Berlins Sebastian Andersson trifft gegen Torwart Koen Casteels vom VfL Wolfsburg.  | Bildquelle: dpa

Bundesliga Beleidigungen überschatten Remis in Berlin

Stand: 01.03.2020 17:24 Uhr

Mit Schmähungen gegen Dietmar Hopp haben Fans von Union Berlin den Punktgewinn ihres Teams im Abstiegskampf überschattet und ein weiteres Bundesliga-Spiel an den Rand des Abbruchs gebracht.

Beim 2:2 (1:0) gegen den VfL Wolfsburg schlossen sich zahlreiche Anhänger der Berliner am Sonntag (01.03.2020) dem wütenden Protest gegen den Deutschen Fußball-Bund an und nahmen dafür Hoffenheim-Mäzen Hopp via Plakat ins Fadenkreuz. Die Partie war wie schon das Duell des FC Bayern bei 1899 Hoffenheim gleich zweimal unterbrochen, die Teams standen kurz vor der Halbzeit minutenlang im Kabinengang.

Union-Trainer Urs Fischer brachte nach der Partie sein Unverständnis über solche Aktionen zum Ausdruck. Er sprach aber auch die sportliche Problematik an: "Es war wirklich sehr unangenehm für die Jungs. Das kann ein Spiel in eine völlig andere Richtung lenken."

Berlins Kapitän Christopher Trimmel sagte der Sportschau zu den Vorfällen: "Wenn man persönlich Menschen beleidigt, da hört es auf. Wir haben es ganz klar so kommuniziert, dass wir diese Plakate nicht sehen wollen und wir das nicht unterstützen."

Auch Wolfsburgs Maximilian Arnold äußerte sich nach kurzem Zögern zu den Vorkommnissen am Sportschau-Mikrofon: "Ich kann selber nicht akzeptieren, wie Leute so reagieren, egal in was für eine Richtung man denkt. Aber ich glaube, Dietmar Hopp leistet schon Außergewöhnliches. Ich kann das nicht verstehen."

Alle vier Tore per Kopf

Zum Sportlichen: Zwar verpasste Union trotz einer 2:0-Führung den dritten Sieg aus den vergangenen vier Ligaspielen, hat aber beruhigende neun Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und konnte die zuletzt starken Wolfsburger bei der Verfolgungsjagd auf die Europapokalplätze ein wenig bremsen. Jeweils per Kopf trafen Sebastian Andersson (41. Minute) und Marvin Friedrich (57.) für die Köpenicker. Ebenfalls per Kopf sorgten Yannick Gerhardt (60.) und Wout Weghorst (81.) noch für das 2:2.

Beherrschendes Thema blieb aber wie schon an anderen Bundesliga-Standorten die Machtprobe der Fans mit dem DFB. Zunächst kritisierten die Anhänger hinter dem Union-Tor auf Plakaten den Verband: "2017 Kollektivstrafen abgeschafft, nun Hopp hofiert und zwei Schritte zurück gemacht!"

Ruhnert: "Absolutes No-Go"

Die Partie war für wenige Momente unterbrochen. Nachdem wenig später Hopp diffamiert wurde, schickte Schiedsrichter Bastian Dankert die Teams vom Feld. "Das ist ein absolutes No-Go", sagte Union-Manager Oliver Ruhnert zu den Anfeindungen gegen Hopp in der Halbzeitpause: "Persönliche Beleidigungen oder Verunglimpfungen sind einfach nicht akzeptabel. Da sind wir uns einig."

Für die erste Kritik am DFB äußerte Ruhnert noch Verständnis: "Dass man Kritik an Dingen äußert, sachlich, da muss man auch bereit sein, kritische Worte zu akzeptieren." Er habe allein aufgrund der Kritik am Verband "keinen Grund gesehen, um einzugreifen", sagte er: "Dann muss ich jedes Spiel unterbrechen."

Beide Teams lange ohne Risiko

Nach zuletzt vier Pflichtspielsiegen in Serie startete Wolfsburg selbstbewusst in die Partie. Die Gäste erarbeiteten sich größere Anteile, beide Teams gingen allerdings zunächst noch nicht das letzte Risiko ein. Nach einer Ecke von Josip Brekalo rettete Union-Keeper Rafal Gikiewicz gegen einen Kopfball von Weghorst und entschärfte in höchster Not auch den Nachschuss des VfL-Angreifers (22.).

Union setzte auf seine bewährte Taktik: lange Bälle und Standardsituationen. Die hohen Pässe auf Stoßstürmer Andersson verteidigte die Defensive der Wolfsburger lange Zeit solide, geriet durch einen individuellen Fehler aber doch in Rückstand.

Torwartfehler von Casteels

Nach einem Freistoß von Trimmel lief Keeper Koen Casteels zu ungestüm aus seinem Tor, Andersson setzte sich gegen Daniel Ginczek durch und köpfte problemlos ein. Auch für den zweiten Union-Treffer durch Friedrich leistete Trimmel die Vorarbeit. Kurz danach sorgte Gerhardt per Kopf für das 1:2, Christian Gentner, der für sein 400. Bundesligaspiel geehrt wurde, sah dabei nicht gut aus. Weghorst brachte die Gäste endgültig zurück.

Die Wolfsburger haben nun am nächsten Samstag (07.03.20) RB Leipzig zu Gast. Die "Eisernen" spielen am Mittwoch (04.03.2020) zunächst im DFB-Pokal-Viertelfinale bei Bayer Leverkusen, ehe es in der Liga am Samstag beim SC Freiburg weitergeht.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. März 2020 um 16:00 Uhr.

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