Bayerns Robert Lewandowski, rechts, bei seinem ersten Treffer vor Herthas Matthew Leckie.

Fußball-Bundesliga Lewandowski-Doppelpack reicht nicht

Stand: 16.08.2019 23:49 Uhr

Bayern München hat einen gelungenen Start in die neue Bundesligasaison verpasst - und das, obwohl Robert Lewandowski gegen die Berliner Hertha einen Rekord aufstellte. Ermutigende Signale gibt es aber an der Transferfront: Philippe Coutinho kommt vom FC Barcelona.

Von Christian Hornung

Beim 2:2 (1:2) am Freitagabend (16.08.2019) konnte der Rekordmeister nur phasenweise überzeugen, Druck- und lange Leerlaufphasen wechselten sich ab. Dabei waren die Gäste zwar kampfstark und engagiert, insgesamt aber auch alles andere als furchteinflößend.

Druckvoller Beginn

Die Bayern begannen die Partie enorm druckvoll, ließen Hertha zunächst kaum einmal über die Mittellinie kommen. Die erste Torchance hatte Thomas Müller nach sieben Minuten, sein Schuss von der Strafraumgrenze landete aber knapp neben dem linken Pfosten. In der Folge wurde München noch druckvoller, Hertha immer hilfloser.

Lewandowski hatte nach einer Viertelstunde nach der Hereingabe von Joshua Kimmich die Führung auf dem Fuß, Rune Jarstein bekam aber noch die Finger dazwischen. Machtlos war der Berliner Keeper aber in der 24. Minute. Serge Gnabry setzte sich rechts durch, bediente am Fünfmeterraum zentimetergenau Lewandowski, der den Ball zum 1:0 über die Linie grätschte.

Startrekord für Lewandowski

Es war ein Rekordtor: Noch kein Spieler in der Bundesliga-Historie hat fünfmal in Folge im ersten Spiel seiner Mannschaft getroffen. Vier Jahre in Serie war das zuvor Stefan Kießling (Leverkusen) und Klaas-Jan Huntelaar (Schalke) gelungen.

Doch erstaunlicherweise gab dieser Treffer der Mannschaft von Trainer Niko Kovac keine Sicherheit. Im Gegenteil, es kehrte eher Selbstzufriedenheit ein, der Druck nach vorn ließ nach, das Deckungsverhalten in der Rückwärtsbewegung noch mehr. Das baute Berlin auf: Neuzugang Dodi Lukebakio wurde in der 36. Minute von keinem Bayern-Defensivspieler ernstgenommen und entschloss sich zu einem Distanzschuss. Vedad Ibisevic fälschte den Ball mit dem Rücken noch ab, sodass Manuel Neuer ins Leere lief - 1:1.

Grujic trifft mit Kopfschmerzen

Für Lukebakio war das fast schon ein gewohntes Gefühl: Er hatte vergangene Saison beim 3:3 der Düsseldorfer Fortuna in München alle drei Treffer erzielt. Bayern schien davon durchaus beeindruckt und kassierte drei Minuten nach dem Ausgleich den nächsten Rückschlag: Benjamin Pavard und Marko Grujic rasselten bei einem Luftduell mit den Köpfen zusammen, was beiden sichtlich Schmerzen bereitete. Doch während sich Pavard aus dem Zweikampf verabschiedete, ging Grujic nach dem Pass von Ibisevic steil, umkurvte Neuer und schob den Ball cool ins rechte Eck. Erst beim Jubeln übermannten ihn die Kopfschmerzen, doch nach mehrminütiger Behandlung konnte er weitermachen.

Die Bayern haderten derweil mit Schiedsrichter Harm Osmers, doch der hatte den Zweikampf vor dem 1:2 ebenso zu Recht weiterlaufen lassen, wie er nach leicht durchschaubaren Falleinlagen von Lewandowski und Kingsley Coman trotz wütender Proteste jeweils den Elfmeterpfiff verweigerte.

Jarstein pariert gegen Coman und Gnabry

Im zweiten Durchgang erhöhten die Münchener dann auch wieder fußballerisch die Schlagzahl, doch Coman (53. Minute) aus kurzer Distanz und Gnabry (57.) mit einem Kracher aus 20 Metern scheiterten an Jarstein. Doch die Hertha selbst brachte Bayern zurück ins Spiel: Bei einem Strafraumzweikampf weitab des Spielgeschehens riss Grujic komplett sinnlos Lewandowski um, Osmers entschied nach Videobeweis auf Elfmeter, den der Pole zum 2:2 verwandelte (60.).

Danach hätte Corentin Tolisso die Bayern in Führung bringen müssen, doch nach einer Flanke des starken Gnabry traf der Franzose im Zentrum den Ball nicht richtig (73.). Auch Gnabry selbst hatte sechs Minuten vor Schluss einen Matchball, jagte die Kugel aber knapp über das Tor.

Coutinho und Cuisance kommen, Gerüchte um Sané

Bis kurz vor dem Anpfiff hatte weniger der aktuelle als der künftige Bayern-Kader für Aufregung gesorgt. Aus verschiedenen Quellen sickerten gleich drei interessante Personalien durch: Barcelona-Star Philippe Coutinho, der beim Ligastart der Katalanen in Bilbao auch nicht mehr im Kader stand, ist sich mit den Münchenern einig - Sportdirektor Hasan Salihamidzic bestätigte nach dem Schlusspfiff im ZDF, dass der Brasilianer zunächst für ein Jahr ausgeliehen wird und es anschließend eine Kaufoption gibt. Salihamidzic: "Auf diesen Spieler können sich die Fans richtig freuen. Aber wir wollen auch in der Breite noch etwas machen."

Das betrifft Mittelfeld-Talent Michaël Cuisance aus Mönchengladbach, dessen Kauf ebenfalls fix ist: "Das wird ein Spieler des FC Bayern", bestätigte Salihamidzic am späten Abend. Dazu gab es die hochinteressante Meldung, dass Leroy Sané von Manchester City nach seiner Kreuzbandverletzung offenbar in Innsbruck operiert wird. Laut übereinstimmenden Medienberichten soll der Eingriff von Christian Fink durchgeführt werden. Dieser hatte zuletzt schon die beiden Bayern-Profis Lucas Hernández und Corentin Tolisso am Knie operiert.

"Wissen das einzuordnen"

Herthas neuer Trainer Ante Covic wollte nach der Partie der vergebenen Führung nicht nachtrauern: "Das ist alles okay so, wir wissen das gut einzuordnen", sagte er. "Wir hatten gute Momente, waren aber auch phasenweise viel zu passiv, vor allem im zweiten Durchgang. Aber man spielt halt auch nicht jede Woche gegen Bayern." Doppel-Torschütze Lewandowski haderte: "Wir haben gut gespielt, aber ein Punkt ist dafür zu wenig. Leider haben wir zwischen der 36. und 39. Minute die Kontrolle verloren."

Die Bayern müssen nun nächsten Samstag (23.08.2019) am zweiten Spieltag beim FC Schalke antreten. Hertha hat einen Tag länger Pause und empfängt dann den VfL Wolfsburg.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. August 2019 um 01:00 Uhr.

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