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Zweiter Teil des Armstrong-Interviews
"Diese Todesstrafe habe ich nicht verdient"
Gefühle, Schuld und Ansprüche - der zweite Teil des Armstrong-Interviews war deutlich emotionaler als der erste. Der Ex-Radprofi sprach darüber, wie er seine Stiftung verlor und seinen Kindern die Wahrheit sagen musste. Aber der Kämpfer Armstrong stellte klar: Er fühle sich auch ungerecht behandelt.
Von Rolf Büllmann, BR-Hörfunkstudio Washington
Lance Armstrong hat diesmal viel über Gefühle geredet. Reden müssen, sollte man vielleicht sagen, denn die harten Fakten - dass er dopte, wie er dopte, wann er dopte, wen er alles ungerechtfertigterweise bedrängte - waren ja schon im ersten Teil des Interviews geklärt.
Jetzt ging es um die Folgen - emotional, und finanziell. Zum Beispiel, als seine Sponsoren ihn fallen ließen: "Ich habe alle zukünftigen Einnahmen verloren, als meine Sponsoren gegangen sind - ich denke nicht gerne darüber nach, aber das war ein 75 Millionen-Dollar-Tag."
"Das war mein schlimmster Albtraum"
Doch dieser Tag kam nicht unerwartet. In den letzten Monaten hatte sich der Druck auf ihn so gesteigert, dass Armstrong nach eigener Aussage wusste, dass es dazu kommen würde: "Wissen sie, irgendwie habe ich damit gerechnet, es war ja alles außer Kontrolle, mein schlimmster Albtraum." Aber dass er seine Stiftung verlieren werde, habe er nicht gedacht. "Sie ist wie ein sechstes Kind für mich - dort wegzugehen, das war eine große Sache", sagte er.
Die Stiftung ist die "livestrong foundation", eine Krebsstiftung, die Armstrong in den USA zum öffentlichen Helden gemacht hat, fast noch mehr als seine sportlichen Erfolge. Sie hat Millionen Dollar aufgebracht für den Kampf gegen den Krebs und bekommt dafür viel Anerkennung.
Und als klar war, dass das Denkmal Armstrong zu bröckeln beginnt, drängte ihn die Stiftung zu gehen - was er schließlich auch tat: Er hat dort keine Ämter mehr. Armstrong war anzumerken, wie schwer es ihm gefallen war, die Stiftung zu verlassen.
Zweiter Teil des Interviews mit Lance Armstrong
R. Büllmann, BR Washington
19.01.2013 10:01 Uhr
Nur an einer Stelle wirklich betroffen
Richtig emotional aber wurde er, als er davon berichtete, wie er seinen Kindern - und im besonderen seinem 13-jährigen Sohn - die Wahrheit sagen musste, vor wenigen Tagen übrigens erst: "Ich habe gesehen, wie mein Sohn mich verteidigt hat - dass er gesagt hat, es ist nicht wahr, was ihr über meinen Vater sagt." Sein Sohn habe ihn nie gefragt, ihm immer vertraut. "Und dann habe ich ihm gesagt: Du sollst wissen, es stimmt. Verteidige mich nicht mehr", berichtete Armstrong. Das war die einzige Passage in beiden Teilen des Interviews, in der er wirklich angegriffen wirkte, wirklich betroffen.
Seine alte, aggressive Persönlichkeit blitzte dann aber wieder auf, als er über seine Sperre sprach. Er wolle wieder zurück in den Wettkampfsport sagte er - nicht in die Tour de France, aber in den Wettkampfsport, und nicht nur das: Er verdiene es, zurückzukommen - denn sein Sperre sei viel zu hart im Vergleich mit anderen: "Ich habe die Todesstrafe bekommen. Ich sage nicht, dass das unbedingt unfair ist - aber es ist anders als bei anderen, die gedopt haben. Ich verdiene eine Strafe, aber nicht die Todesstrafe."
Das - so sagte er - sei auch einer der Gründe für sein Geständnis: Er hoffe, irgendwann die Strafe abmildern zu können. Zwei Dinge werden wichtig sein dafür, und sie werden auch die Ermittler besonders interessieren: zum einen Armstrongs Aussage, dass er nicht versucht habe, die Antidopingagentur USADA zu bestechen - und zum anderen seine Aussage, dass er bei seinem Comeback 2009/2010 nicht gedopt gewesen sei.
"Der Sport ist sehr sauber"
Ob er damals geglaubt habe, gewinnen zu können, fragte Winfrey - obwohl er doch vorher gesagt habe, es sei unmöglich gewesen, die Tour ohne Doping zu gewinnen? Ja, tatsächlich, antwortete Armstrong: "Ich dachte und denke immer noch, dass der Sport sehr sauber ist." Dass liege an Veränderungen, die um 2005 herum eingetreten seien. Auch ohne Doping habe er die selben Wettbewerbschancen wie die anderen Fahrer gehabt.
Und jetzt? Wie geht es jetzt für Armstrong weiter? Seine Antwort: "Ich weiß es nicht."
Stand: 19.01.2013 07:51 Uhr
