Marathonläufer Kipchoge jubelt nach seinem Rekordlauf in Wien | Bildquelle: AFP

Marathon unter zwei Stunden 1 Stunde, 59 Minuten, 40 Sekunden

Stand: 12.10.2019 13:37 Uhr

Die Zwei-Stunden-Marke galt beim Marathon als Schallmauer. Der Kenianer Kipchoge hat sie nun durchbrochen. Das wurde durch Faktoren möglich, die eine Anerkennung als Weltrekord verhinderten.

Von Srdjan Govedarica, ARD-Studio Wien

Der Kenianer Eliud Kipchoge hat sein großes Ziel erreicht und ist den Marathon in 1 Stunde, 59 Minuten und 40 Sekunden gelaufen. Noch nie zuvor ist es jemandem gelungen, im Marathon die 2-Stunden-Schallmauer zu durchbrechen.

Nach dem Zieleinlauf zeigte sich der 34-jährige Kenianer überglücklich. "Ich fühle mich gut. Ich habe versucht, der zu sein, der es unter zwei Stunden schafft. Um die Menschen zu inspirieren und ihnen zu zeigen, dass sie kein Limit haben und es schaffen können", sagte Kipchoge.

41 Tempomacher

Er war am Morgen um 8:15 Uhr gestartet. Kipchoge und seine jeweils sechs "Pacemaker" - insgesamt wurde er von 41 Spitzenläufern als Tempomacher und Windschattengeber unterstützt - legten gleich nach dem Start auf der Wiener Reichsbrücke einige schnelle Kilometer hin, um sich für die Rekordmarke einen Puffer zu schaffen.

Auf der Hauptroute rund um den Wiener Prater klappte dann vor zahlreichen Zuschauern, die schon früh an die Strecke gekommen waren, alles wie am Schnürchen. Die angepeilten zwei Minuten und 50 Sekunden pro Kilometer hielt der Kenianer fast durchgehend ein.

Marathonläufer Kipchoge läuft im Windschatten mehrerer Tempomacher | Bildquelle: CHRISTIAN BRUNA/EPA-EFE/REX
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Jeweils sechs Tempomacher unterstützten Kipchoge und gaben ihm Windschatten.

Der Sponsor des Rennens, das britische Chemieunternehmen Ineos, hatte in monatelangen Vorbereitungen einiges unternommen, um ideale Bedingungen für das eigens organisierte Rennen zu schaffen.

Miliardär und Firmenchef Jim Ratcliff fieberte am Streckenrand mit. "Ich denke, das ist eine der Herausforderungen, die noch zu machen sind", sagte er. "Wir hatten 100 Meter unter zehn Sekunden und vier Minuten für eine Meile. Aber das hier ist außergewöhnlich, es ist fast übermenschlich."

Strecke extra neu asphaltiert

Damit das Übermenschliche gelingen konnte, war die die Strecke rund um den Wiener Prater für den Rekordversuch eigens asphaltiert worden. Sie war eben wie ein Brett. Eine orangefarbene Ideallinie zeigte Kipchoge an, wo er entlanglaufen sollte. Ein Begleitfahrzeug fuhr vor, projezierte eine grüne Linien auf den Boden und gab so die richtige Laufgeschwindigkeit vor.

Marathonläufer Kipchoge läuft im Windschatten mehrerer Tempomacher | Bildquelle: AFP
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Ein Begleitfahrzeug projezierte eine grüne Linie auf die Strecke, um das optimale Tempo zu sichern.

Auch sonst war nichts dem Zufall überlassen worden. Kipchoges Laufschuhe wurden vom Hersteller an den Asphalt, seine Getränke an seine physiologischen Bedürfnisse angepasst. Der ehemalige österreichiche Laufstar Michael Buchleitner formulierte das im ORF Fernsehen so: "Ich glaube, dass im gesamten Projekt bei der Planung immer nach dem Optimum gesucht wurde, und dass man das hier in Wien gefunden hat. Und auch die Wetterbedingungen sind gleich am ersten Tag, der anvisiert wurde, optimalst."

Kipchoge hält auch offiziellen Weltrekord

Nachdem Kipchoge auf der Formel-1-Strecke in Monza 2017 in einem ähnlichen Projekt die angepeilte Marke um 26 Sekunden verpasst hatte, lief bei idealen Bedingungen in Wien nun alles nach Plan. Als Weltrekord wird die neue Zeit wegen der besonderen Bedingungen aber nicht anerkannt.

Die offizielle Bestmarke hat Kipchoge jedoch seit dem Berlin-Marathon 2018 mit 2 Stunden, 1 Minute und 39 Sekunden ohnehin schon in seinem Besitz. Der heutige Erfolg in Wien ist für den Kenianer jedoch etwas ganz Besonderes: "In Berlin und in Wien zu laufen, sind zwei verschiedene Dinge. In Berlin ging es um einen Weltrekord, in Wien darum, Geschichte zu schreiben. Wie der erste Mensch auf dem Mond."

Kipchoge läuft als erster Mensch den Marathon unter zwei Stunden
Srdjan Govedarica, ARD Wien
12.10.2019 11:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 12. Oktober 2019 um 13:40 Uhr.

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