Günter Netzer | Bildquelle: picture alliance / HJS-Sportfoto

Affäre um Fußball-WM 2006 Netzer droht Zwanziger mit Klage

Stand: 27.10.2015 19:54 Uhr

"Damit haben wir die vier Asiaten bezahlt": So soll Fußball-Ikone Netzer gegenüber Ex-DFB-Chef Zwanziger die Existenz einer Schwarzen Kasse im Zuge der deutschen WM-Bewerbung eingeräumt haben. Netzer bestreitet dies - und will nun gegen Zwanziger klagen.

In der Affäre um die Fußball-WM 2006 will Günter Netzer juristisch gegen den früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger vorgehen. Entsprechende Berichte der "Süddeutschen Zeitung" und der "Sport-Bild" bestätigte Netzers Medienanwalt Ralf Höcker.

Hintergrund sind Zwanzigers Behauptungen, wonach er von Netzer erfahren habe, dass das WM-Bewerbungskomitee die Stimmen der vier asiatischen Vertreter in der FIFA-Exekutive bei der WM-Vergabe gekauft habe. Netzers Anwälte setzten Zwanziger eine Frist bis Freitag für eine Erklärung, künftige Behauptungen zu unterlassen. Andernfalls werde Netzer den langjährigen Funktionär verklagen. "Die Wahl liegt bei ihm", sagte Höcker.

"Seine Frau kann das bezeugen"

Bei dem Treffen 2012, bei dem die angebliche Bemerkung gefallen sein soll, habe Netzers Frau mit am Tisch gesessen, sagte Höcker. "Sie kann bezeugen, dass Zwanziger lügt", sagte der Jurist der "SZ". Netzer selbst betonte: "Ich weiß, dass ich solche Verleumdungen leider noch aufwerte, wenn ich den Rechtsweg beschreite. Aber es gibt einen Punkt, an dem man so etwas nicht mehr einfach ignorieren kann. Und der ist jetzt gekommen."

Günter und Elvira Netzer | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Weisen die Aussagen Zwanzigers scharf zurück: Günter und Elvira Netzer

Zwanziger konterte umgehend auf die Vorwürfe. "Es ist sein gutes Recht, seinen Standpunkt auf diesem Wege zu vertreten, wichtiger wäre es allerdings, zur Aufklärung beizutragen", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Zugleich erhöhte der frühere DFB-Präsident den Druck auf seinen Nachfolger Wolfgang Niersbach. "Es war 2002 kein Alleingang von Franz Beckenbauer, die Führungsspitze des WM-Organisationskomitees war eingeweiht, also Wolfgang Niersbach, Horst R. Schmidt und Fedor Radmann", sagte Zwanziger.

Unterdessen will Niersbach dem Sportausschuss des Bundestages vorerst nicht Rede und Antwort stehen. Das Gremium hatte Aufklärung von Niersbach verlangt und ihn zur nächsten Sitzung am 4. November eingeladen. "Der DFB hat mir heute schriftlich mitgeteilt, dass man die Einladung für kommende Woche nicht wahrnehmen könne, da man zunächst die Ergebnisse der externen Prüfung abwarten wolle", sagte die Ausschussvorsitzende Dagmar Freitag (SPD).

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