Tennisspielerin Scharapowa bei einer Pressekonferenz | Bildquelle: AFP

Nach positivem Doping-Test Scharapowa vorläufig gesperrt

Stand: 08.03.2016 11:41 Uhr

Der positive Dopingtest hat für den russischen Tennisstar Scharapowa erste Konsequenzen: Die 28-Jährige wurde vorläufig suspendiert, Sponsoren distanzierten sich. Der russische Verband rechnet trotzdem mit einer Olympiateilnahme im Sommer.

Die fünfmalige Grand-Slam-Turniersiegerin Maria Scharapowa ist nach einem positiven Dopingtest vorläufig suspendiert worden. Die Sperre gilt vom 12. März an, teilte der Tennis-Weltverband ITF mit. Bei der 28 Jahre alten Tennisspielerin aus Russland wurde während der Australian Open im Januar die Einnahme der verbotenen Substanz Meldonium nachgewiesen. Ihr droht nun eine längere Sperre.

Der Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA will zunächst die Ermittlungen des Tennis-Weltverbands abwarten und erst dann über einen möglichen Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS entscheiden. WADA-Präsident Craig Reedie sagte der Nachrichtenagentur AP, dass jeder Athlet, der der Meldonium-Einnahme überführt werde, normalerweise für ein Jahr gesperrt werde.

Tennisspielerin Scharapowa nach positivem Dopingtest suspendiert
tagesschau24 09:15 Uhr, 08.03.2016, Sandra Ratzow, ARD Washington

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Sponsorenvertrag mit Nike auf Eis gelegt

Scharapowas hoch dotierter Sponsorenvertrag mit dem US-Sportartikelhersteller Nike wurde unterdessen vorerst auf Eis gelegt. "Wir sind traurig und überrascht über die Neuigkeiten von Maria Scharapowa", teilte der Konzern mit. Nike wolle nun das Ergebnis weiterer Ermittlungen abwarten, bevor über die nächsten Schritte entschieden werden soll. Auch der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche lässt die Zusammenarbeit ruhen, wie das Unternehmen bekannt gab.

Der Schweizer Uhrenhersteller TAG Heuer ging bereits einen Schritt weiter: Er gab bekannt, dass er den Sponsorenvertrag mit Scharapowa nicht verlängern wird. Es habe zwar Interesse gegeben. Angesichts der aktuellen Situation habe man sich aber gegen eine weitere Zusammenarbeit entschieden, so das Unternehmen.

Scharapowa will weitere Chance

Ihre bislang letzte Partie spielte Scharapowa bei den Australian Open in Melbourne, als sie im Viertelfinale der amerikanischen Weltranglisten-Ersten Serena Williams unterlag. Seit Ende Januar hat die Wahl-Amerikanerin kein Turnier mehr bestritten. Ihre Karriere möchte Scharapowa nach eigenen Worten so aber nicht beenden. "Ich hoffe, dass ich eine weitere Chance bekomme", sagte sie gestern auf einer Pressekonferenz.

Maria Scharapowa bei den Australian Open | Bildquelle: AP
galerie

Bei den Australian Open war Scharapowa im Viertelfinale an Serena Williams gescheitert.

Trotz der Vorwürfe rechnet der Tennisverband in Moskau sogar mit einer Teilnahme Scharapowas an den Olympischen Spielen im Sommer. "Ich denke, dass Scharapowa bei Olympia spielt", sagte Verbandspräsident Schamil Tarpischtschew der Agentur Tass. "Maria wird ihre Karriere nach all dem fortsetzen", sagte er der Fachagentur R-Sport. "Die Sportler nehmen, was ihnen die Physiotherapeuten und Ärzte geben", meinte Tarpischtschew und versuchte damit, die Vorwürfe herunterzuspielen.

Russischer Sportminister rechnet mit weiteren Fällen

Unterstützung bekam die fünffache Grand-Slam-Siegerin und Weltranglisten-Siebte auch von der russischen Nationalmannschaft. "Den Fehler hat das Team gemacht, nicht sie selbst", sagte Mannschaftskapitän Anastasia Myskina. Die russische Nationalmannschaft werde weiter auf Scharapowa zählen", betonte sie.

Der russische Sportminister Vitaly Mutko sagte der Nachrichtenagentur Tass, dass es im russischen Sport noch mehr Fälle von Sportlern geben könnte, die Meldonium eingenommen hätten. Das Ministerium habe davor gewarnt, dass die Einnahme von Meldonium nicht länger erlaubt sei.

alt Meldonium | Bildquelle: AP

Die verbotene Substanz Meldonium

Meldonium, auch bekannt unter dem Handelsnamen Mildronat, wird zur Behandlung von mangelnder Durchblutung und Sauerstoffversorgung im Körper eingesetzt.

"Bei Sportlern führt Meldonium zu einer allgemeinen Leistungssteigerung, die Erholungsphase wird verkürzt und die Motivation gesteigert", erläutert Professor Mario Thevis von der Deutschen Sporthochschule Köln. Deshalb setzte die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA das Mittel auf die neue Liste der Verbotenen Substanzen, die am 1. Januar 2016 wirksam wurde.

Meldonium wird in den baltischen Staaten und in Russland vertrieben; in Deutschland ist es als Arzneimittel nicht zugelassen. Bereits bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen stellten Wissenschaftler in einer Studie fest, dass vor allem Sportler aus den ehemaligen Staaten der Sowjetunion bevorzugt auf Meldonium zurückgriffen. Laut einer russischen Studie von 2015 - kurz vor dem WADA-Verbot - fanden Moskauer Forscher in 724 von 4316 Urinproben Meldonium.

Darstellung: