Carlos Nuzman (2.v.l.) wird zum Polizeigebäude begleitet | Bildquelle: REUTERS

Spiele 2016 gekauft? Rios Olympia-Chef festgenommen

Stand: 05.10.2017 14:10 Uhr

Der Verdacht, dass die Olympischen Spiele 2016 in Rio gekauft waren, erhärtet sich. Der Organisationschef der Spiele, Nuzman, soll Geldzahlungen an afrikanische Mitglieder des IOC für ein "Ja" zu Rio vermittelt haben. Jetzt wurde er festgenommen.

Die Festnahme erfolgte am Morgen in seinem Haus im Stadtteil Leblon in Rio de Janeiro: Die Polizei nahm den 75-jährigen Carlos Arthur Nuzman fest. Ihm werde Korruption, Geldwäsche und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen, so die Polizei. Auch der Marketingchef der Spiele, Leonardo Grynner, wurde festgenommen.

Beide stehen unter Verdacht, vor der Wahl des Olympia-Gastgebers Geldzahlungen an afrikanische IOC-Mitglieder für eine Zustimmung zu Rio vermittelt zu haben. Berichten zufolge soll unter anderem die Stimme des langjährigen Chefs des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF und IOC-Mitglieds Lamine Diack aus dem Senegal gekauft worden sein.

Verdächtige zwei Millionen Dollar

Rio hatte sich bei der Abstimmung im Oktober 2009 in Kopenhagen gegen Madrid, Tokio und Chicago durchgesetzt. Drei Tage vor der Abstimmung sollen dem Sohn Diacks zwei Millionen Dollar von einem brasilianischen Unternehmer überwiesen worden sein. Nuzman und Gryner werden verdächtigt, die Verbindung hergestellt zu haben.

Die brasilianische Polizei hatte wegen des Verdachts auf Stimmenkauf Ermittlungen gegen ein "internationales Korruptionsnetzwerk" eingeleitet. Bereits im September hatte es in Rio de Janeiro Großrazzien gegeben.

Die Staatsanwaltschaft erklärte damals, Nuzman sei ein "zentrales Element" des Netzwerks. Vor einem Monat war bereits sein Anwesen durchsucht worden - er ist auch seit 22 Jahren der Chef des Nationalen Olympischen Komitees Brasiliens. Nuzmans Anwalt wies alle Vorwürfe zurück.

"Glaubwürdigkeit ist wichtig"

Bei der IOC-Vollversammlung im September in Lima hatte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach betont: "Wenn Beweise vorgelegt werden, werden wir handeln." Glaubwürdigkeit sei extrem wichtig. Es gehe mittlerweile um die Frage, ob auch bei der Vergabe an Tokio 2020 geschmiert worden sei.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 im Sport-Ressort am 05. Oktober 2017 um 14:25 Uhr.

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