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Das Geheimnis der jamaikanischen Sprint-Erfolge
Das Geheimnis der jamaikanischen Sprinter

Gene, Süßkartoffeln oder Wasser?

Bei Olympia laufen sie allen davon: Die Jamaikaner sind begnadete Sprinter - und räumen eine Medaille nach der anderen ab. Liegt's an den Genen, an Süßkartoffeln oder dem Wasser? Oder ist es gar eine Folge der Sklaverei?

Von Michael Castritius, ARD-Hörfunkstudio Mexiko

Der Jamaikaner Asafa Powell läuft ins Ziel. (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Der Jamaikaner Asafa Powell bei der 4x100m-Staffel: auch hier sind sie Favoriten. ]
Reggae, sanft schwingende Hängematten, süßliche Marihuana-Schwaden und relaxte Rastas - das alles ist Jamaika, vermutlich aber nur zehn Prozent. Der Rest ist überraschend konservativ und eben: schnell. Doppel-Olympiasieger Usain Bolt ist da nur die Speer-Spitze der Cool Runnings.

Schon seit Jahrzehnten faszinieren erfolgreiche jamaikanische Sprinterinnen und Sprinter die Kinder der Insel: Arthur Wint holte Gold bei Olympia 1948 - Merlene Ottey, Asafa Powell oder Shelly-Ann Fraser sind zeitgenössische Fixsterne. Es locken zudem die USA mit Stipendien an dortigen Universitäten. Die auf Jamaika geborenen Ben Johnson oder Linford Christie machten es den Ghetto-Kids von Kingston vor. Im Nationalstadion der Hauptstadt rennen schon Vierjährige um den Landestitel; bei den dortigen Championchips treten mehrere tausend Kinder gegeneinander an, zur Not barfuss. Sie werden entdeckt und gefördert - und rennen um ihr Leben, um dem Leben im Slum zu entfliehen.

Dutzende Nachwuchssprinterinnen stehen bereits im Startblock, um ihren Idolen Shelly-Ann Fraser und Usain Bolt nachzufolgen. Natürlich zieht soviel jamaikanische Schnelligkeit Doping-Verdächtigungen nach sich. Allerdings hat die Welt-Anti-Doping-Agentur vor Olympia 2008 nur einen Jamaikaner überführt, alle anderen waren sauber.

Ein Gen soll für Durchschlagskraft und Aggression sorgen

Sprinter Usain Bolt präsentiert seine Gold-Medaille (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Sprinter Usain Bolt ist gleich Doppel-Olympiasieger. ]
Das saubere Wasser von den Blauen Bergen ihrer Insel nennt Sportministerin Olivia Grange als Erfolgsrezept. "Die Yams macht's", ist Usain Bolts Vater überzeugt. Die Süßkartoffel habe seinen Sprössling so schnell gemacht.

Wissenschaftlicher ist die Theorie vom Protein "Actinen A", das 70% der jamaikanischen Kurzstreckenstars in ihren Muskelfasern aufweisen. Dieser körpereigene Stoff sorgt für Durchschlagskraft und Aggression. Nachgewiesen ist es aber nicht, dass dieses Protein wirklich der Grund für die jamaikanischen Erfolge ist. Sicher ist nur, dass die schwarzen Bewohner der karibischen Inseln andere Muskelfasern haben als Europäer, aber auch als ihre afrikanischen Vettern. Die sind ja auch als Langstreckenläufer weltberühmt, nicht als Sprinter.

Sklaverei als brutale Selektion

Diese Muskel-Spur führt zur historischen Theorie, die ich für am wahrscheinlichsten halte. Afrikaner und die Schwarzen der Karibik trennt die Sklaverei. Sklaverei war brutale Selektion: schon in Afrika wurden nur die kräftigsten Männer und Frauen ausgewählt und verschleppt. Von denen überlebten wiederum nur die widerstandsfähigsten die höllische Überfahrt im Bauch der Sklavenschiffe. Vor allem auf den Zuckerplantagen mussten sie dann schwerste, muskelfördernde Arbeiten verrichten, bis zu 18 Stunden am Tag. Zu schlechter Letzt haben viele Plantagen-Besitzer ihre körperlich besten Sklaven als "Deckhengste" missbraucht und sie den stärksten Frauen zugeführt. Menschenzucht - Muskelzucht. Grausame Geschichte - vielleicht mit goldenen, olympischen Spätfolgen.

Stand: 21.08.2008 20:21 Uhr

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