Max Kruse wird für sein Führungstor bejubelt | Bildquelle: imago/Eibner

Erste Fußball-Bundesliga Union Berlin feiert nach Mainzer Fehlern

Stand: 02.10.2020 22:31 Uhr

Der Trainerwechsel nach nur zwei Spieltagen der Fußball-Bundesliga hat beim 1. FSV Mainz 05 noch keinerlei Wirkung gezeigt: Auch unter Jan-Moritz Lichte waren die 05er nach einem Fehler-Festival bei Union Berlin völlig chancenlos und gingen unter.

Von Christian Hornung

Mainz bleibt nach der 0:4 (0:1)-Pleite am Freitagabend (02.10.2020) in der Haupstadt bei null Punkten und wird auch nach dem dritten Spieltag einen Abstiegsrang belegen. Die "Eisernen" hingegen legten nach ihre starken Leistung zuletzt beim 1:1 in Gladbach sogar nochmal eine deutliche Schippe drauf - die 4.400 Zuschauer an der Alten Försterei waren zu Recht begeistert.

"Offensivspiel stark verbessert"

"Wir haben es über 90 Minuten richtig gut gemacht und unser Offensivspiel war stark verbessert", freute sich Unions Kapitän Christopher Trimmel nach der Partie bei "Dazn" über den höchsten Bundesligasieg seiner Mannschaft. "Wir wussten, dass wir gute Chancen über die Flügel bekommen, wenn wir schnell und präzise spielen - das hat sich ausgezahlt."

Bei Union stand Starzugang Max Kruse nach bisher zwei Jokereinsätzen erstmals in der Startelf - und dieses Vertrauen von Coach Urs Fischer zahlte er zügig zurück. In der 14. Minute schlug Sheraldo Becker eine brillante Flanke von der rechten Seite, am langen Pfosten hatte sich Kruse von seinen Gegenspielern verabschiedet und köpfte den Ball präzise zur 1:0-Führung ein.

Lichte fordert Selbstkritik

Kruse meinte später: "Das war auf jeden Fall ein sehr gutes Spiel von uns. Ich war ein Jahr weg - schön wieder in der Bundesliga zu sein. Hier zu treffen, das ist einfach ein geiles Gefühl. Und Kopfballtore sind bei mir ja eher selten."

Der Mainzer Coach Lichte gab zu: "Dass wir hier vier Stück bekommen haben, hat nichts mit der allgemeinen Situation, sondern nur mit unserer Leistung auf dem Platz zu tun. Es war keine Frage des Systems, sondern wir haben einfach nicht gut verteidigt. Aber auch nach vorne haben wir uns nicht durchgesetzt. Jetzt ist wichtig, an allem zu arbeiten und Selbstkritik zu zeigen."

Becker wieder auf Kruse

Nach einem Patzer von Alexander Hack hätte Kruse beinahe fast aus identischer Position und mit dem gleichen Vorbereiter nachgelegt - diesmal aber schoss er nach Beckers Flanke knapp am linken Pfosten vorbei.

Auch die nächste Großchance hatten die Gastgeber. Nach einer halben Stunde landete eine abgefälschte Flanke von Christopher Lenz bei Nico Schlotterbeck, der aber aus kurzer Distanz den Mainzer Keeper Robin Zentner anschoss.

Luthe im Union-Tor beschäftigungslos

Zentners Gegenüber Andreas Luthe, der den Vorzug gegenüber dem gerade erst neu verpflichteten Ex-Liverpooler und Ex-Mainzer Loris Karius erhalten hatte, war dagegen so gut wie beschäftigungslos. Die 05er wirkten anfangs zwar bemüht, es läuferisch und in den Zweikämpfen besser zu machen als zuletzt unter dem nach nur zwei Spielen entlassenen Achim Beierlorzer.

Doch ein geordnetes Spiel nach vorne fand überhaupt nicht statt, im Gegenteil: Eine Flut an Ballverlusten und Abspielfehlern vor allem im Mittelfeld machte fast jeden aussichtsreichen Angriff der Gäste immer wieder zunichte.

Ingvartsen legt nach

Auch nach dem Wechsel blieb Mainz hektisch und ungeordnet - und Union war sofort wieder tonangebend. Zwei Minuten nach Wiederbeginn scheiteterte Schlotterbeck noch mit einem Kopfball an Zentner. Der musste aber weitere zwei Minuten später erneut hinter sich greifen: Trimmel hatte sich am rechten Flügel durchgesetzt, flankte ins Zentrum, wo Marcus Ingvartsen den Ball volley über die Linie beförderte. Auch diesmal fehlte bei den 05ern sowohl der Druck auf den Flankengeber als auch jegliche Zuordnung in der Abwehrmitte.

Ein Weckruf war dieser frühe Gegentreffer in der zweiten Halbzeit für Mainz erneut nicht. Das chaotische Spiel nach vorne hielt an, aber auch die Abwehr blieb atemberaubend schlecht. In der 62. Minute kümmerte sich nach einem Trimmel-Freistoß kein Gästeverteidiger um Marvin Friedrich - der konnte aus sieben Metern völlig ungehindert zum 3:0 einköpfen.

Traumeinstand für Pohjanpalo

Kurz danach konnte es sich Urs Fischer leisten, mit Becker und Kruse zwei seiner stärksten Spieler auszuwechseln - es kam sofort Qualität nach. Neuzugang Joel Pohjanpalo vom Hamburger SV stand ganze 35 Sekunden auf dem Platz, da bugsierte er mit etwas Glück und ganz viel Willen den Ball aus kurzer Distanz zum 4:0 über die Linie. Danach ging es für Mainz nur noch um Schadensbegrenzung. Die gelang Zentner in der 82. Minute mit einer guten Parade gegen einen wuchtigen Kopfball von Pohjanpalo nach Julian Ryersons Flanke - ein Trost für den Gesamtauftritt der 05er mit sieben Kilometern weniger Laufleistung als Berlin war das allerdings auch nicht mehr.

Die "Eisernen", bei denen sich in der Nachspielzeit Schlotterbeck offenbar eine Muskelverletzung zuzog, treten nun am Sonntag nach der Länderspielpause (18.10.2020) beim FC Schalke an. Mainz empfängt tags zuvor Bayer Leverkusen.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Oktober 2020 um 02:50 Uhr und 04:55 Uhr.

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