Ex-Radprofi Armstrong legt Doping-Beichte ab

Lance Armstrong (Bildquelle: REUTERS)

Armstrong legt Doping-Beichte ab

Doping - so normal wie "Reifen aufpumpen"

EPO, Eigenblut, Hormone - Ex-Radprofi Lance Armstrong hat zugegeben, jahrelang gedopt zu haben. Doping sei für ihn damals selbstverständlich gewesen, gestand er in einem mit Spannung erwarteten TV-Interview. Er bestritt aber, Teamkollegen unter Druck gesetzt zu haben.

Von Martin Ganslmeier, NDR-Hörfunkstudio Washington

Gleich zu Beginn konfrontiert Moderatorin Oprah Winfrey Lance Armstrong mit der entscheidenden Frage: Hast Du verbotene Dopingsubstanzen genommen - ja oder Nein? "Ja", erwidert Armstrong. "Und war eine der Substanzen EPO?" Die knappe Antwort: "Ja." Auch die Einnahme von Eigenblut sowie von Kortison und Wachstumshormonen gesteht Armstrong.

Er gibt zu, dass er bei all seinen Tour de France-Siegen gedopt war. Ohne leistungsfördernde Mittel wären diese Siege nicht möglich gewesen. Allerdings könne er nicht sagen, ob alle Radprofis gedopt hätten. Er selbst habe etwa Mitte der 1990er-Jahre damit begonnen, verbotene Substanzen einzunehmen. Für ihn sei das damals so natürlich gewesen wie "Reifen aufpumpen".

Armstrongs Beichte bei Oprah Winfrey
M. Ganslmeier, NDR Washington
18.01.2013 05:31 Uhr

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"Eine einzige große Lüge"

Warum er gerade jetzt, nach 13 Jahren des Leugnens, bereit zu einem Geständnis sei, will Oprah wissen: Armstrong beteuert, er wolle endlich mit seiner Lebenslüge aufräumen: "Dies ist zu spät, zu spät für viele Leute. Das ist mein Fehler. Ich sehe meine Situation als eine einzige große Lüge."

Seine Karriere sei einfach eine perfekte Geschichte gewesen, die sieben Tour-Siege, die besiegte Krebs-Krankheit, seine Arbeit für Krebshilfe "Livestrong". Diese perfekte Geschichte sei nun "vergiftet", räumt Armstrong mit einem gewissen Selbstmitleid ein. Dabei wirkt er ruhig und berechnend. Seine Antworten kommen oft zögerlich, als ob er überlege, ob ihm juristische Probleme drohen.

Kein Druck auf andere Radprofis

Manche der Vorwürfe, die Winfrey ihm entgegenhält, streitet er allerdings entschieden ab: Zum Beispiel die Kritik der US-Anti-Dopingagentur, er habe das raffinierteste Dopingsystem betrieben, das es je gab. Die Methoden im früheren Ostdeutschland seien schlimmer gewesen, sagt Armstrong. Auch den Vorwurf, er habe andere Radprofis zum Doping gezwungen, will Armstrong so nicht stehen lassen. Letztlich habe es eher eine allgemeine Erwartung gegeben, zu dopen, um mithalten zu können. "Es gab nie eine direkte Anweisung: Du musst dies tun, wenn Du im Tour-Team dabei sein willst. Das geschah nie." Ob er nicht doch ein "Bully" sei, der anderen seinen Willen aufgezwungen habe, fragt Oprah. "Ja das schon", gesteht Armstrong. Er habe halt gerne alles unter Kontrolle. Und wenn ihn jemand kritisiere, sei er von Kindheit an immer zum Gegenangriff übergegangen.

Doping - "nicht kompliziert, eher traditionell"

Lance Armstrong (Bildquelle: dapd)
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Trotz jahrelangen Dopings hatte Armstrong wenig Angst, aufzufliegfen.

Oprah Winfrey will auch wissen, wie das Doping im Geheimen abgelaufen sei. "Es war nicht kompliziert, eher traditionell", sagt Armstrong. Sein Cocktail habe aus etwas EPO, Bluttransfusionen und Testosteron bestanden. Angst davor, aufzufliegen, habe er nicht gehabt. Die Dopingkontrollen seien viele Jahre zu schwach gewesen. Sie hätten sogar zwischen den Tour-Etappen in Hotels sauerstoffreiches Blut zu sich genommen. Erst nach Einführung des "Blutpasses" hätten sie mehr aufpassen müssen.

Als unwahr bestreitet Armstrong Vorwürfe, es habe bei der Tour de Suisse einen positiven Test gegeben, der dann gegen Zahlung einer Geldspende an den Radsport-Weltverband verschleiert worden sei. Auf eine Frage von Oprah verweigert er die Antwort: Ob die Aussage von Betsy Andreu stimme, er habe vor seiner Krebsoperation Ärzten gegenüber das Dopen gestanden. Dazu möchte er nichts sagen, sagt Armstrong auch nach zweimaligem Nachfragen.

Armstrong wirkt während des Interviews nicht wie ein wirklich reumütiger Sünder. Eher wie ein Taktierer, dem es darum geht, dass seine lebenslange Wettkampfsperre aufgehoben wird. Die vielen Menschen, die er ins Unglück getrieben hat, scheinen ihm nicht wirklich leid zu tun.

Dieser Beitrag lief am 18. Januar 2013 um 06:10 Uhr bei Deutschlandradio Kultur.

Stand: 18.01.2013 07:09 Uhr

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