschlagenes Auto in der Red-Bull-Garage abstellen.

Verstappen ärgerte sich anschließend: "Ich hatte einen sehr guten Start, dann ist mir Charles in die Seite reingefahren. Ich kann nicht verstehen, dass dieser Vorfall nicht bestraft wurde. Ich mag hartes Racing, aber das war einfach unverantwortlich. Charles hat genug Erfahrung, ich konnte nichts anders machen, und er hat mir mein Auto zerstört. Also diese Regeln verstehe ich einfach nicht mehr."

Undercut bei Vettel

An der Spitze baute derweil Bottas seinen Vorsprung kontinuierlich bis auf knapp sieben Sekunden aus. Vettel verlor nicht nur den Anschluss nach vorne, sondern musste sich auch gegen die Attacken des angriffslustigen Hamilton wehren, der den Rückstand auf den Deutschen auf wenige Zehntel reduziert hatte. Ferrari reagierte darauf mit einem verfrühten Boxenstopp ("Undercut"), blieb aber bei der weichen Reifenmischung, sodass auf jeden Fall ein weiterer Stopp erforderlich war. Beide Mercedes hingegen wechselten von weich auf medium und hätten dadurch mit einem Stopp durchfahren können - zwei verschiedene Mischungen sind pro Rennen vorgeschrieben.

Im letzten Renndrittel holte Mercedes dann aber beide Fahrer doch nochmal an die Box. Bottas blieb danach deutlich vor Vettel, Hamilton fiel wieder auf Platz drei zurück. Doch mit den frischeren Reifen holte der Brite die fünf Sekunden Rückstand schnell auf, sicherte sich auch den Extrapunkt für die schnellste Rennrunde. Er schaffte es aber bis zur Zielflagge nicht mehr, den bravourös fightenden Vettel abzufangen.

Matchball in Mexiko

Beim kommenden Rennen in Mexiko kann sich Hamilton nun seinen sechsten WM-Titel sichern. Der Vorsprung auf Bottas, seinen letzten verbliebenen Konkurrenten, beträgt 64 Punkte.

Wegen des Supertaifuns "Hagibis" waren die Teams in Suzuka vor ungewohnte Herausforderungen gestellt worden. Der Start für das Rennen erfolgte weniger als drei Stunden nach dem Ende des Qualifyings, das aus Sicherheitsgründen am Samstag abgesagt worden war. Vettel war bei böigen, aber trockenen Verhältnissen am besten klargekommen und hatte seinen Ferrari vor Leclerc auf Startplatz eins gestellt. Im Rennen konnten die beiden diesen Vorteil aber nicht nutzen, Leclerc wurde am Ende Sechster und gab zu: "Das ist natürlich zu wenig. Schon nach dem Start war es kein normales Rennen mehr, den Vorfall mit Verstappen muss ich mir nochmal auf den Bildern anschauen."

Rennen zu früh abgewinkt

Renault-Pilot Nico Hülkenberg wurde als Zehnter gewertet, obwohl er sich zunächst auf Rang neun wähnte. Dann aber wurde ein Fauxpas der Rennleitung offenbar, die den Lauf nach 52 statt nach 53 Runden abgewinkt hatte. So wurde der Mexikaner Sergio Perez Neunter, obwohl er in Runde 53 seinen Racing Point nach einem Crash abstellen musste.

Thema in: Sportschau, Das Erste, Sonntag, 13.10.19, 18 Uhr

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 13. Oktober 2019 um 11:00 Uhr.

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