Ball fällt durchs Netz eines Basketballkorbs | Bildquelle: dpa

Basketball-Bundesliga Vereinen gehen die Spieler aus

Stand: 22.03.2020 13:30 Uhr

Wie geht es weiter in der Basketball-Bundesliga? Eigentlich wollten die Klubs die Saison später zu Ende spielen, doch danach sieht es nicht aus. Zahlreiche US-Amerikaner verlassen ihre Klubs.

Die 17 Klubs der Basketball-Bundesliga wollen sich schon bald wieder zusammensetzen, um über das weitere Vorgehen in Sachen Coronaviruskrise zu beraten. Mitte nächster Woche ist eine Videokonferenz geplant, "um die dann aktuelle Lage und die möglichen Szenarien und Handlungsoptionen erneut zu besprechen."

Die Liga hatte am 12. März beschlossen, die aktuelle Spielzeit wegen der Pandemie zu unterbrechen. "Es bleibt das Ziel, die Saison zu einem späteren Zeitpunkt geordnet zu Ende zu spielen", hieß es dazu in einer Mitteilung. Dabei ging es vor allem darum, Zeit zu gewinnen. Denn die Klubs sind auf Zuschauer-Einnahmen angewiesen.

Etliche US-Amerikaner treten die Heimreise an

Björn Albrecht ist Geschäftsführer bei medi Bayreuth. Und er wird in dieser Videokonferenz dann wohl erklären, dass die aktuelle Lage bei den Franken schlecht aussieht. Denn dem Verein gehen schlichtweg die Spieler aus. Erst am Donnerstag (19.03.2020) wurden die Verträge mit vier weiteren US-Profis aufgelöst, die wegen der Coronaviruskrise in ihre Heimat wollen, und zwar mit Nate Linhart, James Woodard, Bryce Alford und James Robinson. Zuvor hatte auch Reid Travis seinen Abschied erklärt.

"Es ist absolut verständlich, dass jeder Spieler in dieser für uns alle immer noch surrealen Situation nicht tausende Kilometer von seiner Familie entfernt sein möchte, zumal das Fliegen in den nächsten Wochen ja auch nicht einfacher werden wird", sagte Trainer Raoul Korner. An einen geregelten Trainingsbetrieb sei ja zurzeit "ohnehin nicht zu denken".

Hart erwischt hat es auch Bamberg. Der frühere Serienmeister hat ebenfalls fünf US-Profis die Reise in ihre Heimat ermöglicht. Paris Lee, Kameron Taylor, Tre' McLean, Darion Atkins sowie Jordan Crawford sind bereits geflogen oder fliegen in den nächsten Tagen.

Auch Braunschweig, Giessen, Vechta und Bonn trifft es hart

Ähnlich ergeht es den Löwen Braunschweig. Dort haben die drei US-Amerikaner Trevor Releford, Jairus Lyles und Joe Lawson die Heimreise angetreten. Göttingen muss auf Dylan Osetkowski verzichten, Kaza Kajami-Keane hat den MBC Weißenfels verlassen. Bei den Giessen 46ers haben Luke Petrasek, Kendall Gray, Stephen Brown und Jordan Barnett um die Vertragsauflösung gebeten.

Die Baskets Bonn verabschiedeten in Branden Frazier, Stephen Zimmerman, Geno Lawrence und Donald Sloan ebenfalls gleich vier Profis. Auch der neue Trainer Will Voigt ist zu seiner Familie in die USA geflogen, steht aber auf Abruf bereit, sollte die Saison in der Bundesliga doch noch fortgesetzt werden.

Rasta Vechta verlor ebenfalls vier US-Profis. Die Verträge mit Jordan Davis, Kamari Murphy und Steve Vasturia wurden aufgelöst. Max DiLeo kehrt ebenfalls zu seiner Familie zurück, der Vertrag bleibt aber bestehen. Zuvor hatte sich schon Ryan Quaid in die Heimat aufgemacht.

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Rückkehr zurzeit schwierig

Die Klubs hoffen indes noch. Die Verträge wurden zum Teil zwar aufgelöst, beinhalten aber die Option auf eine Rückkehr, sollte der derzeit ausgesetzte Bundesliga-Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. "Wir haben natürlich Verständnis für die Entscheidung der Spieler und wollten ihrem Wunsch nicht im Wege stehen. Wir versuchen derzeit Mittel und Wege zu finden, die für alle Beteiligten zufriedenstellend sind und ich denke, dass wir hier eine gute Lösung gefunden haben", sagte Braunschweigs Geschäftsführer Sebastian Schmidt. Doch das könnte schwierig werden. Um die Pandemie einzudämmen hat die Europäische Union die Grenzen für Nicht-Europäer geschlossen.

Manager rechnen nicht mit Fortführung

"Die derzeitige Situation ist für uns alle nicht einfach. Wir arbeiten weiter mit Hochdruck daran, den Basketball-Standort Bayreuth überlebensfähig zu halten", sagte Bayreuths Björn Albrecht. Er gehe nicht davon aus, dass die Bundesliga in absehbarer Zeit fortgesetzt werde. Mit dieser Meinung ist er nicht alleine.

Auch Weißenfels-Manager Martin Geissler rechnet fest mit einem Abbruch der Saison. "Die einzige Alternative wäre eine Wundersituation, dass es plötzlich einen Impfstoff gibt, der alle Menschen ruckzuck heilt. Oder die Ausbreitung wird wie durch Wunderdinge gestoppt", sagte er: "Aber wir wissen, dass das nicht passieren wird."

Keine Chancengleichheit mehr

Für die Weißenfelser sind die Playoffs in weiter Ferne, die meisten Spielerverträge enden deshalb schon am 2. Mai. An diesem Tag steht der letzte Hauptrunden-Spieltag an - eigentlich. Es sei unrealistisch, dass man den Spielbetrieb nach diesem Datum länger aufrechterhalten könnte, erklärte Geissler. Auslaufende Verträge, abgereiste US-Amerikaner: Von Chancengleichheit kann keine Rede sein, würde die Saison tatsächlich wieder aufgenommen und nach hinten verschoben.

Der Manager sprach sich für eine Annullierung der Spielzeit ohne Absteiger aus. "Es wäre unter den gegebenen Umständen nicht gerecht, wenn man sagen würde: Die Mannschaft darf jetzt nicht mehr dabeibleiben. Jede Mannschaft ist unverschuldet da reingekommen", so Geissler.

Finanzieller Kollaps droht

Bei der Basketball-Bundesliga überlegt man sich derweil schon, wie kleine Klubs vor dem finanziellen Kollaps bewahrt werden können. So gibt es wohl schon Überlegungen, das Lizenzierungsverfahren für die nächste Saison anzupassen. So dürfte es bei der anstehenden Videokonferenz wohl nicht mehr nur um die Frage gehen, ob die Saison abgebrochen wird, sondern nur noch um das wie und um die Zeit danach.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. März 2020 um 22:50 Uhr.

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