Nach einer Vernehmung wurde Ex-UEFA-Präsident Platini aus dem Gewahrsam entlassen. | Bildquelle: dpa

Ehemaliger UEFA-Präsident Polizei entlässt Platini aus Gewahrsam

Stand: 19.06.2019 07:11 Uhr

Nach einer Vernehmung zur WM-Vergabe nach Katar hat die Polizei Ex-UEFA Präsident Platini aus dem Gewahrsam entlassen. Er weist den Verdacht der Korruption zurück. Ex-FIFA-Chef Blatter hingegen bekräftigt seine Vorwürfe.

Die französische Polizei hat den früheren UEFA-Präsidenten Michel Platini laut einem Bericht nach einer mehrstündigen Vernehmung aus dem Gewahrsam wieder entlassen. Bei der Befragung ging es laut der französischen Nachrichtenagentur AFP um Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-WM 2022 in Katar.

Platinis Anwalt William Bourdon bezeichnete den Vorgang nach Angaben von AFP als "viel Lärm um nichts". Laut französischen Medienberichten vernahmen die Anti-Korruptions-Ermittler auch Sophie Dion, eine frühere Sportberaterin des Ex-Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy. Ebenfalls angehört, aber nicht formal in Gewahrsam genommen wurde demnach der frühere Élysée-Generalsekretär Claude Guéant, der unter Sarkozy diente.

Platini weist Vorwürfe zurück

Der Polizeigewahrsam sei bei Anhörungen zu Finanzuntersuchungen in Frankreich keine Seltenheit, betonte Platinis Anwalt. "Die Ermittler wollten aus technischen Gründen, dass die Personen angehört werden, damit sie sich nicht untereinander absprechen können." Er und sein Mandant blickten zuversichtlich in die Zukunft.

Platini hatte die Vorwürfe schon am Dienstag zurückgewiesen und über seinen Berater wissen lassen, dass er sich "nichts vorzuwerfen" habe. Folgerichtig sei er auch nicht verhaftet worden. Französischen Medien zufolge geht es bei den seit 2016 laufenden Ermittlungen zur umstrittenen WM-Vergabe nach Katar unter anderem um Bestechungsverdacht.

Treffen mit Sarkozy im Élyséepalast

Im Fall Platini interessieren sich die Ermittler laut der Online-Plattform "Mediapart" für dessen Treffen im Élyséepalast am 23. November 2010 mit dem damaligen Präsidenten Sarkozy und dem heutigem Emir von Katar, Tamim bin Hamad. Kurz danach wurden am 2. Dezember 2010 die WM-Turniere 2018 an Russland und 2022 an Katar vergeben.

Seitdem halten sich massive Anschuldigungen zu unlauteren Machenschaften bis hin zu Korruptionsvorwürfen gegen die Gastgeberländer und mehrere frühere FIFA-Funktionäre. Platini unterstützte damals öffentlich Katar.

Vorwürfe von Ex-FIFA-Präsident Blatter

Schon 2015 hatte der damalige FIFA-Präsident Joseph Blatter von einer Absprache über die Stimmenvergabe gesprochen und das Treffen im Élyséepalast erwähnt. Danach habe sich das Stimmenverhältnis zwischen Katar und den USA zugunsten des Emirats geändert.

Blatter bekräftigte am Dienstag seine Vorwürfe. "Platini hat mich angerufen und mir gesagt, dass er eine Unterhaltung mit Nicolas Sarkozy im Élysée hatte und dass er und seine Freunde aus nationalen wirtschaftlichen Interessen für Katar stimmen könnten", sagte der Schweizer der französischen Zeitung "L'Equipe". So sei es dann auch gekommen: Die vier Stimmen seien nach Katar gegangen, die USA folglich mit 8:14 Stimmen unterlegen gewesen.

Platini wurde bereits 2015 von der FIFA-Ethikkommission für acht Jahre für alle Fußballaktivitäten gesperrt. Die Strafe wurde später auf vier Jahre reduziert. Grund war eine Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken, die er 2011 von Blatter erhalten hatte. Laut Blatter und Platini handelte es sich um eine verspätete Honorarzahlung für Platinis FIFA-Arbeit in den Jahren 1998 bis 2002.

Platini aus Polizeigewahrsam entlassen - vorerst kein Ermittlungsverfahren
Sabine Wachs, ARD Paris
19.06.2019 10:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Juni 2019 um 02:00 Uhr.

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