Spieler des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen | Bildquelle: REUTERS

DFB-Pokal, Halbfinale Werder und die Horrorbilanz gegen die Bayern

Stand: 23.04.2019 22:15 Uhr

Vor dem Halbfinale im DFB-Pokal gegen den FC Bayern München rechnet man sich bei Werder Bremen durchaus Chancen aus. Die jüngere Historie bietet allerdings nicht viel Nährboden für grün-weiße Hoffnung.

Von Robin Tillenburg

Aus 95 Partien stehen für Werder gegen die Münchner 29 Siege, 22 Unentschieden und 44 Niederlagen in der Bilanz - 41,8 Prozent der Spiele gingen also verloren. Gar nicht so schlecht gegen ein Team, das in Fußball-Deutschland seit gefühlten Ewigkeiten das Nonplusultra und natürlich auch Rekordmeister und -Pokalsieger ist. Möchte man meinen. Das Problem: Die Bilanz datiert vom 20. September 2008 - dem bislang letzten Sieg der Bremer gegen die Bayern in einem Pflichtspiel.

Der Bayern-Kader erinnert sich noch an viele klare Siege

Seither gab es aus Werder-Sicht noch drei Unentschieden und unglaubliche 21 Niederlagen. Wäre man mit der Statistik von 2008 noch der aktuelle Bundesligist mit der besten Erfolgsquote gegen die Bayern und somit der "Angstgegner", sieht die jüngere Vergangenheit ergebnistechnisch verheerend aus. Beim besagten 5:2-Erfolg in der Saison 2008/09 waren übrigens Martin Harnik und Claudio Pizarro schon im Bremer Trikot dabei - Harnik allerdings nur auf der Bank. Pizarro gelang damals sogar ein Treffer für die Grün-Weißen. Beide spielten zwischenzeitlich für andere Klubs und sind nun im Früh-Herbst oder tiefsten (aber strahlendem) Winter ihrer Karriere noch einmal an die Weser zurückgekehrt.

Knappe Kiste: Bayerns Tore auf dem Weg ins DFB-Pokal-Halbfinale
Knappe Kiste: Bayerns Tore auf dem Weg ins DFB-Pokal-Halbfinale

Danach gab es für Bremen, das möglicherweise auf den an einer Prellung laborierenden Kapitän Max Kruse verzichten muss, immer wieder auch krachende Niederlagen. Die letzte richtig deutliche ist jetzt allerdings fast drei Jahre her: Im Sommer 2016 setzten sich die Bayern mit 6:0 (2:0) durch - Franck Ribéry, Robert Lewandowski (dreimal), Xabi Alonso und Philipp Lahm erzielten damals die Tore. Kurios: Aus der Bremer Startelf von damals sind nur noch Theodor Gebre Selassie und Fin Bartels im Bremer Kader. Bei den Bayern könnten theoretisch - wenn Manuel Neuer nicht verletzt wäre - ganze acht Akteure von damals auch am Mittwoch beginnen.

Routinierte Teams

Obwohl es hier klare Unterschiede gibt, ist das Durchschnittsalter der beiden Mannschaften ähnlich (hoch). In der laufenden Bundesligasaison stellt keiner im Schnitt so "alt" auf wie Niko Kovac und Florian Kohfeldt. Das war auch beim Ligaduell am vergangenen Samstag nicht anders, das die Bayern mit 1:0 (0:0) knapp für sich entschieden. Auch das Hinrundenduell ging mit 2:1 nur knapp an die Kovac-Elf, die in beiden Partien ein klares Chancenplus, aber gegen Bremens Keeper Jiri Pavlenka auch große Probleme hatte.

1999: Der einzige Pokalerfolg gegen die Bayern

Die Bremer jubeln nach dem Pokalsieg 1999 gegen Bayern | Bildquelle: picture-alliance / dpa
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Die Bremer jubeln nach dem Pokalsieg 1999 gegen Bayern München.

Rückschlüsse für das K.o.-Spiel am Mittwoch wollte man in beiden Lagern nicht aus der Partie vom Samstag ziehen. "Wir haben in dieser Pokalsaison auch schon schwere Momente gehabt, die Auslosung der Spiele in Dortmund und Schalke zum Beispiel", meinte Kohfeldt. "Aber es schwang auch schon immer mit: Das wird zwar schwer, aber wir haben ein Ziel. Wir wollen nach Berlin ins Finale!"

Das wollen auch die Bayern. "Es ist der kürzeste Weg zu einem Titel. Nicht der leichteste, aber der kürzeste" sagte Kovac, der schon in den vergangenen beiden Jahren mit Eintracht Frankfurt im Endspiel stand und nach dem Pokalsieg 2018 als "Titelverteidiger" in diese Saison ging. Neben der Tatsache, dass der Münchner Trainer offenbar weiß "wie Pokal geht" und der jüngeren Bilanz spricht auch der Rückblick auf die Pokal-Historie der beiden Spezialisten in diesem Wettbewerb (18 Finalerfolge für die Bayern, sechs für Bremen) eher für die Gäste aus dem Süden: Nur im Elfmeterschießen im Endspiel 1999 jubelte am Ende Grün-Weiß. In den anderen acht Aufeinandertreffen verließen die Nordlichter den Platz mit hängenden Köpfen.

Festung Weserstadion

Bayerns Präsident Uli Hoeneß, der auch die Zeiten, in denen Werder den Münchnern regelmäßig das Leben so richtig schwer machte, noch ganz genau kennt, warnte aber vor den Bremern, die in dieser Pokalsaison schon so starke Spiele gezeigt haben und auch in der Liga noch um die Europapokalteilnahme kämpfen: "Ich hätte mir nicht unbedingt ein Halbfinale in Bremen gewünscht, weil die wieder richtig stark geworden sind." Tatsächlich gab es seit 37 Pokalheimspielen in 31 Jahren keine Niederlage mehr für die Gastgeber im Weserstadion.

Es sprechen also nicht alle Statistiken gegen Grün-Weiß. Die jüngsten knappen Spiele haben zudem gezeigt, dass die üble Bilanz der vergangenen Jahre so langsam wieder kippen könnte. Bremens Sportchef Frank Baumann meinte jedenfalls auch: "Ich glaube, dass wir wieder deutlich näher an die Bayern herangerückt sind. Das Pokalfinale wäre noch einmal ein Ausrufezeichen." Am Mittwoch hat sein Klub die Gelegenheit, eben jenes zu setzen.

Emotionale Siege: Werder Bremens Tore bis ins DFB-Pokal-Halbfinale
Emotionale Siege: Werder Bremens Tore bis ins DFB-Pokal-Halbfinale

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. April 2019 um 11:00 Uhr.

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